Montag, 21. November 2011

In der Schlinge des Teufels (1973)

IN DER SCHLINGE DES TEUFELS (The Vault of Horror) zählt zu den schwächeren Anthologie-Filmen der britischen Amicus-Produktion. Sogar Produzent Milton Subotsky gab später zu, dass sein Drehbuch qualitativ nicht mit den Vorgängern und dem Nachfolger "Die Tür ins Jenseits" (1973) mithalten konnte. Wer auf Episodenhorror à la "Asylum" (1972) steht, kann hier aber dennoch auf seine Kosten kommen, denn IN DER SCHLINGE DES TEUFELS bietet wie üblich gute Schauspieler, jede Menge schwarzen Humor und diesmal sogar einige zünftige Splattereffekte.

Der Inhalt: In einem Bürohochhaus in London steigen fünf Männer in einen Fahrstuhl, der sie überraschend in den Keller des Gebäudes befördert, obwohl keiner von ihnen den entsprechenden Knopf gedrückt hat. Unten angekommen, wartet ein eleganter Clubraum auf sie, einen Weg zurück nach oben gibt es nicht. Als die Männer anfangen, sich zu unterhalten, sprechen sie über Alpträume, und jeder von ihnen schildert einen, der ihn quält - was uns zu folgenden fünf Episoden führt:

1. Midnight Mess
Ein Erbschleicher (Daniel Massey) tötet seine Schwester (Anna Massey, "Peeping Tom", 1960, auch im wahren Leben Daniels Schwester), um an Geld zu kommen. Als er danach eine Mahlzeit zu sich nehmen will, sucht er das nächstgelegene Restaurant auf, wo er feststellen muss, dass die örtlichen Vampire sich dort treffen und ihn zum Hauptgang erklären...
Die Vampirstory, die in keiner Anthologie fehlen darf, wartet mit einer düsteren Atmosphäre auf und serviert dem Zuschauer eine blutige Schlusspointe, die aber leider in vielen Fassungen des Films fehlt, bzw. nur als Standbild zu sehen ist (auf der britischen DVD von Vipco ist sie enthalten).

2. The Neat Job
Arthur Critchit (Terry-Thomas) ist ein sehr ordentlicher Mann. Seine neue Ehefrau (Glynis Johns) kann da leider nicht mithalten und richtet ein häusliches Chaos nach dem nächsten an. Von ihrer letzten Katastrophe ist sie so gestresst, dass sie ihren Gatten ermordet, als er ihr eine Standpauke hält...
Hier geht es weniger um Horror als um Humor, der dank der gut aufgelegten Darsteller funktioniert. Der herlich unterhaltsame Slapstick-Marathon, den Glynis Johns absolviert, erinnert stark an Loriots "schiefes Bild", und das Schlussbild ist auch in dieser Episode wunderbar schwarzhumorig.

3. This Trick'll Kill You
In dieser schwächsten Geschichte des Films will Magier Curd Jürgens mit seiner Ehefrau (Dawn Addams) unbedingt den Seiltrick eines Inders erfahren und tötet dafür dessen Frau. Als er dann das magische Seil selbst ausprobiert, bereut er bald, was er getan hat...
Das Wiedersehen mit Curd Jürgens rettet die Episode gerade noch, aber die Story ist vorhersehbar, und die Charaktere sind unglaublich unsympathisch, weswegen ihr Schicksal auch ziemlich kalt lässt.

4. Bargain in Death
Ein Versicherungsbetrüger (Michael Craig) täuscht seinen eigenen Tod inklusive Begräbnis vor, um sich dann rechtzeitig von zwei Medizinstudenten auf dem Friedhof ausbuddeln zu lassen, aber der schöne Plan geht natürlich schief...
Eine weitere schwache Geschichte, in der die Abläufe zwar leidlich unterhaltsam sind, irgendwie hat man das alles aber schon mal besser gesehen.

5. Drawn and Quartered
Die mit Abstand beste Story erzählt von einem Maler (Mark Baker), der sich per Voodoo an den Männern rächt, die ihn übers Ohr gehauen haben. Zu diesem Zweck malt er Porträts von ihnen und beschädigt dann die Bilder, was umgehend zum Tod der Porträtierten führt. Dummerweise aber hat der Künstler aber auch ein Selbstporträt angefertigt, und das muss unter allen Umständen geschützt werden, was sich als ziemlich schwierig herausstellt...

Diese letzte Episode macht alleine schon ein Drittel der gesamten Filmlänge aus und ist damit auch die am besten entwickelte, was man an den differenzierten Charakterzeichnungen und dem sorgfältigen Spannungsaufbau merkt. Das Publikum kann sich angenehm zurücklehnen und zuschauen, auf welche originelle Weise die Bösen dran glauben müssen (der arme Denholm Elliot verliert seine Hände in einer Papierschneidemaschine), bis dann der Maler selbst dran ist. Wie das geschieht, sorgt für jede Menge Suspense und grimmige Komik. Schade, dass die anderen Episoden nicht die Qualität dieser letzten Geschichte erreichen.

Im Universum der Anthologien bekommt stets jeder das, was er verdient. Mörder, Erpresser und Choleriker werden passend zu ihren Untaten ins Jenseits befördert, die unschuldigen Opfer kehren entweder aus dem Totenreich zurück, um am Ende über die Täter zu triumphieren, oder das Schicksal schlägt an ihrer Stelle zu.
So geht es dann auch übrigens unseren fünf Erzählern, die am Ende des Films ihre eigene Pointe erleben, die zwar aus "Geschichten aus der Gruft" (1972) 1:1 übernommen wurde, aber im Kontext der britischen Episodenfilme konsequent bleibt. Die Moral ist klar - behandle deine Mitmenschen so, wie du selbst behandelt werden willst, sonst geht es dir an den Kragen.
Ein Problem von IN DER SCHLINGE DES TEUFELS ist das Fehlen von Sympathieträgern, weswegen der Film einen sehr kalten und zynischen Beigeschmack hat. Auch Schauspieler Peter Cushing, der in allen vorigen Amicus-Episodenfilmen mitwirkte, wird schmerzlich vermisst. Fans der Anthologien werden die Schwächen gnädig übersehen und ihren Spaß haben, der Rest des Publikums aber kann diese schwarzen Geschichten überspringen.

6.5/10

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