Samstag, 10. September 2011

Die Liebesmaschine (1971)

Die Verfilmung des Jacqueline Susann-Bestsellers "Das Tal der Puppen" (1967) gehört zu meinen ewigen Favoriten und den besten schlechten Filmen aller Zeiten. Da er trotz (oder wegen) seiner lachhaften Umsetzung ein Kassenknüller für die 20th Century Fox war, lag es nahe, dass sich andere Studios ebenfalls auf Susanns Romane stürzten, um diese gewinnträchtig in die Kinos zu bringen. Die Columbia produzierte daher DIE LIEBESMASCHINE (The Love Machine), der nicht den hohen Trash-Faktors des Originals erreicht, aber zumindest stellenweise dicht herankommt.

DIE LIEBESMASCHINE, das ist Robin Stone (John Pillip Law), der als geschniegelter TV-Moderator fürs Regionalfernsehen arbeitet, bis die Ehefrau des Senderchefs (Dyan Cannon) ihn entdeckt und ihren Mann überredet, Stone zum Chef der Nachrichten zu machen. Natürlich hat sie es selbst auf den hübschen Robin abgesehen. Der ist aber noch mit Model Amanda (Jodi Wexler) liiert, macht aber umgehend Schluss, um sich durch mehrere Betten nach oben zu schlafen...

Die Inhaltsangabe hätte ich gern noch auf einen Punkt hingeschrieben, auf den der Film eigentlich hinauswill, aber der existiert leider nicht. Merkwürdig ziellos plätschert DIE LIEBESMASCHINE so dahin, von einer Schlafzimmerszene zur nächsten. Das soll aber nicht heißen, dass der Film nicht unterhaltsam wäre. Natürlich bewegt sich das gesamte Drama auf dem Niveau des "Denver Clans" kein Wunder bei der Vorlage, die oft in einer Schundschublade mit Jackie Collins und Harold Robbins zu finden ist.

Da Jack Haley jr. als Regisseur im Leben nicht das Zeug von Mark Robson besitzt, der das "Tal der Puppen" zu geschmacklosen Höhen (und Tiefen) führte, muss man die Highlights in der LIEBESMASCHINE mit der Lupe suchen, aber es gibt sie. Bereits die erste Liebesnacht von Stone und Amanda liefert einen echten Brüller, wenn sie sagt: "Du weiß ja, wie das mit uns Models ist - nackt sehen wir alle aus wie junge Knaben." Das macht Stone aber nichts aus, im Gegenteil. Als Amanda am nächsten Morgen die Wohnung verlassen will, verprügelt er sie und keucht: "Niemand verlässt mich! Wenn du mit mir schläfst, bleibst du bei mir!" Überhaupt schlägt dieser Robin Stone gerne zu. Eine Prostituierte, die ihn als 'Tunte' bezeichnet, wird ebenfalls von ihm vermöbelt. Ob der Film nun erzählen will, dass Stone im Grunde ein verkappter Homosexueller ist, wird dabei trotz mehrerer Anspielungen nie klar. Schade, denn das wäre zumindest einigermaßen interessant gewesen.

Apropos schwul, David Hemmings muss hier einen extrem tuntigen Modefotografen (in Anlehnung an Antonionis "Blow Up", der nicht nur in einer anderen Liga, sondern in einer anderen Galaxie spielt) mit falschem Bart spielen, hat aber als einziger Spaß an seiner Rolle und muss ständig aufpassen, dass ihm niemand die Perücke vom Kopf reißt. Im Finale liefern sich Cannon, Law, Hemmings und dessen Lover eine Schlägerei (alle Charaktere - Männer wie Frauen - schlagen immer erst zu, bevor sie Fragen stellen), die ebenso gelungen ist wie der Catfight zwischen Susan Hayward und Patty Duke im "Tal der Puppen". Geprügelt wird sich übrigens nur, weil Dyan Cannon droht, Robin als schwul zu outen (da ist es wieder) und ihn vor aller Welt lächerlich zu machen - was zeigt, dass der Film in einem Universum jenseits unseres Sonnensystems spielt, denn nicht mal in den frühen 70ern hätte ein schwuler TV-Mann für irgendwelches Aufsehen gesorgt.

Die Ähnlichkeiten mit dem "Tal der Puppen" sind nicht nur deutlich, sondern aufdringlich, und das schon während des Vorspanns, wenn hier wie dort Dionne Warwick das Titellied singt (geht's noch origineller?). Dazu gibt es eine psychedelische Fotomontage im schönsten 60er Stil (der 71 schon passé war), und wenn das verstoßene Model Amanda Selbstmord begeht (wer von Robin Stone nicht mehr angefasst wird, verliert umgehend den Lebenssinn), liegen selbstverständlich die Tabletten (die 'Püppchen') bedeutungsschwanger auf dem Nachttisch. Apropos bedeutungsschwanger, zu Beginn wird ein Vogel im Käfig so penetrant als Metapher für den verschlossenen Robin Stone bespielt (Robin = Rotkehlchen), dass man sofort weiß, wie der Vogel enden wird - auf dem Boden des Käfigs, mit den Füßen in der Luft, gestorben vor Scham, in diesem Schinken mitgewirkt zu haben.

Was überhaupt jemand an Robin Stone, der "Liebesmaschine", findet, bleibt ein Rätsel, denn John Phillip Law spielt den unsympathischen Emporkömmling mit genau einem Gesichtsausdruck: gelangweilte Arroganz. Auch der arme David Hemmings muss die ganze Zeit so tun, als sei er unsterblich in Law verschossen, eine echte Meisterleistung. Und da niemand außer Hemmings ein bisschen Leben in den Film bringt, wirkt das alles so steif wie Schlagsahne aus dem Gefrierschrank (oder besser: Quark). Was man wirklich über das Gerangel hinter den Kulissen eines TV-Senders erzählen kann, bewies Sidney Lumet ein paar Jahre später in "Network" (1976). Dabei stammt das Drehbuch zur "Liebesmaschine" von Samuel Taylor, der immerhin Hitchcocks "Vertigo" (1958) verfasste. Aber wir müssen alle leben und die Miete bezahlen, nicht wahr?

So bleibt DIE LIEBESMASCHINE eine nicht unbedingt langweilige, aber irgendwie uninteressante Angelegenheit, die stellenweise von absurden Dialogen und lustigen Entgleisungen aufgelockert wird. Den Kultstatus von "Puppen" wird der Film nie erreichen, er ist ohnehin kaum zu sehen und schwer zu bekommen.

06/10

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