Mittwoch, 5. Oktober 2011

Reise zurück in der Zeit (1988)

Mit REISE ZURÜCK IN DER ZEIT (Waxwork) schuf Anthony Hickox eine Hommage an die Horror-Klassiker seiner Jugend, die dank blutiger Spezialeffekte und einer guten Portion skurrilen Humors zum kleinen Kultfilm wurde.

Der Inhalt: Das örtliche Wachsfigurenkabinett, das von dem düsteren David Warner ("Das Omen", 1976) und einem Kleinwüchsigen geleitet wird, beherbergt nicht die typischen Sehenswürdigkeiten, sondern stellt Szenen aus Horrorfilmen und berühmte Figuren der Horror-Literatur nach. Eine Gruppe von Teenagern, angeführt von Zach Galligan, der es nach seiner Erfahrung mit den "Gremlins" (1984) eigentlich besser wissen müsste, besucht die Ausstellung auf der Suche nach ein bisschen Spaß. Was die Jugendlichen aber nicht ahnen - wenn man den Wachsfiguren zu nahe kommt, öffnet sich eine Art Dimensionstor, und ehe man sich versieht, steckt man mittendrin in der höchst lebendigen Horror-Szenerie...

Durch diesen Kniff gelingt es Hickox, in einem einzigen Film gleich mehrere klassische Subgenres des Horrorfilms durchzuspielen. Die Teenager sehen sich von Werwölfen verfolgt, werden von Dracula (Miles O'Keefe) höchstpersönlich zum blutigen Mitternachtsdinner geladen, nehmen an einer Expedition zum Grabmal der Mumie teil und finden sich im Folterkeller des Marquis de Sade wieder. So ziemlich alle Archetypen des Horror-Kinos geben sich in WAXWORK ein Stelldichein, und die lose Rahmenhandlung kaschiert nur dürftig, dass es sich hier um einen Episodenfilm handelt, einen ziemlich guten noch dazu.
Die Effekte sind teilweise sehr derbe und blutig, werden aber durch den Humor abgeschwächt und bewegen sich auf einem cartoonhaften Level.

Der Film steckt voller Insider-Späßchen und Zitate - so wird u.a. auf einem Polizeirevier im Hintergrund eine Prostituierte abgeführt, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Ken Russells "China Blue" (1984) aufweist. Eine bizarre Kameraeinstellung durch einen Deckenventilator hindurch erinnert stark an "Wiegenlied für eine Leiche" (1964). Von diesen kleinen Einfällen wimmelt es geradezu in WAXWORK, und auch wenn die einzelnen Episoden von unterschiedlicher Qualität sind, kann man den Film durchweg entspannt und mehrfach genießen - zumindest bis zum überladenen Finale, das dann doch ein wenig zu viel des Guten ist und auch noch Romeros Zombies zum Schlusskampf zwischen unseren Helden - die von Dämonenjäger Patrick MacNee im Rollstuhl unterstützt werden - und den Unwesen aus der Zwischenwelt auffährt.

Die Besetzung agiert durchweg gut, die jungen Protagonisten sind hübsch anzuschauen (Deborah Foreman darf sich sogar von der schüchternen grauen Maus in einen sadomasochistischen Vamp verwandeln), der Film weist dazu ein ordentliches Tempo auf, so dass keine Langeweile aufkommt. Als liebevolle, überdrehte Liebeserklärung an die Monster der Kindheit ist WAXWORK ein harmloses, aber schönes Stück 80er-Horror, das immerhin so populär war, dass die Fortsetzung "Waxwork II" (1992) nicht allzu lange auf sich warten ließ - mit leider mäßigem Ergebnis.

07/10

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