Sonntag, 7. August 2011

Die Säge des Todes (1981)

Anfang der 80er waren Slasherfilme, die mit wenig Geld viel Kasse machten, der große Abräumer. Diese Tatsache animierte Spaniens Schund- und Schmuddelfilmer Numero Uno, Jess Franco, zu dessen Schlitzer-Opus DIE SÄGE DES TODES (Bloody Moon), den ich als "Schulmädchenreport meets Halloween" bezeichnen würde. Der Film ist nicht ganz so schrottig wie viele andere Filme des Trash-Königs - aber ob das viel heißt?

Die Handlung spielt im sonnigen Spanien, auf dem Anwesen einer alten Gräfin (Maria Rubio), die an den Rollstuhl gefesselt ist und eine Sprachschule für junge Mädchen betreibt (offenbar haben junge Männer keine Ambitionen, Spanisch zu lernen). Ihr psychisch gestörter Sohn Miguel hat vor Jahren ein Mädel mit einer Schere dahingemetzelt und wird zu Filmbeginn als 'vielleicht geheilt' aus der Klapsmühle entlassen. So ganz gesund scheint er aber nicht zu sein. Wenn er gerade nicht mit seiner Schwester schlafen will, schleicht er sabbernd durch die Anlage auf der Suche nach dem Anblick nackter Brüste. Und weil Irre unheimlicher wirken, wenn sie auch physisch deformiert sind, sieht er so aus, als wäre er mit dem Gesicht voran in die Mousse au Chocolat gefallen. Die keifende Gräfin, die direkt aus Bavas "Im Blutrausch des Satans" (1971) stammt, wird alsbald fachgerecht per Bunsenbrenner entsorgt, und auch unter den Schülerinnen stapeln sich in Kürze die Leichen. Ist Miguel dafür verantwortlich? Oder doch der hübsche Spanischlehrer mit der vollen Hose?

DIE SÄGE DES TODES gehört zu den Filmen, in denen die Charaktere jemanden nicht sehen, der einen halben Meter entfernt sitzt, nur weil die Kamera ihn gerade nicht erfasst. Ja, auf diesem Intelligenzniveau bewegt sich der gesamte Schocker. Eingängige Plastik-Pop-Mukke wird an jeder passenden und unpassenden Stelle eingespielt, bis man sie garantiert nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Die darstellerischen Leistungen sind - freundlich formuliert - gewöhnungsbedürftig (wenn Mädels sich freuen, rufen sie gerne "Hey!" und schütteln die zumeist blonde Mähne), und es wird gefummelt, bis die Schwarte kracht. Eine der lüsternen Linguistikerinnen simuliert heißen Sex, in dem sie ihr Kopfkissen zerreißt und "Ja! Ja!" schreit. Die Kostüme stammen aus der "Flashdance"-Altkleidersammlung, und Jess Francos Kamera zoomt, als gäb's kein Morgen.

Die Hauptrolle in diesem Trash-Festival spielt Olivia Pascal. Die war seinerzeit ein steiler Zahn, wie man so schön sagte, bleibt aber durchweg bekleidet, ganz im Gegensatz zu ihren jungen Kolleginnen. Die machen sich gerne und ausgiebig nackig, weil diese versauten Schulmädchen (ein zugegeben doppelt gemoppelter Ausdruck in der Filmbranche, wo Schulmädchen grundsätzlich versaut sind - bis auf eine, die dann überleben darf) ohnehin keine Lust auf Sprachkurse haben und sich lieber vom tennisspielenden Gärtner Antonio durchpflügen lassen. Die US-Slasherschablone wird 1:1 kopiert, mit der Ausnahme, dass Olivia Pascal als Final Girl den Killer nicht selbst beseitigt, sondern von einem Mann gerettet werden muss. Typisch Macho-Land.

Da DIE SÄGE DES TODES auf technischer und inhaltlicher Linie nicht recht überzeugen kann, setzt er zumindest auf Gore, und zwar ordentlich. Das Blut spritzt schön dunkelrot, Brüste werden durchspießt, Leichen hängen in Plastiksäcken im Kleiderschrank, ohne dass sie jemand wahrnimmt (wieder Bava, diesmal "5 Dolls for an August Moon", 1968), ein Kind wird auf der Landstraße zu Matsch gefahren, weil es den Mörder beobacht hat (und diesem einen Tritt gegen das Schienbein verpasst), und in der schönsten Sequenz wird ein Mädel in einem abgelegenen Steinbruch von einer Kreissäge zerteilt - Ja, es ist die Säge des Todes! Diese Szene hat übrigens Spaniens Star-Regisseur Pedro Almodóvar in seinem "Matador" (1986) verewigt, wenn dort der Titelheld zu DIE SÄGE DES TODES masturbiert - und zu "Blutige Seide", 1963, dessen Plot und Auflösung hier 'geborgt' wurde.

Man wundert sich bei all den Geschmacklosigkeiten kaum über das schnell ausgesprochene Verbot des Films hierzulande. Witzig, dass ausgerechnet die BRAVO zum Kinostart noch einen dazugehörigen Fotoroman abdruckte. DIE SÄGE DES TODES ist bester Trash der 80er und sehr unterhaltsam. Wer in der Zeit aufgewachsen ist, als beschlagnahmte Filme unter dem Ladentisch gehandelt wurden und man zu Hause mit zitternden Händen die Videocassette einschob, um zu sehen, ob man die nächsten 90 Minuten übersteht, der wird an diesem Kult seine helle Freude haben.

7.5/10 (ich finde ihn super, egal, was alle sagen!)

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