Donnerstag, 15. September 2011

Chucky - die Mörderpuppe (1988)

Und da ist wieder eine von diesen Killerpuppen, die uns den Schlaf rauben, und dieses Mal sogar eine sehr erfolgreiche. CHUCKY - DIE MÖRDERPUPPE (Child's Play) von Tom Holland zog gleich mehrere Sequels und Wiederbelebungen nach sich und ist heute aus der amerikanischen Popkultur nicht mehr wegzudenken. Unter den wenig aufregenden Horrorfilmen der späten 80er stellt Hollands Original tatsächlich einen kleinen Höhepunkt dar, weil er eine altbekannte Story mit überzeugenden Spezialeffekten und frischen Ideen aufpeppt.

'Chucky' ist eine "Good Guys"-Puppe mit feuerrotem Haar und niedlichen Sommersprossen. Sie ist der aktuelle Verkaufsschlager, kann auch sprechen und sagt "Ich bin für immer dein bester Freund". Der kleine Andy (Alex Vincent) freut sich jedenfalls tierisch über sein neues Spielzeug. Was er nicht weiß: in Chucky steckt der Geist eines Serienkillers, der seiner Verhaftung durch einen Detective (Chris Sarandon) nur entging, indem er mit Hilfe von Voodoo-Zauber in die Puppe fuhr. Aus dieser muss er schnellstens wieder raus, aber leider ist das gar nicht so einfach, denn als kniehohe Puppe hat man so seine Schwierigkeiten. Der kleine Andy merkt bald, wie böse seine liebe Puppe ist, aber natürlich glaubt dem Jungen keiner. Als aber auch Andys Mama (Catherine Hicks) hinter Chuckys Geheimnis kommt, ist niemand mehr seines Lebens sicher...

Was CHUCKY - DIE MÖRDERPUPPE wirklich hervorragend gelingt ist das Kunststück, die Puppe Chucky jederzeit glaubwürdig agieren zu lassen. Ob sie geht, spricht oder tötet, als Zuschauer lässt man sich schnell auf die alberne Story ein, weil die Tricks so wahnsinnig überzeugend sind, und das ist keine leichte Übung. Die Geschichte der Horror-Puppen ist natürlich ein alter Hut, angefangen vom britischen Klassiker "Dead of Night" (1942) über "Magic" (1975) bis zu Stuart Gordons "Dolls" (1987), aber CHUCKY verbindet seine guten Effekte mit einer spannenden Story und einer feinen Prise absurden Humors. So wird der Serienkiller, dessen Geist in Chucky gefangen ist, von einem unserer liebsten Filmpsychos, Brad Dourif, gespielt, und der darf nach seinem menschlichen Abgang in der Eröffnungsszene den Rest des Films als Chuckys Stimme einige köstliche Gemeinheiten von sich geben, die das Geschehen immer wieder auflockern. Im Gegensatz zu den Sequels ist die Puppe Chucky hier aber trotz des Humors ein klassisches Filmmonster, vor dem man sich fürchten sollte.

Was CHUCKY zusätzlich von anderen Horrorfilmen der Ära unterscheidet, ist die realistisch gezeichnete Familiensituation (abgesehen von der wie üblich zu großen Wohnung, in der Mutter und Sohn leben). Weder wird die kleine Familie hier als Disney-Idyll beschrieben oder auf Spielberg-Art überzuckert, noch wird sie zum zynischen Hort des Bösen erklärt. Catherine Hicks spielt ihre allein erziehende, berufstätige Mutter, die ihrem Sohn gern eine Freude machen möchte, aber nicht genug Geld für eine echte "Good Guys"-Puppe hat, sehr sympathisch und ist eine liebenswerte Figur, mit der man mitfühlen kann. Und sind wir nicht alle von unseren Eltern schon tief enttäuscht worden, als wir einen Pullover statt des teuren Spielzeugs bekamen? Die Art, wie Mutter und Sohn miteinander umgehen (sie ringt sich ein rührendes Lächeln ab, obwohl Sohnemann beim Versuch, selbst Frühstück zu machen, kläglich versagt), hat im Genre Seltenheitswert.

Neben Catherine Hicks als kämpferischer Mutter spielt Chris Sarandon den netten Detective, der natürlich nicht an das Märchen von der mordenden Puppe glaubt, sich dann aber eines Besseren belehren lassen muss. Sarandon hat unter Tom Hollands Regie schon in "Fright Night" (1985) gespielt, wo er als Vampir Jerry Dandridge wesentlich schillernder agieren durfte, aber er holt das Beste aus seiner eindimensionalen Rolle heraus. Sarandon gehört zu den Schauspielern, die immer Humor mit einbringen, und sein Blick, als Catherine Hicks ihm klarmachen will, dass die Puppe hinter allem steckt, ist urkomisch ("Yeah - Good Night!").

Das Drehbuch von Don Mancini machte übrigens schon länger die Runde in Hollywood, aber niemand kam so richtig damit klar. Erst als Tom Holland nach eigenen Aussagen den Körperwechsel-Thriller "The Hidden" (1987) sah, kam ihm die Idee der Seelenwanderung. Und neben den eher humorvollen Szenen gelingen ihm auch einige echte Gänsehaut-Momente. Wenn Catherine Hicks feststellt, dass sich in der Puppe, mit der sie gerade geredet hat, gar keine Batterien befinden, ist das ein wirklich furchterregender Augenblick, der von Holland erstklassig inszeniert wird. Der Schlussfight zwischen Mutter, Sohn und Chucky in der kleinen Wohnung lässt dem Zuschauer kaum Zeit oder Luft zum Atmen, ebenso Chuckys Angriff auf Chris Sarandon am Steuer seines Wagens.

So bietet CHUCKY - DIE MÖRDERPUPPE zwar keine Innovation und ist letztendlich eine eher harmlose Angelegenheit, bietet aber genug Energie, Tempo, Lacher und Schocker, um den Horror-Fan über die gesamte Laufzeit spannend zu unterhalten.

7.5/10

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