Mittwoch, 12. Oktober 2011

Fright Night II - Mein Nachbar, der Vampir (1988)

MEIN NACHBAR, DER VAMPIR (Fright Night 2) ist die Fortsetzung des erfolgreichen Horror-Hits "Die rabenschwarze Nacht" (1985) und beweist die alte Regel, dass eine Fortsetzung unmöglich so gut sein kann wie das Original. In diesem Fall kann eine Fortsetzung sogar ein unterirdischer Griff ins Klo sein.

Dabei hat man sich zumindest bei der Besetzung Mühe gegeben und konnte sowohl Hauptdarsteller William Ragsdale als auch Roddy McDowall erneut verpflichten, der hier seine zum Kult gewordene Rolle des 'furchtlosen' Vampirjägers Peter Vincent wiederholt. Ragsdale ist als Charley Brewster mittlerweile aus dem Teenie-Alter raus (was er - seien wir ehrlich - schon im Original war) und wohnt auch nicht mehr bei Mama, sondern in einem Studentenwohnheim. Die Ereignisse des ersten Teils werden in der Psychotherapie durchgearbeitet und zum Hirngespinst erklärt. Doch plötzlich glaubt Charley wieder einem Vampir begegnet zu sein. Dieses Mal allerdings nicht einem verführerischen Gentleman-Blutsauger, sondern dessen nicht minder erotischer Schwester (Julia Carmen), die mit einer ganzen Gang ihr nächtliches Unwesen treibt. Da kann nur noch Peter Vincent helfen, doch der hat wieder mal die Hosen gestrichen voll und will von Vampiren nichts mehr hören...

Die Inhaltsangabe zeigt deutlich, dass hier kaum neue Ideen vorhanden sind. MEIN NACHBAR, DER VAMPIR beginnt bereits mit einer echten Dreistigkeit. Nachdem Charley im ersten Teil die halbe Filmzeit damit verbrachte, alle Welt davon zu überzeugen, dass ein Vampir im Haus nebenan wohnt, glaubt er doch tatsächlich nun (mit freundlicher 'Hilfe' seines Psychiaters), er habe sich alles nur eingebildet. Hallo? Mit der von Roddy McDowall (nach wie vor zauberhaft) gespielten Figur des Peter Vincent verhält es sich ebenso. Auch er will nichts mehr von Vampiren wissen und versucht Charley abzuwimmeln, muss erst wieder durch eigene Erfahrung klüger werden. Spätestens an dieser Stelle darf man sich als Zuschauer in seiner Intelligenz extremst beleidigt fühlen. Ist schon klar, dass sich die Handlung auf diese Weise simpel wiederholen lässt und man Charaktere nicht weiterentwickeln muss, aber alles nur zurück auf Anfang zu spulen und dem Publikum praktisch den gleichen Film noch einmal vorzusetzen, das ist dann doch eine ziemliche Frechheit für die Zuschauer, die mit Charley mitgelitten und mitgelacht haben.

Wobei, exakt den gleichen Film bekommt man nicht vorgesetzt, sondern einen sehr viel schlechteren. Dadurch, dass Julie Carmen nun den sexy Vampir gibt (aus dem männlichen wird ein weiblicher Vampir - wenn das keine innovative Wendung ist!), gehen natürlich auch die homoerotischen Subtexte flöten, die das Original so interessant gemacht haben. Damit kann man natürlich leben, aber der Film bietet nichts an deren Stelle an und bleibt so flach, vorhersehbar und spannungslos. Die Vampirgang, die gern mal mit abgeschlagenen Köpfen zur Kegelbahn geht und Insekten herzhaft verspeist (falls das eine Hommage an "Draculas" Renfield sein soll, vielen Dank auch), besteht aus lauter Irren, die weniger beängstigend als albern wirken und zu klar "Near Dark" (1987) nachempfunden sind. Mit Traci Lind bekommt Charley eine neue Freundin, die sturzlangweilig agiert. Kein Vergleich zu der quirligen Amanda Bearse aus dem Vorgänger. Auch der Humor des Films ist eher von der ha-ha-Sorte als wirklich komisch.

Das einzige, was MEIN NACHBAR, DER VAMPIR überhaupt auszeichnet, sind die Production Values und die überzeugenden Spezialeffekte, aber die reichen weißgott nicht aus, diesen Quark erträglich zu machen. Die einzig originelle Idee des Films besteht darin, Charley selbst durch einen Biss der Blutsaugerkönigin zum (halben) Vampir werden zu lassen, aber auch aus diesem Einfall schlägt er kaum Kapital. Regisseur Tommy Lee Wallace, der mit Carpenter gearbeitet und schon mit "Halloween III" (1982) einen misslungenen Film hingelegt hat, versagt hier auf ganzer Linie. MEIN NACHBAR, DER VAMPIR ist reine Geldschneiderei ohne jeden Funken künstlerischer Integrität. Das ist echt zum Fürchten.

02/10

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