Freitag, 9. September 2011

Ich, der Richter (1982)

Unter Mickey Spillane-Fans hält sich das Gerücht, dass ICH, DER RICHTER (I, the Jury) die beste Mike Hammer-Verfilmung von allen sei, und der Film besitzt in den entsprechenden Kreisen Kultcharakter. Bei näherer Betrachtung kann der knallharte Detektiv-Thriller in der Tat einige Qualitäten vorweisen, aber mit Aldrichs "Rattennest" (1955) kann er es - bei aller Liebe - dann doch nicht aufnehmen.

Der abgebrühte Privatdetektiv Mike Hammer (Armand Assante) beginnt mit seinen Recherchen, als dessen einarmiger Freund und Kollege ermordet wird. Dessen Witwe schmeißt sich gleich an Hammer ran, und wie sich herausstellt, hatten die beiden ernste Beziehungsprobleme, weswegen sie bei einer Sex-Therapeutin (Barbara Carrera) in Behandlung waren. In deren Therapiezentrum gehen sehr zwielichtige Dinge vor sich, und bevor Hammer sich versieht, steckt er mittendrin in einer ganz schmutzigen Geschichte, jagt neben einem Killer noch einen Serienvergewaltiger und wird selbst von Gangstern und der CIA aufs Korn genommen...

ICH, DER RICHTER stellt gleich zu Beginn klar, dass wir es hier nicht mit einem gelackten Hochglanz-Thriller zu tun haben, wenn Hammer in der Pre-Title-Sequenz den Auftrag bekommt, eine Ehefrau auszuspionieren und im nächsten Bild mit besagter Dame im Lotterbett liegt. Es folgen ein sehr stylischer Vorspann und die Ermordung des einarmigen Bekannten, der tatsächlich von einem einarmigen Darsteller mit abnehmbarer Prothese gespielt wird - ein unverhofft realistischer Anblick, den man im Hollywood-Kino nicht allzu oft vorfindet.

ICH, DER RICHTER bemüht sich in jeder Szene um einen dreckigen, rohen Look, und ebenso dreckig und roh agiert auch Armand Assante als Hammer, wobei er den Detektiv weniger hart als schmierig spielt. Assante war der Antonio Banderas, bevor Antonio Banderas selbst nach Hollywood kam. Als unrasierter Latin Lover, dem alle Frauen zu Füßen liegen, der einen Fluchtwagen mit Bacardi und Mottenkugeln betankt und unbewaffnet ein ganzes Nest von Bösen ausräuchert, kann er weitgehend überzeugen. Er ist sexy, witzig und körperlich gut beieinander für die vielen Actionszenen.
An seiner Seite agieren bekannte Charaktermimen wie Alan King und Geoffrey Lewis, Paul Sorvino wiederholt seine Rolle aus "Cruising" (1981), und die exotische Schönheit Barbara Carrera ist eine klassische Femme Fatale, die sich ausgiebig ihrer Klamotten entledigen darf und ein unschönes Ende in Hammers Armen findet. "Wie konntest du nur?" haucht sie, nachdem Hammer sie erschossen hat, worauf dieser erwidert: "Das war leicht." Nein, ein netter Kerl ist dieser Hammer nicht.

Als Hammers Sekretärin und Gelegenheitsliebschaft spielt Laurene Landon die wohl einzig sympathische Figur im ganzen Film. Landon ist eine Stammschauspielerin von Autorenfilmer Larry Cohen, der für ICH, DER RICHTER das Drehbuch schrieb und auch Regie führte, bevor er nach einer Woche wegen Budgetüberschreitung von Richard T- Heffron ersetzt wurde. Das ist schade, denn Heffron besitzt nicht einen Funken künstlerisches Talent und inszeniert die Detektivgeschichte nur routiniert, Larry Cohens Handschrift ist aber dank vieler Skurrilitäten im Drehbuch immer erkennbar. Der Film bietet jede Menge Sex, Gewalt und schwarzen Humor, der beste visuelle Einfall ist ein Wasserbett, auf dem soeben ein Mord stattgefunden hat, und aus dem Wasser und Blut herauslaufen. Begleitet wird das Ganze von einem eingängigen Soundtrack, der wie das Titelthema einer TV-Serie klingt und nicht mehr aus dem Ohr geht.

Einige Längen und zu viele Subplots schmälern zwar insgesamt das Vergnügen, dennoch kann sich ICH, DER RICHTER als B-Film mit ruppigem Charme absolut sehen lassen. Leider war er im Kino wenig erfolgreich und geriet schnell in Vergessenheit, er hat aber bis heute eine kleine, feste Fangemeinde.

7.5/10

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