Montag, 1. August 2011

French Connection II (1975)

Die Fortsetzung von William Friedkins Meilenstein des Polizeithrillers "Brennpunkt Brooklyn" (1971) beweist, dass ein Sequel nicht immer schlechter sein muss als das Original. FRENCH CONNECTION II (The French Connection 2) verfehlt nur um Haaresbreite die Qualität des Vorgängers und ist dank John Frankenheimers Regie und Gene Hackmans erneut bravouröser Vorstellung ein ebenso sehenswertes Stück Thrillerkino wie das Original.

Zum Inhalt: Der im Vorgänger entkommene Drogenhändler Charnier (Fernando Rey) hält sich wieder in Marseille auf, wohin ihm Drogenfahnder Jim "Popeye" Doyle (Gene Hackman) folgt, um ihn gemeinsam mit den französischen Kollegen dingfest zu machen. Diese aber benutzen den amerikanischen Rüpel aber nur als Lockvogel für Charnier, welcher sogleich seine Handlanger auf Doyle hetzt, die ihn gefangennehmen und mit Heroin vollpumpen. Als die Kollegen ihn befreien können, wird er auf kalten Entzug gesetzt und macht sich - wieder genesen - auf die rücksichtslose Jagd nach Charnier, mit der nun mehrere Rechnungen offen hat...

Es war eine kluge Wahl, die Regie der Fortsetzung John Frankenheimer anzuvertrauen, denn dieser hat selbst mehrere anspruchsvolle Thriller inszeniert und steht der Detailversessenheit von William Friedkin in nichts nach. Auch sein formaler Stil ähnelt dem Regiekollegen, so dass FRENCH CONNECTION II wieder einen ultimativ authentischen Look vorweisen kann, zu dem eine Fülle von Außenaufnahmen an Originalschauplätzen (im Gegensatz zum winterlichen New York nun das sommerliche Marseille), Sprachbarrieren zwischen dem Amerikaner Doyle und den französischen Cops, sowie jede Menge "echter" Statisten und Kleindarsteller zählen, die das Bild bevölkern.

Auch dramaturgisch folgt der zweite Teil dem Original, lässt seinen Ermittler lange im Dunkeln tappen und ziellos durch die Straßen Marseilles ziehen, bis er endlich eine Spur findet, die ihn zu Charnier führt. Gene Hackman spielt seinen Doyle mit der gleichen Intensität wie zuvor. Der fehlende Roy Scheider als besonnener Gegenpol wird durch den französischen Kollegen Barthelemy (Bernard Fresson) ersetzt, was gut funktioniert, zumal sich der Film mit der Annäherung der beiden viel Zeit lässt.
FRENCH CONNECTION II bietet Gene Hackman sogar noch mehr Raum zur Entfaltung, was zu mehreren großartigen Szenen im Mittelteil führt, in denen er auf Drogen gesetzt und wieder heruntergeholt wird. John Frankenheimer hat seine Vorliebe für Paranoia und Manipulation des Individuums durch gemeingefährliche Organisationen in seinen besten Filmen "Botschafter der Angst" (1961) und "Der Mann, der zweimal lebte" (1969) bewiesen, und auch hier gehören die Sequenzen, in denen Hackmans Doyle hilflos zuerst den Drogendealen, dann den französischen Kollegen ausgesetzt ist, zu den Höhepunkten des Films. In dieser langen Passage wird der Thriller hintenan gestellt, um das Drama voll auszuspielen und den Zuschauer den Entzug Hackmans miterleben zu lassen. Leider hat der Film an dieser Stelle auch einen gewaltigen Hänger, so glänzend sie gespielt und inszeniert ist. Ein bisschen mehr Straffung hätte hier Wunder gewirkt.

Diese kleine Mäkelei soll nicht verbergen, dass FRENCH CONNECTION II eine exzellente, hochspannende und wegen ihres gnadenlosen Realismus' würdige Fortsetzung darstellt, die mühelos auf eigenen Beinen stehen kann und am Ende einen nüchternen Schlusspunkt setzt. Noch nie wurde ein Sequel aus künstlerischen Gründen gedreht, sondern immer nur wegen des finanziellen Erfolgs des Vorgängers. Man kann also froh sein, dass sich für dieses Sequel so viele Künstler zusammengefunden haben, um mehr als einen billigen Abklatsch zu fabrizieren. So sollte es eigentlich immer sein. Es ist und bleibt aber die Ausnahme.

9.5/10

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