Mittwoch, 7. September 2011

Warnzeichen Gen-Killer (1985)

Aufmerksam geworden bin ich auf diesen Film mit dem absurden Titel WARNZEICHEN GEN-KILLER (Warning Sign, auch nicht viel besser) in den 80ern durch den dazugehörigen Trailer, der sich auf einem Leihvideo befand, und der mich auf Anhieb begeisterte. Um es kurz zu machen, der Trailer ist besser als der Film, beweist aber, dass gutes Marketing durchaus funktionieren kann.

Der Inhalt: in einem geheimen Forschungszentrum nahe der Wüste, in dem angeblich an genmanipuliertem Gemüse gearbeitet wird (sehr sympathisch), wird ein neuer bakterieller Kampfstoff gezüchtet, der die gegnerische Armee erst töten und sie dann als Zombies wieder auferstehen lassen soll, damit die Feindsoldaten sich gegenseitig umbringen. Nun ja, es gab schon glaubwürdigere Experimente, aber die sind ohnehin nur der Hintergrund für die eigentliche Geschichte. Dieser Killervirus bricht nämlich dummerweise im Labor aus, woraufhin sämtliche Eingänge verschlossen und das Zentrum komplett von der Außenwelt abgeschnitten wird. Die mutige Joanie (Kathleen Quinlan), die im Überwachungsraum arbeitet und die Verriegelung initiiert hat, muss nun gegen aufgebrachte Kollegen kämpfen, die nacheinander dem Virus zum Opfer fallen und kurz darauf mit Axt n der Hand und Blasen im Gesicht durch das Labyrnith wandeln. Joanies Ehemann, der örtlicher Sheriff (Sam Waterston), versucht gleichzeitig, mit einem Wissenschaftler in den Laborkomplex einzudringen, während die Regierungsbehörde unter Führung von Super-Macho Connolly (Yaphet Kotto) eher daran interessiert ist, alle Mitwisser aus dem Weg zu räumen...

Ja, das klingt doch nach einer Menge Spaß, Action und Gemetzel. Leider aber fehlt Regisseur Hal Barwood auf fast allen Ebenen der Mut zum Extremen, was seinen Virus-Schocker seltsam brav und zahnlos wirken lässt. Hier wäre so viel mehr drin gewesen, hätte nur ein George A. Romero auf dem Regiestuhl Platz genommen. Auf dessen "Crazies" (1976) basiert immerhin ein Großteil des Plots. Vielleicht war es auch der produzierenden 20th Century Fox zu peinlich, einen echten Splatterfilm in Auftrag zu geben.
Die Ansätze dazu sind alle vorhanden, der Film bietet eine hervorragende Ausstattung, einen guten Soundtrack und vor allem erstklassige Schauspieler. Sam Waterston und Kathleen Quinlan haben sich außerhalb des Horrorfilms einen Namen gemacht und sind wirklich nicht alle Tage in einem Genrefilm zu sehen. Umso mehr ist es schade, dass die beiden ziemlich vergeudet werden. Dabei wird Quinlan noch als kämpferische Heldin eingeführt, wenn sie gegen den aufgebrachten Mob von Wissenschaftlern das Zentrum abriegelt und auch unter Folter nicht den Code zur Entriegelung nennt. Doch dann konzentriert sich der Film plötzlich auf das Geschehen außerhalb der Forschungslabors, und Quinlan kann nur noch dasitzen und Löcher in die Luft starren, während draußen die Männer die Sache in die Hand nehmen. Buh! Sigourney Weaver hätte sich das nicht gefallen lassen.

Neben vielen Unglaubwürdigkeiten fällt vor allem der unglaubliche Zufall auf, dass die von Sam Waterston gespielte Figur seit einer Kinderlähmungserkrankung hinkt und eine Todesangst vor Bakterien und Viren hat - wie praktisch, dass ausgerechnet er ins Labor einsteigen muss. Da freut sich jeder Dramaturg, der Zuschauer allerdings schüttelt anhand dieser Unwahrscheinlichkeit nur den Kopf. Weiter geschwächt wird der Film von Yaphet Kotto, ehemaliges Opfer des "Alien" (1979) und nun Abgesandter der Hölle, bzw. der US-Regierung, der seine Figur mit markigen Sprüchen und ultra-cooler Sonnenbrille zur Karikatur verkommen lässt.

Doch es ist nicht alles fade. Die Exposition ist sehr gelungen, besonders die Sequenz, in der das Zentrum abgeriegelt wird und einige der Insassen noch rechtzeitig entwischen. Auch die Begegnung eines Einsatzkommandos mit den Zombies im Keller des Forschungszentrums, die von Kameras nach draußen übertragen wird, ist hochspannend (und wurde von James Cameron in "Aliens" 1986, wieder aufgegriffen und verbessert).

Einige Details - wie der Grund, warum das Virus überhaupt entkommt (vergesse nie deine Kontaktlinsen!) und warum Kathleen Quinlans Joanie immun dagegen zu sein scheint - zeigen, dass aufs Drehbuch doch mehr Wert gelegt wurde, auch wenn gerade das letztgenannte Beispiel aus dem Sci-Fi-Thriller "Andromeda- Tödlicher Staub aus dem All" (1971) entliehen wurde. Insgesamt macht WARNZEICHEN GEN-KILLER oberflächlich einen teuren und hochklassigen Eindruck, trotz des Ramsch-Titels. Leider aber bleiben die Horror-Szenen zu zahm, um dem Film den nötigen Biss zu geben.

6.5/10

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