Mittwoch, 24. August 2011

Die Wiege des Schreckens (1987)

Die Monsterbabys sind zurück, in Larry Cohens drittem und letztem Teil der Mutationen-Saga, DIE WIEGE DES SCHRECKENS (It's Alive III - Island of the Alive).

Diesmal sind nur noch fünf Kreaturen übrig. Per Gericht wird entscheiden, die gefräßigen Säuglinge auf einer Insel auszusetzen, wo sie in Freiheit leben, der Gesellschaft und Zivilisation aber keinen weiteren Schaden zufügen können. Fünf Jahre später wird der Vater eines der Killerbabys (Michael Moriarty) zusammen mit einigen Wissenschaftlern zur Insel gebracht, um zu sehen, was aus den Kleinen geworden ist. Überflüssig zu sagen, dass die Expedition in einem Blutbad endet. Unser Protagonist kann sich mit den überlebenden Mutationen auf ein Schiff retten und steuert aufs Festland zu - entschlossen, seinem Nachwuchs und dessen Gefährten den Platz in der Gesellschaft zurückzugeben, der ihnen zusteht...

Im Gegensatz zum ereignislosen Vorgänger "Die Wiege des Satans" (1978) zieht B-Film-König Larry Cohen im letzten Teil der Trilogie das Tempo deutlich an und sorgt für deutlich mehr Spaß und Ironie. So wie der gesamte Film wird auch der Gewaltfaktor cartoonhaft übersteigert, was zu einigen saftigen Splattereinlagen führt, die es so in den Vorgängern nicht gegeben hat. Auch sind die Monster hier erstmals in voller Größe zu bewundern (wobei ihre Gummianzüge nicht sonderlich überzeugend wirken). In den fünf Jahren, die sie einsam auf der Insel verbracht haben, sind sie zwar gealtert, aber nicht "erwachsen" geworden. Sie sind nach wie vor die bekannten Babys mit Glatze, Glubschaugen und Reißzähnen, nur fünfmal größer als zuvor.

Fast zehn Jahre sind zwischen dem 2. und diesem Teil vergangen. Der Grund dafür findet sich eindeutig in Cohens Absicht, die seinerzeit grassierende Angst vor AIDS und HIV-Ansteckungen zu thematisieren. Nur wenige erinnern sich noch, dass sich Mitte der 80er die HIV-Angst auf ihrem Höhepunkt befand und allerorts - auch im deutschen Fernsehen - darüber debattiert wurde, die Erkrankten aus der Gesellschaft zu "entfernen" und sie irgendwo, am besten so weit weg wie möglich, unter Quarantäne zu stellen. Ein unglaublicher Vorgang, der tatsächlich ernsthaft diskutiert wurde und heute nur fassungsloses Kopfschütteln verursacht.
Larry Cohen, der schon in den ersten Teilen die diffusen Ängste vor radioaktiver Strahlung, verseuchter Nahrung und gefährlichen pharmazeutischen Mitteln zum Hintergrund seiner Monsterfilme machte, nimmt sich in der WIEGE DES SCHRECKENS also erneut eines heißen Eisens an, wobei er es wie üblich in einen schrägen Horror-Stoff verpackt, der sicher kein Mainstream-Publikum erreicht. Dennoch beweist er, dass das Horror-Genre zu sehr viel mehr fähig ist als schreienden Jungfrauen maskierte Killer auf den Hals zu hetzen. Im stagnierenden Genre der späten 80er wirkt der Film sogar erfrischend originell. Die Szene, in der Hauptdarsteller Moriarty Sex mit einer Prostituierten hat, welche ihn danach als Vater des Monsters wieder erkennt und ihn anschreit, er solle sie nicht mehr anfassen und beim nächsten Mal vorher sagen, was mit ihm los ist, ist ein weiterer sehr deutlicher Verweis auf die 80er AIDS-Hysterie.

Michael Moriarty spielt wieder einmal unter Cohens Regie einen extrem skurrilen Helden, der sich seiner Vatergefühle zunächst schämt, dann aber zu den missratenen Bälgern steht und ihnen hilft. Anders als John P. Ryan, der in den Vorgängern die gleiche Entwicklung durchmachte, dabei aber stets ernst und unnahbar wirkte, geht Moriarty eher in die komödiantische Richtung, wie schon in Cohens "The Stuff" (1985) und "American Monster" (1982). An seiner Seite agieren alte Bekannte des Genres wie Karen Black ("Landhaus der toten Seelen", 1974), Laurene Landon ("Maniac Cop", 1988) und Gerrit Graham ("Phantom im Paradies", 1974). Die Musik Bernard Herrmanns aus den ersten beiden Teilen wurde nur für den Vorspann aufbereitet, der Rest des Soundtracks stammt erneut von Laurie Johnson.

Wirklich gelungen ist DIE WIEGE DES SCHRECKENS wegen seiner doch sehr dürftigen Baby-Masken nicht, aber für den B-Fan gibt es doch allerlei zu sehen und zu bewundern. Larry Cohen nimmt seine Filme stets ernst (selbst in den komischen Momenten) und füllt sie mit guten Ideen, auch wenn diese dann in einem teilweise bizarren Gebräu untergehen. Der Beginn der WIEGE DES SCHRECKENS ist geradezu fantastisch. Zunächst erleben wir die blutige Geburt eines Monstersäuglings in einem Taxi (hier stellt Cohen ein allzu bekanntes Versatzstück sarkastisch auf den Kopf), dann folgen die ermittelnden Detectives (darunter Cohen-Stammschauspieler James Dixon) der Blutspur des Babys bis zum Taufbecken einer Kirche. Das Baby will offenbar Gottes Segen! Diese und ähnlich groteske Einfälle machen Cohens Filme so sehenswert und ergiebig. Selbst wenn sie stellenweise lächerlich und albern wirken, sind sie doch niemals dumm und sehr leicht zu unterschätzen.

07/10

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