Mittwoch, 9. November 2011

Scream 4 (2011)

Mit SCREAM 4 beweist Wes Craven gleich mehrere Thesen.

Erstens: die "Scream"-Reihe ist seit dem unterdurchschnittlichen Teil 3 (2000) mausetot.

Zweitens: Selbst ein talentierter Horror-Maestro wie Craven bekommt nur noch grünes Licht für Filme, die es schonmal gab oder zumindest an frühere Titel anknüpfen.

Drittens: Autor Kevin Williamson hat sein Pulver um die Jahrtausendwende herum restlos verschossen.

Und viertens: das Wissen um die eigene künstlerische Bankrotterklärung macht diese Bankrotterklärung noch nicht besser.

Wir sind also wieder in Woodsboro, der Kleinstadt, in der 'Ghostface', der maskierte Killer mit Vorliebe für Horrorfilm-Quizfragen, umgeht und Teenager absticht. Wieder hat er es auf Sidney Prescott (Neve Campbell) abgesehen, die zur Vorstellung eines Bestsellers in ihre Heimatstadt gekommen ist (als wüsste sie es nicht besser!) und sich überraschend wieder die Leichen stapeln. Auch Sheriff Dewey (David Arquette), der mittlerweile die örtliche Polizei leitet, und seine Gattin, Ex-Journalistin Gale Weathers (Courteney Cox), sind wieder dabei und versuchen, den Mörder zu demaskieren...

SCREAM 4 beginnt nett mit einer Film-im-Film-im-Film-Sequenz, die sich über die Sequelflut populärer Horror-Reihen lustig macht, gleich nach dem Vorspann aber geht alles weiter wie gehabt. Autor Kevin Williamson und Wes Craven bemühen sich sichtlich, die "Scream"-Reihe in die Gegenwart zu zerren, indem sie Anspielungen auf Facebook, Twitter, etc, einbauen, die allerdings reichlich bemüht wirken und die Tatsache nicht verschleiern können, dass ihr eigener Film nichts, aber auch überhaupt nichts Neues zu erzählen hat. Weder gelingt ihnen ein echter Spannungsmoment, nein, das letzte Drittel des Films ist dann noch ein komplettes Re-Staging des ersten Teils. Craven versucht zwar, diese Einfallslosigkeit als konsequente Umsetzung angeblicher Reboot-Regeln zu tarnen (die es ebenso wenig gibt wie die angeblichen "Trilogie"-Regeln aus "Scream 3"), letztlich aber ist das Ganze nur jämmerlich und deprimierend. Die Frage, wer hinter den blutigen Taten steckt, hält den Film irgendwie zusammen, aber man weiß bereits, dass es praktisch jeder der Mitspieler sein könnte, denn die Erklärung der Tätermotivation, die wir am Ende vorgesetzt bekommen, wird ebenso absurd sein wie in den vorigen Teilen (das Original eingeschlossen), und ist es dann auch.

Wes Craven gehört zweifellos zu den Großen des Horror-Kinos, in dessen schwächsten Filmen sich noch interessante Subtexte und Themen finden, aber in SCREAM 4 ist alles nur leeres Gemetzel mit den bekannten Zutaten: der Killer am Telefon, das Horror-Quiz, sinnlose Fluchtversuche und heftiges Gemetzel. Ghostface muss wieder ordentlich einstecken und taucht immer da auf, wo man ihn gerade nicht (oder gerade deswegen doch) erwartet. Einfach alles in SCREAM 4, von der zigfach gehörten Musik Marco Beltramis bis zu den unoriginell gestalteten Mordsequenzen, schmeckt wie kalter Kaffee, der viermal in der Mikrowelle aufgewärmt wurde. Und die Kritik an 'Torture Porn' à la "Hostel" (2007) und YouTube-Berühmtheiten hätte nur Biss, wenn der Film selbst etwas anderes anbieten würde als Wiedergekäutes von gestern.

Obwohl zu Beginn noch von den Figuren diskutiert wird, warum man in modernen Horrorfilmen niemals Angst um die Charaktere hat (weil sie eben nicht charakterisiert werden und ihr Tod dem Zuschauer egal ist), fühlt sich Craven nicht verpflichtet, dem Publikum mit seinem Film das Gegenteil zu beweisen. Seine Charaktere sind ebenso dumm und langweilig wie diejenigen, die er kritisiert, das gilt sowohl für die Teenager, die sich gegenseitig an nichtssagendem Verhalten überbieten, als auch für die erwachsenen Figuren Sidney, Dewey und Gale Weathers, die reihenweise vom Film vergessen werden, und deren Geschichten bereits in "Scream 2" (1997) auserzählt waren.
Was man als Zuschauer mitnehmen kann ist die Erkenntnis, dass David Arquette immer noch nicht spielen kann, dass Neve Campbell in den Jahren ohne "Scream" nicht interessanter geworden ist, und dass Courteney Cox offenbar panische Angst davor hat, wie über 30 zu wirken, weswegen sie dank der Hilfe plastischer Chirurgie und Botox jetzt wie eine 50-jährige Wachsfigur aussieht. Die einzige Darstellerin, die etwas skurrilen Witz in den Film bringt, ist Marley Shelton als liebeskranker Deputy. Und dass zwei Charaktere 'Marnie' und 'Rebecca' heißen, vergessen wir lieber ganz schnell, bevor ein gewisser jemand in seinem Grab rotiert.

SCREAM 4 hat nicht einmal die Eier, einen der drei o.g. Akteure ins Jenseits zu befördern und wenigstens so für eine Überraschung zu sorgen (Sorry für den Spoiler, der macht es auch nicht schlimmer). Dazu gesellen sich haufenweise Ungereimtheiten und absurde Konstruktionen (Neve Campbell hat als Beststeller-Autorin eine ca. 22-jährige Managerin, keiner der Teenager scheint so etwas wie Eltern zu haben, was macht Mary McDonnell in diesem Film???). Wer nicht glauben wollte, dass diese Reihe schon lange erledigt ist, der bekommt die Botschaft nun um die Ohren gehauen.
Glücklicherweise blieb SCREAM 4 an den Kinokassen so weit hinter den Erwartungen zurück (hat tatsächlich jemand erwartet, mit diesem öden Film einen Hit zu landen?), dass uns vielleicht ein Teil 5 erspart bleibt.

03/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...