Sonntag, 11. September 2011

Das Engelsgesicht - Drei Nächte des Grauens (1982)

Was soll man über einen Film sagen, in dem eine Frau (Bibi Besch) mitten in der Nacht, irgendwo in den Südstaaten von einem monströsen Wesen in die Büsche gezerrt und vergewaltigt wird, um dann später einen Sohn zur Welt zu bringen, der sich zunächst zu einem hübschen, strammen Teenager ( Paul Clemens) entwickelt, dann aber von seltsamen Schmerzen befallen wird und schließlich zu einer riesigen Zikade mutiert, die Jagd auf Eltern und Bewohner des Mississippi-Kaffs macht?

Zuallererst muss man sagen, dass DAS ENGELSGESICHT (The Beast Within) sich wohltuend vom Slasher-Wahn der frühen 80er abhebt und stattdessen die Wege des klassischen Monsterfilms beschreitet. Dann darf man anmerken, dass Schauspieler, Musik (Les Baxter) und Cinemascope-Kamera sehr ordentlich sind, ebenso die Spezialeffekte. Die Verwandlung des Teenagers in das Rieseninsekt nimmt einerseits Cronenbergs "Die Fliege" (1985) vorweg, andererseits ist sie herrlich anzuschauen mit den - aus heutiger Sicht - altmodischen Latex- und Bladder-Effekten.
Die Tatsache, dass das Ganze alles kaum Sinn macht und reichlich bizarr daherkommt, gehört mit zum Charme dieses eigenwilligen B-Films. Die Subplots um zurückliegende Geheimnisse des Örtchens, an dem die Vergewaltigung stattfand, und die Geschichte um einen Mann, der seinerzeit getötet und teilweise aufgefressen wurde, als Mutti geschwängert wurde, habe ich, ganz ehrlich, nie kapiert, dafür ist die Erzählung schlicht zu konfus und nicht fesselnd genug.

Das Drehbuch stammt übrigens von Tom Holland ("Fright Night", 1985), und der schafft es wieder einmal, einiges an sexuellen Subtexten in den Film einzuschmuggeln. So ist denn die seltsame Verwandlung des hübschen Bengels in ein blutgieriges Monster über mehrere Stadien das reinste Coming Out-Drama eines Jungen, der sich nicht mehr wohl in seiner Haut fühlt und nicht versteht, was mit ihm los ist. Die Romanze mit einem Mädel kommt nicht voran, weil ihn eigenartige "Gelüste" plagen, und der psychische Druck führt zu körperlicher Krankheit, die kein Arzt diagnostizieren kann. Am deutlichsten wird das in einer bezeichnenden Sequenz, in der er einem alleinstehenden Dörfler Lebensmittel vorbeibringt und dieser dann unser Bürschchen lüstern angiert, während er mit bloßen Händen im frischen Hackfleisch wühlt. Hier ist unser Engelsgesicht nichts anderes als Frischfleisch, im wahrsten Sinne, und der folgende Gewaltakt die Entladung sexueller Aggression.

Diese Art der Erzählung geht weit zurück im amerikanischen Film bis zu Horrorfilmen wie "I Was a Teenage Werewolf" (1957), die das Unbehagen angesichts körperlicher Veränderungen und die Suche nach sexueller Identität bei Jugendlichen zum Mittelpunkt des Horrors machten. Insofern führt DAS ENGELSGESICHT eine alte Tradition fort und hat unter der grotesken Oberfläche mehr zu erzählen als so manch anderer Schocker. Und so zählt der Film auch zu den weitgehend unterschätzten und übersehenen Genrebeiträgen der 80er.

07/10

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