Montag, 22. August 2011

Die Wiege des Satans (1978)

Nach dem großen Erfolg von "Die Wiege des Bösen" (1974) ließ die obligatorische Fortsetzung immerhin vier Jahre auf sich warten. Doch obwohl Larry Cohen, der Schöpfer des Originals, sich persönlich des Sequels annahm und auch John P. Ryan wieder als Hauptdarsteller verpflichten konnte, enttäuscht DIE WIEGE DES SATANS (It Lives Again) doch auf nahezu ganzer Linie.

Am Ende des Vorgängers erfuhren wir, dass weltweit mehrere der gefräßigen Monsterbabys geboren wurden. Die Fortsetzung beginnt mit dem jungen Paar Jody (Kathleen Lloyd) und Scott (Frederic Forrest), das in Kürze Nachwuchs erwartet und nun feststellen muss, dass es sich dabei ebenfalls um eine der gefährlichen Mutationen handeln wird. Frank Davis (John P. Ryan), der im Original selbst lange brauchte, um diese Tatsache zu akzeptieren und dann hilflos zusehen musste, wie die Polizei sein Baby erschießt, hat mittlerweile eine Organisation gegründet, die den schwangeren Frauen hilft, ihre Kinder an einem sicheren Ort zur Welt zu bringen. Er versucht, das Paar zu überzeugen, sich ihm anzuvertrauen, was ihm schließlich auch gelingt. Verborgen in einer geheimen Privatklinik bringt Jody ihr Kind zur Welt. Nach einem leichtsinnigen Fehler eines Wissenschaftlers aber brechen drei der Killerbabys aus ihrer Gefangenschaft aus und gehen auf Menschenjagd...

Zu den bekannten Klängen Bernard Herrmanns, dessen Musik durch Laurie Johnson für die Fortsetzung bearbeitet wurde, weil der Komponist bereits verstorben war, beginnt DIE WIEGE DES SATANS zunächst vielversprechend mit einem hübschen Vorspann und einem mysteriösen Auftakt bei einer Party, auf der Frank Davis das Pärchen über die wahre Natur ihres Nachwuchses aufklärt. Der von John Ryan glaubwürdig gespielte Davis ist nach wie vor ein interessanter Charakter. Obwohl er nur das Beste für die Eltern und die Kinder will, indem er sie vor dem Zugriff staatlicher Autoritäten beschützt, bleibt er undurchschaubar und zwielichtig. Die Ereignisse aus dem ersten Teil sind offensichtlich nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Er könnte ebenso gut ein gemeingefährlicher Irrer sein, der das Baby unseres Paares entführen möchte. Umso mehr versteht man die Reaktion der werdenden Eltern, zumal man sich fragen muss, wie man überhaupt (sowohl als Schauspieler wie als Mensch) auf eine derartige Nachricht reagieren soll. "Ihr Kind wird ein Monster mit Reißzähnen und Glubschaugen!" Na, herzlichen Dank auch.

Leider kann Larry Cohen die anfängliche Spannung nicht nur nicht halten, der Mittelteil des Films ist tatsächlich todlangweilig ausgefallen. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Da das Sequel aufgrund seines B-Charakters schon keine besonders vorzeigbaren Production Values besitzt und eher in den Trash-Bereich gehört, muss einfach auf der Drehbuchseite mehr passieren, aber DIE WIEGE DES SATANS tritt nach der Ankunft der Protagonisten in der Geheimklinik absolut auf der Stelle. Da der Zuschauer bereits alles um die Killerbabys weiß, besteht auch auf diesem Gebiet keine Spannung mehr. Das Schockpotential und die politische Unkorrektheit des Vorgängers sind hier bereits gegeben und können nicht mehr ausgespielt werden. Die Babys sind erneut kaum zu sehen, was dem Film allerdings zugute kommt. Der Body Count bleibt ebenfalls niedrig, und die simple Jagd auf drei kleine Monster ist kaum mitreißend. Erst die letzten 20 Minuten können so etwas wie Spannung aufbauen, aber bis dahin muss man sich durch viele unnötige Dialogszenen quälen, die nie die Intensität des Vorgängers erreichen.

Das ist alles sehr schade, weil DIE WIEGE DES SATANS mehr Möglichkeiten gehabt hätte und die Darsteller durch die Bank gut spielen. In einer Nebenrolle ist übrigens 'Lemmy Caution' Eddie Constantine als Wissenschaftler zu sehen, aber das hilft - wenn überhaupt - nur dem Trash-Faktor. Überhaupt fällt es schwer, dieses Sequel ernst zu nehmen, obwohl es immer noch durchaus wichtige Fragen stellt (Akzeptieren wir die Andersartigkeit der Neugeborenen - auch wenn sie gefährlich sind -, oder sorgen wir dafür, dass sie lieber nicht geboren oder ausgerottet werden?) und eigentlich kein Trash sein möchte - anders als der dritte Teil "Die Wiege des Schreckens" (1987), der deutlich mehr schrägen Humor und Absurditäten bietet.

Letztlich kann man sich DIE WIEGE DES SATANS wegen der Schauspieler, der weitgehend soliden Regie und der wunderbaren Herrmann-Musik ansehen, aber begeistern wird er wahrscheinlich niemanden.

05/10

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