Montag, 29. August 2011

Tanz der Teufel 2 (1987)

Sechs Jahre nach seinem fulminanten Einstand im Horrorgeschäft mit "Tanz der Teufel" (1981) inszenierte Sam Raimi die obligatorische Fortsetzung, behielt den Splatterlevel weitgehend bei, schraubte aber den Humorlevel hoch und erzählte im Grunde die gleiche Geschichte noch einmal, mit veränderter Figurenkonstellation.

Wieder ist es der tapsige Ash (Bruce Campbell), der in die unheimliche Waldhütte fährt, diesmal nicht mit seinen Freunden, sondern zwecks Schäferstündchen mit der Dame seines Herzens. Da die Hütte Ash nicht weiter bekannt vorkommt, darf man davon ausgehen, dass er nicht derselbe ist, der bereits im ersten Teil heftig vom Bösen geplagt wurde und wir uns in einem Remake befinden - es sei denn, Ash ist am Ende des Originals doch zu einem Höllenwesen mutiert und lockt nun neue Opfer in die Hütte, doch dem scheint nicht so zu sein. Wie gehabt bricht die unsichtbare Horror-Macht über die Hütte herein, nachdem ein Tonband abgespielt wird. Ashs Freundin verwandelt sich in ein Monster, muss waidgerecht zerlegt und bestattet werden, dreht aber sogar ohne Kopf noch gespenstische Pirouetten im Wald. Bald darauf wird Ash nicht nur von sämtlichen Einrichtungsgegenständen ausgelacht und von seinem eigenen Spiegelbild umarmt, es treffen noch weitere Gäste ein, die zum Kanonenfutter des Bösen werden. Als sich zum Finale schließlich das Tor in eine andere Dimension öffnet, scheint es für Ash keinen Ausweg mehr zu geben...

TANZ DER TEUFEL II (Evil Dead) versucht nicht mehr, neue Wege zu beschreiten, sondern schmückt die bekannten lediglich aus, mit deutlich aufgebesserten Spezialeffekten und soliderem Budget. So ist das Sequel sowohl für Fans des Originals als auch für Uneingeweihte ein großer, bunter, schräger und blutiger Spaß, der zwar nie Angst einflößt, aber zu herzhaften Lachern animiert. Der Handmade-Charme des billig produzierten ersten Teils bleibt trotz der professionellen Machart erhalten. Neben einigen Einfällen, die schon zuvor ausprobiert wurden, gibt es viele neue. So muss Ash gegen seine eigene abgetrennte Hand kämpfen, die ihm den Stinkefinger zeigt, dazu jede Menge Slapstick absolvieren (inklusive eines Saltos), und er darf sich am Ende sogar eine abgesägte Schrotflinte auf den Arm stecken, wo vorher mal seine Hand war. Damit macht sich Raimi zum Ende des Jahrzehnts noch über die Action-Ikonen des 80er-Kinos lustig. "Groovy!"

Bruce Campbell absolviert den Horror-Zirkus über weite Strecken alleine und hat ebenso viel Spaß an seiner Rolle wie Sam Raimi mit der Inszenierung. Glücklicherweise überträgt sich der Spaß auch auf den Zuschauer. Das hätte leicht schief gehen können, aber Raimi besitzt so viel Geschick und Kreativität, dass sein Film trotz aller Wiederholungen frisch bleibt. Dafür sorgen auch jede Menge kleiner Gags am Rande, wie der Buchtitel "A Farewell to Arms", der die abgetrennte Hand unter Verschluss hält, das gestickte Bild "Home, Sweet Home", das jeden Neuankömmling im Horror-Haus begrüßt, oder der fliegende Augapfel, der direkt im Mund einer Darstellerin landet. Raimi streut dazu einige Bezüge zu Klassikern des Horrorfilms wie "The Haunting" (1963) ein ("Warum drücken Sie meine Hand" - "Das bin ich doch gar nicht!") und huldigt auf der Humorebene seinen Kindheitshelden, den "Three Stooges".

Im direkten Vergleich schneidet TANZ DER TEUFEL II etwas schwächer ab als das Original, das neben allem Spaß auch wirklich furchterregend war. Beim Sequel darf der Zuschauer kreischen, lachen und sich ekeln, muss sich aber nicht fürchten. Dafür hat der Film ein derart aberwitziges Tempo, dass die knapp 85 Minuten praktisch an einem vorbeirasen.
Hierzulande wurde der Film - schon aufgrund des berüchtigten Vorgängers - natürlich "gesäubert", bevor er ins Kino kam. Die ungeschnittene Fassung ist aber mittlerweile überall erhältlich. 1992 inszenierte Sam Raimi mit "Armee der Finsternis" den dritten und letzten Teil der Trilogie, bevor er sich dem Mainstream zuwandte und zu einem der gefragtesten Blockbuster-Regisseure Hollywoods wurde.

9.5/10

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