Dienstag, 11. Oktober 2011

The Texas Cainsaw Massacre 2 (1986)

Nach dem großen Erfolg des Originals "Blutgericht in Texas" (1974) war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kommen sollte, eine Fortsetzung zu produzieren. Tobe Hooper, der Mitte der 80er einen Deal über drei Filme mit der Cannon Group unterzeichnete, zu dem "Lifeforce" (1985) und "Invasion vom Mars" (1986) gehörten, nahm sich schließlich selbst der Sache an und inszenierte mit THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 ein Sequel, das sich gewaltig von seinem Vorgänger unterscheidet. So gewaltig, dass niemand ihn sehen wollte.

Die Story knüpft an die Vorgänge des ersten Teils an. Der Onkel des letzten Opfers Sally, ein ehemaliger Texas Ranger namens Lefty Enright (Dennis Hopper), sucht die Schuldigen, um sie zur Strecke zu bringen. Gleichzeitig finden die irren Killer, angeführt von 'Leatherface' (Gunnar Hansen), immer neue Opfer, darunter zwei sturzbetrunkene Landstraßen-Raser. Die Radiomoderatorin Stretch (Caroline Williams) wird Ohrenzeugin des Mordes, kann selbst einem Überfall gerade noch lebend entkommen und folgt den Mitgliedern der Killer-Sippschaft zu ihrem geheimen Versteck, einem Höhlenlabyrinth unter einem verlassenen Vergnügungspark. Dort finden die beiden Parallelgeschichten zusammen. Es folgt ein Kettensägen-Duell zwischen Lefty und 'Leatherface', während Stretch versucht, aus dem Irrgarten des Schreckens zu entkommen...

Für seine Fortsetzung stand Tobe Hooper deutlich mehr Geld zur Verfügung, und statt des dokumentarischen, rohen Filmstils entschloss er sich für einen kunterbunten, grellen Cartoon, der mehr Parodie als ernsthafter Horrorfilm ist. Nun standen Horror-Komödien Mitte der 80er zwar hoch im Kurs, aber mit dem bissigen, ätzenden Humor dieses Sequels mochte trotzdem kaum jemand warm werden. Der deutlichste Unterschied zum Original besteht aber im Gewaltmaß. Was im Vorgänger nur angedeutet wurde, wird hier dank der hervorragenden Masken und Effekte von Maestro Tom Savini zu einer wahren Blut- und Splatterorgie, die dem Film weltweit zahlreiche Kürzungen und Verbote eingebracht hat. Hierzulande ist er nach wie vor beschlagnahmt. Teilweise wurden laufende Vorführungen in Kinos abgebrochen, weil der Film eingezogen wurde, und es sieht nicht so aus, als würde sich das irgendwann noch mal ändern.

Tatsächlich ist die Brutalität in TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 kaum zu verteidigen, auch wenn Hooper sie durch Unmengen bizarren Humors nicht gerade abzuschwächen, aber immerhin zu kompensieren und in einen ebenso überzogenen Kontext zu setzen versucht. Szenen wie der Überfall auf Radio-DJ Stretch, in der 'Leatherface' die rotierende Kettensäge zwischen den Schenkeln der jungen Dame platziert und sich vom Mord nur abbringen lässt, weil sein Opfer klugerweise so tut, als sei es scharf auf ihn, sind zwar ironisch gemeint, haben aber einen unangenehmen Beigeschmack. Hoopers Humor und die Zeichnung der irren Killerfamilie ist so Over the Top und speziell, dass man als Zuschauer kaum einbezogen wird in das groteske Geschehen. Zudem scheint er Sympathien für seine Killer zu hegen. Die Darsteller übertreffen sich gegenseitig mit übertrieben Darbietungen, und die Mitglieder der Sawyer-Familie sind weniger beängstigend als nervend mit ihrem ständigen Herumgekreische und Gejohle, ganz besonders, wenn sie sich gegenseitig auf den Arm nehmen ("Leatherface Got a Girlfriend!"). Es will schon etwas heißen, wenn Dennis Hopper der zurückhaltendste Darsteller des Ensembles ist.

Positiv ist festzustellen, dass Hooper mit der Figur Stretch eine starke Frauenrolle in den Mittelpunkt stellt, die es beherzt mit den Killern aufnehmen kann und trotz Todesangst und Panik ihr Schicksal in die Hand nimmt. Ebenso wie die gequälte Marilyn Burns im ersten Teil muss Caroline Williams einige Demütigungen und Folterversuche über sich ergehen lassen (ganz besonders schlimm wird es, wenn sie das Gesicht ihres getöteten Kollegen aufgesetzt bekommt - da bleibt kein Auge trocken), schlägt aber ebenso heftig zurück. Folgerichtig darf sie am Ende mit der Kettensäge den Sonnenaufgang begrüßen, als weiblicher Rambo mit Wahnsinn im Gesicht. Auch Hoopers Satire funktioniert über weite Strecken und sorgt für einige böse Lacher. So ist der Vergnügungspark im Herzen Texas' mehr oder weniger ein felsiger Kriegsschauplatz, an dem der Vietnamkrieg nachgespielt werden kann - wofür es offenbar einen Markt gibt.

Anders als im Original haben wir es hier nicht mit einem grimmigen Höllentrip zu tun, sondern mit einer überlauten, knalligen Geisterbahnfahrt, bei der hinter jeder Ecke grausame Szenarien und alberne Mätzchen warten, die man wahlweise erschreckend oder dämlich finden kann.
Man muss anerkennen, dass Tobe Hooper hier nicht einen billigen Abklatsch seines Klassikers hingelegt hat - so wie es in den 80ern Mode war, als Sequels wie "Phantasm II" (1988) und "Evild Dead 2" (1987) lediglich das Rezept des Vorgängers variierten und mehr Remake als Sequel waren - sondern ganz neue Wege geht. Viele Freunde hat er sich damit allerdings nicht gemacht, vor allem nicht unter bei den Zensurbehörden. Aufgrund der Splattereffekte hat THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 heute sehr viel mehr Fans als damals. Hoopers Fortsetzung war an der Kinokasse ebenso erfolglos wie die zwei anderen Filme, die er für Cannon gemacht hat. Seine einst steile Karriere war damit erstmal beendet, und er hat sich bis heute nicht davon erholt.

07/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...