Dienstag, 27. September 2011

Zombie 2 - Das letzte Kapitel (1985)

Lange haben die Fans mit Spannung auf George A. Romeros Fortsetzung seines modernen Klassikers "Zombie" (1978) gewartet. Nach den unzähligen Nachahmern aus der untersten Schublade sollte endlich der Meister selber wieder zeigen, wie ein Zombie-Film von Qualität auszusehen hat.

Wer sich im Internet umsieht, findet schnell das Original-Drehbuch zu ZOMBIE 2 - DAS LETZTE KAPITEL (Day of the Dead), das den globalen Kampf gegen die Untoten beschreibt. Aufgrund ständiger Budgetkürzungen musste George Romero seine Vision von einem spektakulären Abschluss der Trilogie aber immer weiter herunterschrauben, bis am Ende ein düsteres, apokalyptisches Kammerspiel herauskam, das viele Fans enttäuschte und keine neuen hinzugewinnen konnte. Im Kino floppte der Film nicht nur, er wurde ausgerechnet von der "Zombie"-Parodie "Return of the Living Dead - Verdammt, die Zombies kommen!" (1985) in den Schatten gestellt. Heute allerdings gilt Romeros Film als zu Unrecht ignoriertes, pessimistisches Meisterwerk mit erneut sensationellen Spezialeffekten.

Die Nacht ist vorüber, das Morgengrauen hat sich verzogen, der Tag ist angebrochen. Die Zombies haben die Erde überschwemmt und die Lebenden weitgehend ausgerottet. Die Städte sind verwaist, die Untoten torkeln ziellos durch die Straßen auf der Suche nach Nahrung. Die letzten Überlebenden haben sich in einem unterirdischen Raketensilo verschanzt und suchen von dort aus nach Lösungen. Die Wissenschaft probt die Domestizierung von gefangenen Zombies, das Militär plant lieber die totale Vernichtung, obwohl man weiß, dass dazu die Möglichkeiten fehlen. Lediglich zwei Hubschrauber-Piloten halten sich aus dem andauernden Streit um die Beherrschung der Situation heraus. Kämpferin Sarah (Lori Cardille) steht zwischen allen Fronten. Als die Differenzen zwischen Wissenschaft und Militär eskalieren und es Tote gibt, finden die Zombies Zugang zum Versteck, und den Eingeschlossenen bleibt nur die Flucht...

Der "Gone With the Wind" des Zombie-Films sollte ZOMBIE 2 ursprünglich werden, wenn es nach Romero gegangen wäre. Aber auch in der drastisch abgespeckten Form kann sich der Film sehen lassen. Wie gewohnt reichert Romero seinen Schocker mit reichlich politischem Subtext und aussagekräftigen Dialogen an, verschafft ihm somit eine Substanz, die man nicht oft im Genre findet. Der Ton allerdings hat sich entscheidend verschärft. Konnte der Vorgänger ZOMBIE noch mit kunterbunten Slapstick-Szenen und comichaften Überhöhungen aufwarten, ist ZOMBIE 2 ein niederdrückendes Erlebnis. Die Charaktere - von denen man die meisten nicht kennen möchte - befinden sich im Dauerclinch und brüllen sich pausenlos an, die Zombies werden als Versuchstiere gehalten und mit Überresten toter Soldaten gefüttert, und das hysterische Militär in Form des gewaltbereiten Anführers Rhodes (Jospeh Pilato) möchte am liebsten die ganze Welt in die Luft sprengen. Der ebenso verrückte Wissenschaftler (Richard Liberty), scherzhaft "Frankenstein" genannt, richtet die Zombies zu vermeintlichen Schoßhündchen ab und weiß doch genau, dass sie nur in Gefangenschaft harmlos bleiben. Sympathie hat Romero nur für die Außenseiter und seine starke Heldin, aber auch sie bleiben machtlos.
Die Bedrohung durch die Zombies, die in Massen vor den Toren warten, ist allgegenwärtig und sorgt für Dauerstress, während im Inneren des unterirdischen Labyrinths die Charaktere sich heftige Wortgefechte liefern und sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Nein, schön ist das alles nicht, und das Ausmaß von Tom Savinis ultra-realistischen Ekeleffekten verdirbt ein wenig den Spaß beim Zuschauen. Anders als "Zombie" ist ZOMBIE 2 kein Popcorn-Kino. Auch wenn das Ende des Films einen Funken Hoffnung verspricht, bleibt der Ton düster und pessimistisch. Vielleicht steckt auch die Wut Romeros in diesem Film, der nur ein Kompromiss sein konnte. Heute hätte er klar bessere Chancen im Kino als 1985.

Neben kleineren Schwächen (John Harrisons Musik ist manchmal zu berieselnd, die Soldaten sind zu eindimensional hirnlos gezeichnet, Hauptdarsteller Joe Pilato spielt Schmierenkomödie) beweist ZOMBIE 2 eine Menge Mut, allein durch die Tatsache, dass Romero keinen Neuaufguss seines ZOMBIE hinlegt, sondern eine völlig andere Richtung beschreitet und erneut die Befindlichkeiten seiner Zeit einarbeitet. Tom Savinis Schlachtbilder sind so gut, als wären sie gerade gestern entstanden (wie gesagt, nur zu drastisch), Lori Cardille ist eine tolle Heldin, und George Romero sorgt für einige unvergessliche Momente des Grauens. Er nimmt die Bezeichnung "Horror" todernst, und das in einer Zeit, als das Publikum lieber über Horror lachen wollte. Trends haben Romero noch nie interessiert, er hat stets seine eigenen geschaffen. Das ist ihm mit ZOMBIE 2 nicht gelungen. Die Verehrung des Films setzte erst Jahre später ein, als der Horrorfilm in der Sackgasse steckte und man sich zurück erinnerte, dass man die Qualitäten von ZOMBIE 2 möglicherweise übersehen hat.

Interessant bleibt, dass Romero im Laufe seiner Filme immer mehr Sympathie für die Zombies und im Gegenzug weniger Verständnis für die menschlichen Charaktere aufbringt. In ZOMBIE 2 ist die schlussendliche Vernichtung der Soldaten durch die Untoten schon so etwas wie die gerechte Strafe für deren sinnloses Verhalten (und schamloses Overacting). In "Land of the Dead" (2005) sollte Romero schließlich ganz auf der Seite der Zombies stehen. Auch wenn ZOMBIE 2 nicht der große Entwurf sein durfte, ist er doch ein Schlusspunkt. "Land of the Dead" war glücklicherweise kein schlechter Film, aber trotzdem überflüssig. Über Zombies gibt es nichts Neues mehr zu sagen. Dass George Romero nicht mehr von ihnen loskommt, ist bedauerlich. Aus dem wütenden Rebell ist ein tragischer Held geworden.

9.5/10

Von einem Alptraum zum nächsten
Lori Cardille in "Day of the Dead"

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