Freitag, 14. Oktober 2011

Turm der lebenden Leichen (1972)

Snape Island ist ein kleines Eiland, das von stürmischer See, kantigen Felsen und Nebelschwaben umgeben ist - wie die herrliche Vorspannsequenz zeigt. Künstlich irgendwie, aber sehr atmosphärisch. Hier findet man am Strand gern mal abgetrennte Körperteile von Durchreisenden oder wahnsinnig gewordene Touristinnen wie Penny (Candace Glendenning), die nackt und mit Fleischermesser bewaffnet auf harmlose Seefahrer losgeht.

Was ist mit Penny geschehen? Warum liegen ihre Freunde sämtlich in Einzelteile zerlegt auf der Insel herum? Auch eine Therapie kann da nicht helfen, bei der die arme Penny zwecks Hypnose knalligen Discolichtern ausgesetzt wird. Die folgende Rückblende gibt da schon mehr Aufschluss. Penny gehörte demzufolge zu einer Gruppe von Archäologen , die sich Snape Island mal genauer ansehen wollten. Diese Expedition besteht vornehmlich aus knackigen jungen Kerlen und lüsternen Weibsbildern, die sich gleich gegenseitig an die Gurgel gehen und eigentlich den Austausch von Körperflüssigkeiten der Suche nach Geheimnissen der Vergangenheit vorziehen - und das mit Recht, denn wir leben alle nur einmal. Wie es scheint, ist auf dieser Insel nicht nur ein sagenhafter Schatz verborgen, sondern es läuft auch ein Verrückter mit Hackebeil dort herum, der einer finsteren Gottheit dient und Neuankömmlinge zerstückelt...

TURM DER LEBENDEN LEICHEN ("Tower of Evil", oder auch "Horror of Snape Island", oder auch "Beyond the Fog" - dieser Film hat mehr Titel als die Schauspieler Textilien tragen) ist ein Exploitation-Juwel aus dem ehrwürdigen Großbritannien, das nicht viele solcher Reißer vorweisen kann. Als purer Trash bietet er für den lechzenden Horror-Freund alles, was das Herz begehrt, nämlich Blut und Ekeleffekte en masse, reichlich Nackte und noch mehr Sex, zickige Dialoge aller Beteiligten, grauenvolle 70er-Kostüme und Frisuren, alles veredelt von einer schön schaurigen Kameraführung und einigen hippen, psychedelischen Effekten wie in der Hypnose-Sitzung, die so auf Augen und Gehirn schlägt, dass man sich bald selbst an die Ereignisse auf der Insel erinnert, egal ob man dabei gewesen ist oder nicht.

Horror-Schund wird nie besser als im TURM DER LEBENDEN LEICHEN, wo die meisten Darsteller die Berufsbezeichnung nicht verdienen, dafür aber ohne Ende nackig durchs Bild hüpfen oder zumindest in hautengen Klamotten herumstolzieren, unter denen sich aber auch jede Beule abzeichnet. Hauptdarsteller-Hippie Robin Askwith jedenfalls platzt fast durchweg die Hose vor Freude, hier sämtliche Damen bespringen zu dürfen.
Sex und Verstümmelung finden überwiegend gleichzeitig statt, abgehackte Köpfe fliegen durch die Luft, die Dialoge strotzen vor "Hey Babys" und anderen Auswüchsen der Jugendgeneration, aber der geballte Schwachsinn wird so herzerfrischend vorgetragen, dass es die reine Freude ist. Längen gibt es keine, dafür aber einige tatsächlich sehr unheimliche Szenerien. Es wird gekreischt, gemetzelt und sich gezofft, dass die (Fleisch-)Fetzen fliegen. Eine Dame wird in bester "Tosca"-Manier von der Burg geworfen, und Explosionen gibt es noch obendrauf.

Was die Verbindung alter Schauergeschichten mit modernem Splatter angeht, ist TURM DER LEBENDEN LEICHEN - ganz im Ernst - sehr viel besser gelungen als etwa "Dracula jagt Mini-Mädchen" (1972) aus den Hammer-Studios, der für seine Absichten zu zimperlich inszeniert ist. Hier weiß der Regisseur Jim O'Connolly (der nicht viele Filme vorzuweisen hat) genau, für welches Zielpublikum er arbeitet, und man merkt den Heidenspaß, den er dabei hat, immer mehr Brüste und abgehackte Körperteile dem Zuschauer entgegenzuschleudern. Sein TURM ist heute Kult.
Ach ja, hierzulande ist der Film beschlagnahmt, wahrscheinlich, weil er einfach zu schlecht ist. Filme wie diesen sieht man am besten mit guten Freunden und spielt dabei ein Trinkspiel - einen Kurzen jedes Mal, wenn einer der Darsteller sich entkleidet. Ich garantiere einen feucht-fröhlichen Abend - in jeder Beziehung.

7.5/10 (für den Trash-Faktor)


"Mensch, mir is' langweilig, wollen wir uns nicht ausziehen?"
"Schon wieder? - Na, meinetwegen..."

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