Dienstag, 6. September 2011

Vision der Dunkelheit (1988)

Im Zuge des Erfolgs von "A Nightmare on Elm Street" (1984) entstand Andrew Flemings VISION DER DUNKELHEIT (Bad Dreams), dessen Originaltitel schon die Verwandtschaft zu Wes Cravens Horror-Hit deutlich macht, und in dem es ebenfalls um eine junge Heldin geht, die gegen eine finstere Traumgestalt aus der Vergangenheit kämpfen muss.

Bei jener handelt es sich nicht um den Mann mit dem Ringel-Pullover, Freddy Krueger, sondern um Franklin Harris (Richard Lynch), den Anführer einer Sekte, die in den 70ern einen Massenselbstmord in einer alten Scheune durchführte. Einzige Überlebende des Massakers war die kleine Cynthia, die heute erwachsen ist (Jennifer Rubin) und in einer psychiatrischen Einrichtung lebt. Doch die Vergangenheit holt sie wieder ein, als sie schreckliche Visionen von Guru Harris überfallen und ihre Mitpatienten der Reihe nach auf grausige Weise ums Leben kommen...

Produziert wurde VISION DER DUNKELHEIT von Gale Ann Hurd ("The Abyss", 1989, und "The Terminator", 1984) für die 20th Century Fox, was bedeutet, dass der Film mit starken Production Values aufwarten kann und nicht gerade billig war. Die Spezialeffekte können sich absolut sehen lassen, und auch die Besetzung ist grundsolide. Besonders Richard Lynch kann als finstere Horror-Gestalt überzeugen, deren Guru-Vorgeschichte dem wahren Sektenführer Jim Jones entliehen ist, der sich 1978 mit ca. 900 Anhängern das Leben nahm, eine gute Ausgangsidee für einen Horrorfilm. Andrew Fleming gab mit VISION DER DUNKELHEIT sein Regiedebüt und galt als vielversprechendes Talent. Das Psychiatrie-Setting kennen wir bereits aus "Nightmare 3" (1987), in welchem ebenfalls eine Therapiegruppe durch ein Monster aus dem Unterbewusstsein dezimiert wird. Hier wie dort befindet sich Jennifer Rubin unter den Opfern, wenngleich sie in Flemings Film die Hauptrolle spielen darf.

Leider verschenkt VISION DER DUNKELHEIT vollkommen die Möglichkeit, das Verhältnis von Religion und Wissenschaft (bzw. Sekte und Psychiatrie) auszuloten, immerhin haben es sowohl der Klinikdoktor (Harris Yulin) als auch Guru Harris mit labilen und neurotischen Menschen zu tun, die bei ihnen Hilfe suchen. Stattdessen konzentriert sich der Film auf die aus der Elm Street bekannten Traum/Wirklichkeit-Sequenzen und blutige Set Pieces. Die sind dann auch recht heftig ausgefallen. So wird ein lüsternes Pärchen von einem Ventilator zermatscht, und ein weiterer Patient fügt sich mit einem Skalpell Schnittwunden zu, die WIRKLICH weh tun. Die Visionen, von denen Jennifer Rubin geplagt wird, sind effektiv inszeniert, die Rückblenden in die 70er werden filmisch gut integriert (gelegentlich schwenkt die Kamera von den 80ern direkt in die 70er), besonders eine Begegnung mit Guru Harris im Fahrstuhl ist wahrlich furchterregend.

Dummerweise bietet das Drehbuch am Ende eine überraschende Auflösung, die nicht aus dem Bereich des Horrors, sondern des Krimis stammt, und die den Zuschauer ziemlich dumm dasitzen lässt. "Wie, das war alles?" fragt man sich, und während man noch überlegt, ob das alles im Rückblick Sinn macht (macht es nicht), läuft auch schon der Abspann. Wenn ein Film etwas nicht tun sollte, dann das Publikum verärgert aus dem Film entlassen.
Dieses Ende erklärt immerhin, warum Hauptdarstellerin Rubin die ganze Zeit so merkwürdig sediert und stumpf durch den Film wandelt, aber das macht die Sache auch nicht besser. Eine "wachere" Heldin hätte dem Film ohnehin mehr genützt (man denke nur an die kampfbereite Heather Langenkamp, gegen die Rubin wie eine wandelnde Schlaftablette wirkt). Der ironische Seitenhieb, dass Mediziner keinen Deut besser sind als gemeingefährliche Sektenführer, ist zwar hübsch böse, bleibt aber eine schale Pointe.

Damit sinkt VISION DER DUNKELHEIT schlussendlich in die Niederungen der Direct-to-Video-Veröffentlichungen. Schade, denn Story und technische Umsetzung sind durchaus sehenswert. Was den 80er Horror anbelangt, spielt Flemings Film nicht in der oberen Liga, aber für den kurzen Splatterkick zwischendurch ist er gut geeignet. Er sieht gut aus, ist durchweg unterhaltsam und wird lediglich durch die vielen Parallelen zur "Elm Street"-Saga und das enttäuschende Ende geschwächt.

07/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...