Donnerstag, 11. August 2011

Phobia (1980)

Als der Slasher-Film in den frühen 80ern boomte, nahm sich selbst Regie-Legende John Huston des Genres an und inszenierte im stolzen Alter von 74 Jahren den Psycho-Thriller PHOBIA (Phobia), manchen vielleicht auch bekannt als "Labyrinth der Angst".
Sein fortgeschrittenes Alter aber hat nichts damit zu tun, dass der Film dermaßen uninspiriert geworden ist.


Der Inhalt klingt ebenso originell wie viel versprechend. Gefängnisinsassen und Freiwillige nehmen an einer Studie über Phobien teil. Der Psychiater Dr. Peter Ross (Paul Michael Glaser) will sie von ihren irrationalen Ängsten befreien, zu denen u.a. Klaustrophobie, Höhenangst und Panik vor Schlangen gehören. Doch ein unbekannter Killer tötet Dr. Ross' Therapie-Teilnehmer, indem er deren Ängste wahr werden lässt...

Vorne weg sei gesagt, dass John Huston mit PHOBIA zwar irgendwie auf den Slasher-Zug aufspringt, aber ein typischer Vertreter des Genres ist sein Film dann doch nicht geworden. Sämtliche Charaktere sind bereits erwachsen, der Killer verbirgt sich nicht hinter einer bizarren Maske (sondern ist einfach nicht zu sehen), es gibt auch keine langen Verfolgungspassagen oder ein Final Girl, das den Kampf gegen den Mörder aufnehmen würde. Die Identität des Killers ist dann auch relativ früh zu ahnen, weil es eigentlich nur einen einzigen Verdächtigen gibt, bzw. nur eine Figur, die überhaupt in Frage kommt. Die erläutert dann am Ende ihre hanebüchene Motivation, die mehr als lachhaft daherkommt. Sagen wir mal, beim Mörder ist selbst die eine oder andere Schraube locker.

So plätschert PHOBIA weitgehend spannungsfrei dahin, ohne jemals das Potenzial der Story zu nutzen oder wenigstens die Ansätze von Thrill zu bedienen, die hier und da zu finden sind. Horror-Veteran Jimmy Sangster hat am Buch mitgeschrieben, aber das soll in diesem Fall nichts heißen. John Hustons Regie ist quasi nicht existent, möglicherweise hat er sich selbst gelangweilt und den Job nur wegen des Honorars angenommen, man kann es ihm kaum verübeln. Dass der alte Mann noch zu guten bis großartigen Filmen in der Lage war, bewies er mit "Unter dem Vulkan" (1984) und "Die Ehre der Prizzis" (1985). PHOBIA weist einige Ähnlichkeiten mit dem 1980er Hit "Dressed to Kill" auf (ein Überfall im Badezimmer, eine U-Bahn-Panikattacke, ein Psychiater im Fadenkreuz, etc.), man sollte sich den Vergleich aber sparen, dann schneidet PHOBIA noch schlechter ab.

Die anderen Departments haben sich in die kollektive Lustlosigkeit eingeklinkt. Der Soundtrack ist belanglos, die Locations sind banal (der Film ist eine kanadische Produktion, die so tut, als sei sie in den USA entstanden), und die Darsteller spielen auf Autopilot. Das gilt besonders für Hauptdarsteller Paul Michael Glaser ('Starsky' aus 'Starsky & Hutch'), der laut Drehbuch besessen von seiner Arbeit, aber kühl und distanziert sein soll. Glasers Darstellung aber ist nur emotionslos.

Dass sich so viel geballte Langeweile an allen Fronten auch auf den Zuschauer überträgt, wen wundert's? Dass PHOBIA trotz des Regie-Namens weltweit nicht auf DVD erhältlich ist, wundert ebenso wenig. Man muss schon in alten Videotheken-Beständen graben, um ihn aufzutreiben, aber wozu die Mühe? Leider ist PHOBIA nicht einmal richtig schlecht oder gar so schlecht, dass er schon wieder gut unterhält, er ist einfach nur uninteressant. Wer sich spannende Unterhaltung zum Thema Phobien ansehen will, dem empfehle ich die Folge "Schock frei Haus" (The Fear Merchants) aus der Kultserie "Mit Schirm, Charme und Melone".

Mehr gibt es denn auch nicht zu sagen. Außer vielleicht, dass die wenigen leidlich guten Sequenzen in PHOBIA die Therapiesitzungen beschreiben, in denen die Patienten in einem finsteren Raum vor riesigen Videoleinwänden stehen, auf denen ihre Ängste filmisch dargestellt sind. Das sieht zwar eher nach Folter als nach Schocktherapie aus, aber wenn's hilft...

02/10

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