Montag, 17. Oktober 2011

13 Stufen zum Terror (1980)

Zum amerikanischen 'Psycho-Thriller' 13 STUFEN ZUM TERROR (The Attic) gibt es bezeichnenderweise nicht mal einen Wikipedia-Eintrag, was den obskuren Status des Films belegt. Dass ich für die Bezeichnung 'Psycho-Thriller' Gänsefüßchen gewählt habe, liegt schlicht daran, dass dieser doch recht reißerisch betitelte Film keinem Genre eindeutig zugeordnet werden kann, und da liegt auch schon das Grundproblem dieses Werks.

Worum geht es? Die altjüngferliche Louise (Carrie Snodgress) lebt zusammen mit ihrem tyrannischen Vater (Ray Milland), der an den Rollstuhl gefesselt ist - durch Louises Schuld, wie er stets behauptet, und weswegen er sich ihr gegenüber wie ein Miststück aufführt. Er quält sie, wo er nur kann und ist doch auf ihre Hilfe angewiesen. Louise bejammert ihr trauriges Leben an seiner Seite, ganz besonders, weil sie vor fast 20 Jahren von ihrem Verehrer sitzen gelassen wurde, der spurlos verschwand. Seitdem fristet sie einsam ihre Tage in der Bücherei, wo sie einem langweiligen Job nachgeht, oder zu Hause, wo Papa sie fertig macht. Als sie einen Schimpansen aus einer Zoohandlung mit nach Hause bringt und endlich jemanden hat, dem sie ihre Zuneigung zeigen kann, verhält sich Vater noch mieser als zuvor, und es kommt endlich zur lang hinausgezögerten Abrechnung zwischen Vater und Tochter...

13 STUFEN ZUM TERROR ist ein zähes Psychodrama, das die verlorene Jugend einer bemitleidenswerten Frau beschreibt, die von Carrie Snodgress ("Teufelskreis Alpha", 1978) eindringlich gespielt wird. Snodgress ist in ihrem Selbstmitleid beinahe schon unerträglich gut und hat keine Scheu, dass man sie als Zuschauer wegen ihrer Wehleidigkeit komplett ablehnt. Sie ist die erwachsen geworden "Carrie" (1976) ohne die telepathischen Kräfte, ständig unterdrückt von dem kranken Vater, der ebenso intensiv von Ray Milland verkörpert wird. Milland war nie auf einen Typ festgelegt und konnte sowohl die Helden, die Verlierer und die Bösen spielen. In dieser späten Phase seiner Karriere wurde er gern als Schurke besetzt ("Frogs", 1972), und er zeigt jedes Mal eine beeindruckende Vorstellung.

So ist denn 13 STUFEN ZUM TERROR bestenfalls ein Schauspielerfilm, der aber nebenbei noch ein guter Thriller sein möchte, und da versagt er kläglich. In den ersten 60 Minuten passiert so gut wie gar nichts. Snodgress jammert und jammert, sieht sich heulend alte Schmalfilme aus besseren Tagen an und genießt ihre Tagträume, in denen sie Milland ermordet. Da ihre gesamte Vorgeschichte schon nach den ersten Filmminuten von einer Nebenfigur ausgeplaudert wird, gibt es auch keine offenen Fragen mehr - außer der, wohin ihr Verehrer eigentlich entschwunden ist. Die Antwort lässt sich möglicherweise dem Titel entnehmen, zumindest ist die Schlusspointe nicht sonderlich erschreckend. Dennoch können sich die letzten 10 Minuten des Films durchaus sehen lassen, das reicht aber nicht, ihn in die Horror-Ecke zu stellen. Man fragt sich, für wen er überhaupt gemacht wurde. Für ein Drama ist er schlicht zu langweilig und kreist lediglich um ein- und dieselbe Situation, für einen Horrorfilm kommt das Grauen viel zu spät (und mit Ansage), für einen Thriller fehlt jeder Ansatz (woraus sollte sich der Thrill ergeben?).

Für einen Tierfreund wie mich ist der Film ohnehin schwer zu schlucken. So schön es auch ist, dass Carrie Snodgress in dem putzigen Schimpansen einen Gefährten findet - die Vorstellung, dass er in einem Zooladen verkauft und als drolliges Haustier gehalten wird, ist für mich alles andere als niedlich, sondern sehr traurig und bedrückend.

Der britische Psycho-Thriller (ohne Gänsefüßchen!) "Das Haus der Schatten" (1971) erzählt eine ganz ähnliche Geschichte aus Mutter/Tochter-Perspektive und ist wesentlich besser aufgebaut und inszeniert. Den hätte sich Regisseur George Edwards mal genauer anschauen sollen. Es reicht halt nicht, das Publikum 90 Minuten lang einzuschläfern und ihnen dann eine makabere Pointe zu präsentieren, die dann noch deprimierend ist. Als Kurzgeschichte wäre 13 STUFEN ZUM TERROR vielleicht unterhaltsam, für einen Spielfilm ist das viel zu wenig. Schade um die Schauspieler, die hier ganz große Leistungen zeigen.

03/10

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