Sonntag, 14. August 2011

Teuflische Signale (1982)

Zwei Jahre, bevor Wes Craven mit "Nightmare - Mörderische Träume" (1984) einen Superhit landen konnte, inszenierte Roger Christian mit TEUFLISCHE SIGNALE (The Sender) einen kleinen, aber sehr effektiven Schocker, der einiges von Cravens Traumszenario vorwegnahm, der aber sang- und klanglos in der Versenkung verschwand.
Höchste Zeit, ihn neu zu entdecken.


Herbstliche Szenerie. Ein junger Mann (Zeljko Ivanek) versucht sich am helllichten Tag in einem öffentlichen Badesee zu ertränken. Er wird gerettet und in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo sich die attraktive Ärztin Gail (Kathryn Harrold) um ihn kümmert. Der Patient kann sich nicht einmal an seinen Namen erinnern. Mit seiner Ankunft in der Psychiatrie aber beginnen seltsame Phänomene. Sowohl Gail als auch die Mitpatienten werden von grauenvollen Visionen heimgesucht. Sie sehen Kakerlaken im Kühlschrank, Ratten, abgetrennte Köpfe und blutige Spiegel. Offenbar hat der junge Mann die Fähigkeit, seine Alpträume und Schreckensfantasien auf seine Mitmenschen zu übertragen. Um hinter das Geheimnis zu kommen, muss sich Gail an die Mutter (Shirley Knight) ihres Schützlings wenden, die versucht hat, die Ärztin zu warnen. Aber existiert sie wirklich, oder ist sie selbst nur eine Vision? ...

Roger Christian hat hier einen exzellenten Horrorfilm vorgelegt, der den seinerzeit angesagten Trend zum Teenie-Slasher mutig ignoriert und eine Geschichte erzählt, die viel mehr aus dem Bereich des Phantastischen und der Science Fiction stammt. Das Spiel um Realität und Halluzination bleibt durchweg spannend, und TEUFLISCHE SIGNALE wartet mit einigen surrealen Schockbildern auf, die unter die Haut gehen, ohne jemals zu lautmalerisch oder effekthascherisch zu werden. Die hervorragenden Spezialeffekte werden sparsam dosiert und geraten nicht zum Selbstzweck des Films, der sich in erster Linie für seine Charaktere interessiert.

So ist die Mutter des mysteriösen jungen Mannes eine religiöse Fanatikerin, die ihren Sohn aufgrund seiner Fähigkeiten für den wiedergeborenen Messias hält. Gleichzeitig befindet er sich in ihrer Obhut scheinbar in Lebensgefahr. Eine Auseinandersetzung Religion vs. Wissenschaft findet allerdings in TEUFLISCHE SIGNALE nicht statt, schon eher ein Duell der Psychiater. Gails Vorgesetzter (Paul Freeman) ist nur zu gern bereit, eine Elektroschock-Therapie anzuwenden, um dem neuen Patienten die Visionen auszutreiben, während unsere Protagonistin eher durch Gespräche und Recherchen hinter dessen Geheimnis kommen will. Die Elektroschock-Sequenz, bei der die bevorzugte Methode des Doktors gehörig in die Hose geht und die gesamte Klinik von unheimlichen Visionen befallen wird, ist dann auch die beste im Film.

Regisseur Roger Christian bleibt durchweg bei einer ruhigen Erzählweise, spart sich jeden überflüssigen Dialog und verlässt nur selten die psychiatrische Klinik, so dass TEUFLISCHE SIGNALE gelegentlich wie ein Kammerspiel wirkt. Diese Konzentration gehört aber zu seinen Stärken. Trotz des eher geringen Budgets kann TEUFLISCHE SIGNALE gute Production Values und einen wundervollen Score von Trevor Jones vorweisen (immerhin wurde der Film vom Hollywood-Major 'Paramount' produziert).

Auch schauspielerisch gibt es wenig auszusetzen. Zeljko Ivanek ist ein überzeugender Patient, der seine telepathischen Fähigkeiten nicht unter Kontrolle hat und dabei stets wie ein trauriger Junge wirkt, der nicht weiß, wohin mit sich oder mit seinem Leben. In der Hauptrolle agiert Kathryn Harrold kompetent, manchmal wirkt sie ein wenig zu kühl und emotionslos, um wirklich an ihr dran zu bleiben. Shirley Knight bleibt trotz weniger Auftritte als Ivaneks Mutter lange im Gedächtnis. Einen wirklichen 'Bösen' gibt es im Film nicht, das macht ihn erwachsener und reifer als viele andere Vertreter des Genres, ganz besonders in den 80ern.

Was TEUFLISCHE SIGNALE fehlt, ist ein gewisser Spaßfaktor. Seine Humorlosigkeit (lediglich ein Mitpatient, der überzeugt ist, der Vietnamkrieg sei noch im Gange, sorgt für ein paar Schmunzler), war möglicherweise ein Grund für den finanziellen Misserfolg des Films. TEUFLISCHE SIGNALE ist definitiv kein Popcorn-Kino, dazu ist er einfach zu brütend und düster. Am ehesten kann man ihn vielleicht mit den Werken David Cronenbergs (wie "Scanners", 1981, auf den auch der Titel verweist) vergleichen, an deren visionäre Qualität er dann aber doch nicht heranreicht.

Ich kann ihn jedem Horror-Fan wärmstens ans Herz legen. Er gehört zu den unterschätzten und übersehenen Genrebeiträgen seines Jahrzehnts.

08/10


Der 'Sender' kurz vor seinem Selbstmordversuch

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