Samstag, 17. September 2011

Magdalena - Vom Teufel besessen (1974)

Als "Der Exorzist" (1973) weltweit abräumte, kamen die Nachahmer aus allen Löchern. Jedes Land wollte seinen eigenen Teufelsschocker haben. Die meisten Imitatoren kamen aus Italien, wo sogar ein Meisterwerk wie Mario Bavas "Lisa und der Teufel" (1974) vom Produzenten mit Exorzismus-Szenen verunstaltet wurde. Man soll es kaum glauben, aber auch in Deutschland trieb der Beelzebub sein Unwesen, und da zeitgleich auch die Sexwelle rollte, übernahm Schund- und Schmuddelfilmer Walter Boos die Regie bei MAGDALENA - VOM TEUFEL BESESSEN, den man locker auch "Der Exorzismus-Report" hätte betiteln können.

MAGDALENA beginnt gar nicht so schlecht, als nachts eine Prostituierte durch Münchens Innenstadt wankt und die gekreuzigte Leiche eines alten Tattergreises entdeckt. Magdalena, die blutjunge Enkelin des Mordopfers, wird noch in der gleichen Nacht von seltsamen Anwandlungen befallen. Sie gibt obszöne Flüche von sich, hat Schaum vorm Mund und reißt sich die Klamotten vom Leib. Das Mädcheninternat, in dem sie lebt, und das noch aus den guten alten Edgar Wallace-Filmen stammt, wird von Elisabeth Volkmann geleitet, die eilig Arzt und Pfarrer (Rudolf Schündler, ebenfalls noch aus den Wallace-Filmen übrig geblieben) alarmiert. Der Pfarrer weiß sogleich: hier ist der Teufel am Werk! Ein ungläubiger Professor aber nimmt Magdalena mit in sein Landhaus. Auf der Alm nämlich, da gibt's koa Sünd', das weiß doch jeder. Dort aber sorgt die sexbesessene Magdalena für weiteres Unheil...

MAGDALENA ist bundesdeutscher Trash vom Feinsten. Während Fassbinder Meisterwerke des Neuen Deutschen Films wie "Angst essen Seele auf" (1974) und "Martha" (1974) inszenierte, entstand dieser plump-dreiste Horror-Abklatsch mit Seltenheitswert. Heute ist der Film in Vergessenheit geraten, damals aber war er ein Hit an den Kinokassen und spielte das Achtfache seiner Produktionskosten ein, was wohl daran lag, dass Video noch kein Begriff und RTL noch nicht auf Sendung war. Da musste Opi schon zur schnellen Aufgeilung den Weg ins Lichtspielhaus antreten und mit Filzhut im Schoß den aktuellen Kassenschlager bestaunen.

Die junge Dagmar Hedrich gab in MAGDALENA ihr Debüt und verschwand gleich darauf wieder in der Versenkung, vermutlich aus Scham (die wir in MAGDALENA häufig zu sehen bekommen). Als brave Blondine mit knackigem Apfelbusen muss sie sich in MAGDALENA ständig aus dem Nachthemd kämpfen, nackt auf Wiesen herumwälzen, sich die Finger zwischen die wohlgeformten Schenkel stecken und kreischen. Das vom Satan besessene Luder ist so scharf, dass sich dümmliche Dorfdeppen gleich gegenseitig das Messer in den Bauch rammen, um mit ihr den sündigen Beischlaf zu vollziehen. Ihre subtile Verführung besteht darin, dass sie sich nackt auszieht, auf den Fußboden setzt und die Beine spreizt. Holla, die Waldfee!

So richtige Horror-Stimmung will bei all dem Softsex eher nicht aufkommen, da helfen auch keine billig gemachten Spezialeffekte. Wenn Elisabeth Volkmann (Gott hab' sie selig!) ein Zimmer im Internat inspiziert, in dem sämtliches Mobiliar an sichtbaren Drähten (und rückwärts kopiert) herumfliegt, dann wähnt man sich doch eher in einer guten Folge von 'Klimbim' und wartet statt auf die Gänsehaut eher auf Ingrid Steeger, die sich einen Schlitz ins Kleid macht und das wunderbar findet. Nichtsdestotrotz kann man sich bei MAGDALENA herrlich schundig unterhalten, zumal sich alles in geborgten Kulissen eines Heimatfilms abspielt. Ja, das ist übrigens der junge Sascha Hehn, der sich da im Auto an Magdalena vergreift. Der denkt aber auch immer nur an das Eine!

Ganz gut funktioniert die Filmmusik, die sehr düstere Töne anschlägt, wenn Magdalena mal wieder einen ihrer Sexanfälle hat. Die werden stets vom lauten Summen einer Fliege begleitet (Herr der Fliegen, Sie wissen schon). Das ist durchaus ein künstlerischer Einfall. Wie konnte das denn passieren?

Am Ende wird Magdalena dann flugs geheilt, indem sie eine Schlange auswürgt, auf der die Darsteller eilig herumtrampeln (Buh!), welche sich aber dann in Luft auflöst. Magdalena kann beruhigt mit ihrem Geliebten über die grüne Alm und frischen Tau wandeln. Das Grauen hat ein Ende, die Karrieren auch. Na, Hallelujah aber auch!

04/10

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