Sonntag, 13. November 2011

Sado - Stoss das Tor zur Hölle auf (1979)

Also, wenn das mal kein toller deutscher Titel ist, dann weiß ich es auch nicht. Die Werbezeile ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern: "Der schrecklichste Film dieser Zeit". Das kann natürlich schnell nach hinten losgehen.
SADO - STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF (Buio Omega/Blue Holocaust / Beyond the Darkness) entstand auf dem Höhepunkt der Splatterwelle Ende der 70er und kommt selbstverständlich aus Italien, wo nach George Romeros "Zombie"-Hit die Gedärme nur so von der Leinwand flogen. Vielfilmer Joe D'Amato - auch bekannt als Aristide Massaccesi - hat neben dem berühmt-berüchtigten "Man-Eater - Der Menschenfresser" (1980) mit SADO seinen wohl besten Horrorfilm inszeniert. In den 80ern galt SADO auch aufgrund seiner Beschlagnahmung und den heimlich gehandelten Kopien unterm Ladentisch (ähnlich wie Fulcis "Ein Zombie hing am Glockenseil", 1980) als legendärer Ekelschocker, den man sich nur ansehen sollte, wenn man wirklich bereit dafür war. Heute würde SADO vielleicht keinen Horror-Fan mehr hinter dem Ofen hervorlocken, aber der Gewaltgrad von D'Amatos nekrophilem Opus war seinerzeit erstaunlich derb und schwer zu toppen.

SADO erzählt vom jungen Tierpräparator Frank (Kieran Canter), dessen geliebte Freundin tragisch stirbt. Vom Wahnsinn umnachtet, stiehlt Frank ihre Leiche vom örtlichen Friedhof und präpariert sie in seinem Obduktions-Keller. Dann legt er die Leiche in sein Bett und pflegt romantische Kuschelstunden mit der toten Freundin. Das reicht ihm aber bald nicht mehr, und er macht Jagd auf junge Frauen, schläft mit ihnen neben dem Körper der Toten und ermordet sie auf bestialische Weise. Seine Haushälterin (Franca Stoppi) hilft ihm, die Mordopfer zu beseitigen, in dem sie diese in Salzsäure auflöst. Als dann noch die Zwillingsschwester der verstorbenen Geliebten auftaucht und Frank sich in sie verliebt, ist das Chaos endgültig komplett...

Nekrophilie, Friedhofsschändung, Ausweidung, Mord, Totschlag, aufgelöste Leichen und deftiger Gulascheintopf sind die Zutaten dieses Tabubrechers, der dem Zuschauer das ultimative Horror-Erlebnis bescheren will, in dem es ihn alle 10 Minuten zum Würgen bringt, aber trotz der ansehnlichen Splattereinlagen durchaus eine stimmungsvolle Geschichte erzählt. Joe D'Amato nimmt seine Hauptfigur und deren Sehnsucht nach der verlorenen Liebe absolut ernst (auch wenn ich hier nicht von einem "Vertigo"-Remake sprechen würde, das verbietet trotz der Ähnlichkeiten der Respekt vorm seligen Hitchcock), und zusammen mit der gekonnten Musik von Goblin erzielt er einige atmosphärische und berührende Momente, zumal große Teile des Films stumm ablaufen und mehr über das Bild als Dialog erzählt werden. Wenn man über die teilweise dilettantischen Inszenierungsversuche und Dialoge hinwegsieht, kann man nicht leugnen, dass von SADO eine morbide Faszination ausgeht. Immerhin handelt er von den ewigen Themen - Liebe, Tod und dem, was danach kommt.

Selbstverständlich sollen aber in erster Linie die Gorefans befriedigt werden, und die bekommen nicht nur eine makabere Präparationsszene zu sehen, in der Frank seiner Geliebten die Organe entnimmt und ihr das Blut mit einer Pumpe absaugt (besonders die Soundeffekte sorgen hier für wohligen Ekel - und unfreiwillige Lacher), sondern noch eine kreischende Tramperin, der Frank mit einer Zange die Fingernägel einzeln ausreißt, um sie zum Schweigen (??) zu bringen (was nicht wirklich funktioniert), sowie die bizarre Haushälterin, zu der Frank eine merkwürdige Beziehung pflegt, und die Franks Leichen waidmännisch mit dem Hackebeil in der Küche zerlegt, bevor sie diese im Säurebad zermatscht und anschließend fröhlich ihren herzhaften Eintopf verspeist.
Es ist übrigens genau jene Szene, die am schwersten zu ertragen ist, nicht wegen der Leichenteile, sondern wegen der absolut abstoßenden Großaufnahme der mampfenden Magd, bei deren Anblick sich nicht nur Kieran Canter übergeben muss. Der war übrigens hauptsächlich Darsteller in erotischen Filmen (inklusive der Granate "The Lonely Lady", 1983) und zeigt hier eine überraschend glaubwürdige Leistung, auch wenn der Dialog natürlich hanebüchen daherkommt.

Was soll man also über SADO sagen? Joe D'Amato hat nie einen atmosphärischeren Film gedreht, auch wenn er nach wie vor nur für starke Mägen geeignet ist. Die Zeit dieser Art von Filmen ist lange vorbei, deswegen umweht SADO noch heute der Hauch des Nostalgischen und Verbotenen (vor allem, weil er immer noch verboten ist). Wer in den 80ern groß geworden ist, wird sich immer an Horrorperlen wie SADO angenehm erinnern, die die Jugend so aufregend gemacht haben. Ist SADO ein guter Film? Gewiss nicht. Aber er gehört zur meiner Vergangenheit wie die Erinnerung an Zauberwürfel, Video 2000 und Schulterpolster.

08/10

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