Donnerstag, 8. September 2011

Savage Streets - Straße der Gewalt (1984)

SAVAGE STREETS- STRASSE DER GEWALT (Savage Streets) gehört zu einem leider heute vergessenen Sub-Genre der 80er: dem Linda-Blair-Busen-&-Rache-Schundfilm.
Egal, ob sie als nackte Unschuld hinter schwedischen Gardinen die Seife zu oft fallen lassen muss ("Red Heat", 1985) oder wie hier nach brutaler Vergewaltigung ihrer Schwester eine Selbstjustiz-Tour durch die Gemeinde startet, Linda Blair war in diesem Jahrzehnt eine eigene Marke. Dass Linda Blair mal für "Der Exorzist" (1973) Oscar-nominiert war, kann man angesichts der Werke, in denen sie danach auftrat, kaum glauben, aber schon die Fortsetzung des Horror-Welterfolgs, "Exorzist II - Der Ketzer" (1977) zeigte deutlich die Beschränkungen ihres Talents - oder wer könnte jemals ihre pausbäckige Steppnummer in diesem Sequel des Grauens vergessen?

In SAVAGE STREETS spielt Blair die Anführerin einer Mädchengang. Das sind knallharte Weiber mit Muckis und flotten Sprüchen auf allen Lippen. Blair gehört zu diesen unangepassten Girls, die nachts mit Sonnenbrille unterwegs sind, BHs grundsätzlich ablehnen und rotzfrech dem Schuldirektor ins Gesicht lachen. Ihre Coolness sprengt jede Polyester-Bluse. Nur der Jungs-Gang von nebenan sind die heißen Hexen ein Dorn im Auge. Die zunächst harmlosen Streitereien und vulgären Beleidigungen führen bald zu einem Kleinkrieg, der schließlich in brutaler Gewalt mündet. Die miesen Machos vergewaltigen Blairs taubstumme Schwester (C-Film-Queen Linnea Quigley) und ermorden ihre schwangere beste Freundin, die kurz vor der Heirat stand (ups!). Da die Polizei nicht eingreift und Erwachsene eh nur doof sind, kleidet sich Linda in schwarzes Leder, schnappt sich Armbrust und Bärenfalle und radiert die bösen Bastards aus...

"Bevor ich da rübersteige, mache ich lieber Handarbeit!"
Solche und andere hippe Slang-Dialoge (wie "Hi, Fans!" zur Begrüßung) machen SAVAGE STREETS zu einem Klassiker der 80er. Man kann heute niemandem mehr so recht erklären, worin genau der Reiz dieser Streifen bestand - möglicherweise darin, dass sie trotz ihres Schmuddelcharakters in allen großen Kinos liefen (das waren noch Zeiten!), in die man sich heimlich hineinschmuggelte. In den Videotheken waren Filme wie SAVAGE STREETS der große Renner, denn sie lieferten im Gegensatz zum (damals noch) sauberen Fernsehen Gewalt und moralische Unkorrektheiten en masse.

Die Vergewaltigung von Linnea Quigley ist dafür ein gutes Beispiel, denn hier bemüht sich niemand vor oder hinter der Kamera um irgendeinen Standpunkt, man hält drauf, zeigt ungeniert das entblößte Opfer und die nackten Ärsche der Täter. Die Reaktion beim Zuschauer ist allerdings wohl kalkuliert, nämlich spontaner Hass gegenüber den Vergewaltigern und letztendliche Befriedigung beim Betrachten ihres grausamen Ablebens durch Racheengel Linda Blair. Insofern steht der Film dem ähnlich gelagerten "Die Klasse von 1984" (1982) in nichts nach.
Zum Thema Selbstjustiz hat er lediglich zu sagen, dass "Auge um Auge" immer noch die beste Politik ist. Von Feminismus hält SAVAGE STRETS auch nicht viel. Dass die Mädels in der Schule nach dem Sportunterricht ausgiebig duschen müssen, die Kamera dabei keine Brustwarze auslässt und auch beim Catfight zwischen Blair und einer Schulfeindin die Blusen schneller unten sind als man blinzeln kann, versteht sich von selbst. Positiv darf man anmerken, dass die Darstellerinnen allesamt noch sympathisch natürlich aussehen und nicht so künstlich genormt wie die Botox-und Silikonmonster aktueller Teenie-Filme (oder Erwachsenenfilme, da besteht eh kaum ein Unterschied).

Unfreiwillige Komik ist ohnehin reichlich vorhanden. So muss die arme Linnea Quigley ihre taubstumme, aber engelsgleiche Filmfigur wie eine komplette Idiotin spielen, weil der Film 'taubstumm' und 'geistig zurückgeblieben' nicht auseinanderhalten kann. Der größte Brüller kommt von Schuldirektor John Vernon, der schon bei Hitchcock spielte ("Topas", 1969) und zu Blair nach einem Prügelvorfall mit pädagogisch ernster Mine sagt: "Was ist denn nur los mit Ihnen? Sie sind doch ein nettes Mädchen, haben ein hübsches Gesicht, eine gute Figur..." - Nee, schon klar, Mädels mit guter Figur müssen wirklich keinen Ärger machen.

Technisch ist SAVAGE STEETS dabei gar nicht so übel. Der Film hat Tempo, gute Straßenatmosphäre (viele Originalschauplätze), und das Finale, wenn Blair die räudigen Rüpel durch einen nächtlichen Eisenwarenladen jagt, ist in bester Horror- bzw. Slashermanier inszeniert. Regisseur Danny Steinmann empfahl sich mit SAVAGE STREETS für eines der "Freitag der 13."-Sequels (Teil 5), bevor er plötzlich seine Karriere beendete.

Neben den durchaus blutigen Special Effects ist aber Linda Blair die Hauptattraktion, und die spielt, was Schauspielklassen und Schnappatmung hergeben. Sie kneift die Wangenmuskeln und Pobacken zusammen, schnauft, bläht die Nüstern, rollt mit den Augen und fletscht die Zähne, wenn sie einen der Täter am Bett ihrer Schwester erwischt. Sie wirft sich mit Schmackes in die Rolle und weiß genau, in was für einer Art Film sie mitspielt, daher liegt sie auch mal nackig in der Badewanne, ohne dass die Einstellung dramaturgisch notwendig wäre. Aber ein blanker Busen der Hauptdarstellerin bringt einfach mehr Zuschauer.

Fazit: Für Trash-Fans ein Muss, für Horror-Fans leidlich sehenswert. Ein Film für die niederen Instinkte, die wir alle so lieben. Ein Film, der sich mutig jedem guten Geschmack entgegenstellt und sich nicht dafür schämt. Guilty Pleasure nennt man sowas.

06/10
10/10 (als Trash)


"Gib mir endlich den verdammten Oscar, du %&$%§!"
Linda Blair in "Savage Streets"

Kommentare:

  1. Ach herrlich! mit Schmackes geschrieben - und das passt ja dann wohl. Mir sind Linda Blairs Brüste bis jetzt glatt irgendwie durchgerutscht... lieben Gruß. Karsten

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  2. Zitat Dorothy aus den "Golden Girls":
    Wie kommt es, dass mich das nicht wundert? :-)

    Die Linda hat es aber auch nicht leicht. Vom Teufel besessen, Erbsensuppe spucken, Heuschrecken vejagen, auf ein Spenderherz warten, Brutalos misshandeln...ganz schönes Tagespensum für so ein zartes Persönchen.

    Liebe Grüße, Mathias

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