Montag, 12. September 2011

Dark Night - Sie greifen nach den Lebenden (1983)

DARK NIGHT (One Dark Night) von Regisseur Tom McLoughlin ist auch bekannt unter dem Titel "Mausoleum der lebenden Toten". Doch wer hier blutrünstige Zombies erwartet, wird leider enttäuscht, denn bei diesem Horrorfilm der frühen 80er handelt es sich eher um ein atmosphärisches Gruselstück mit wandelnden Skeletten. Das Praktische an DARK NIGHT ist, dass er nicht viel Lebenszeit vergedeutet. Wenn man den Film genießen will, kann man nämlich die erste Stunde einfach überspringen und sich nur die letzten 20 Minuten ansehen. Die lohnen sich dann auch wirklich.

Der Inhalt ist schnell erzählt: die junge Julie (Meg Tilly) will unbedingt zur coolen Mädchen-Clique ihrer Schule gehören und muss dazu einen Aufnahmetest, bzw. eine Mutprobe bestehen. Dafür wird sie nachts allein im örtlichen Mausoleum einquartiert. Nun, ganz allein ist sie nicht, denn zwei andere Mädels wollen Julie ordentlich erschrecken und verkleiden sich als lebende Tote - was gar nicht nötig ist, denn unter dem Einfluss eines gerade verstorbenen Magiers und dessen telekinetischer Kraft werden die gelagerten Leichen selbst höchst lebendig...

Der Plot um besagten Magier, in dessen Wandschrank mehrere Mädchenleichen gefunden werden, und dessen Tochter Nachforschungen über Papas seltsames Verhalten anstellt, nimmt zu Beginn viel Zeit ein und ist zwar nicht todlangweilig, aber weitgehend uninteressant. Dann lernen wir Julie kennen, die sich gern einem Gruppenzwang unterwerfen möchte, sowie deren Freundin, die als Markenzeichen immer eine Zahnbürste im Mund hat. Das ist nicht nur reichlich ekelhaft, sondern auch ein ganz schlechter Ersatz für eine Charakterisierung. Die Grusel-Mutprobe als Aufnahmeritus kennen wir schon aus "Blutweihe" (1984) und "Hell Night" (1981). Auch dort planen die bösen Mitstudenten, die Neuzugänge zu Tode zu erschrecken, um sich dann beim Anblick des realen Horrors selbst kräftig in die Hosen zu strullern.

Wie gesagt, die ersten 60 Minuten können übersprungen werden, ohne dass der Zuschauer Wesentliches verpasst. Wenn Julie sich mit Kuscheldecke und Radio im Mausoleum einquartiert, geht dann endlich der Grusel los, und der wird von Tom McLoughlin ziemlich gut inszeniert. Die auferstandenen Leichen haben übrigens kein Eigenleben, wie der deutsche Titel vermuten lässt, sondern sind eher ferngesteuerte, seelenlose Schreckenswesen mit rot glühenden Augen. Das Mausoleum selbst erinnert wohl nicht zufällig an die schaurigen Marmorgänge aus "Das Böse" (1979). Die Spezialeffekte um die schwebenden Leichen sind auf nette Art naiv und altmodisch, erzielen aber durchaus schaurige Wirkung, besonders wenn sie über den kreischenden Mädels zusammenbrechen.

Mit der reizenden Meg Tilly hat der kleine Film eine klare Trumpfkarte. Tilly gehörte zu meinen Lieblingsdarstellerinnen der 80er, bis sie sich dann aus dem Filmgeschäft zurückzog, um Kinderbücher zu schreiben. Ihre leicht abwesende, ätherische Spielweise ist immer wieder schön anzuschauen. Ihre Schwester Jennifer Tilly ist allen Horror-Fans natürlich spätestens seit der "Chucky"-Reihe bekannt. Regisseur McLoughlin empfahl sich mit DARK NIGHT für den Regieposten beim "Freitag der 13."-Sequel Teil 6 und ist seitdem gut im Fernsehgeschäft tätig. Insofern war der Film für ihn ein erfolgreiches Debüt.

DARK NIGHT ist kein Klassiker des 80er-Kinos, aber für eine halbe Stunde unterhaltsamen Gruselspaß kann man mal reinschauen in dieses Mausoleum der lebenden Toten.

06/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...