Dienstag, 16. August 2011

Death Tower (1989)

Erst kürzlich verkündete ich an dieser Stelle meine Vorliebe für Filme, die in abgelegenen Landhäusern spielen. Die gleiche Zuneigung empfinde ich für Filme, die in Zügen, unter Wasser oder in Hochhäusern spielen.

Fred
Walton, der uns schon den wundervollen "Das Grauen kommt um 10" (1979) bescherte, hat offensichtlich ebenfalls eine Schwäche für Thriller mit begrenzten Schauplätzen. Sein fürs US-Kabelfernsehen produzierter Film DEATH TOWER (Trapped) spielt ausschließlich in einem soeben fertiggestellten Wolkenkratzer, einem Monster aus Stahl, Glas und Beton, mit Wohnungen (die noch nicht belegt sind), Büros und Ladenpassage.
Durch dieses Hochhaus schleicht ein Mann mit Messer und Baseballschläger, um sich an einem Chemiekonzern zu rächen, der für den Tod seines Sohnes und seiner Frau verantwortlich ist (die in einer relativ schaurigen Titelsequenz zu Hause im Lehnstuhl sitzt, während eine Küchenschabe aus ihrem Mund krabbelt).
In dieser Nacht befindet sich nur noch eine weitere Person im Gebäude, die Verwaltungsmanagerin Mary Ann Marshall (Kathleen Quinlan), die nach spätem Feierabend nun festsitzt, weil der Unbekannte alle elektronischen Eingänge blockiert hat. Ihre junge Kollegin hat der Killer bereits ermordet. Kann sich Mary Ann die ganze Nacht vor ihm verstecken? Dann bemerkt, sie dass offenbar noch jemand anwesend ist. Ein smarter Industriespion ohne Namen (Bruce Abbott) wollte nur Geheimnisse stehlen, sitzt aber nun ebenfalls in der Falle. Gemeinsam versuchen sie, lebend aus dem Gebäude herauszukommen. Ein tödliches Katz- und Mausspiel mit dem Killer beginnt...

Obwohl DEATH TOWER unübersehbare Schwächen besitzt und sicher kein Meilenstein des Thrillers geworden ist, ist mir diese Video-Premiere in den späten 80ern sofort ans Herz gewachsen. Ein düsterer Schauplatz, drei Charaktere (im wesentlichen), jede Menge unheimlicher Stille, Szenen in Fahrstühlen, Trepenhäusern und Tiefgaragen, verwaiste Geschäfte, Überwachungsmonitore und befreite Laboraffen, die durch das Hochhaus stromern, da drückt der Film bei mir genau die richtigen Knöpfe.
Dazu kommt Kathleen Quinlan, die immer gut ist, selbst wenn sie in Filmen mitspielt, die unter ihrem Niveau sind. Sie darf hier eine intelligente, reife Heldin spielen, die sich gut selbst verteidigen kann, in der Gefahr ihren Humor nicht verliert und in der Not über sich hinauswächst, zumal sie über die gesamte Technik im Haus Bescheid weiß und damit viel mehr ist als ein kreischendes Opfer, das sich vom Mann retten lassen muss. Bruce Abbott spielt diesen Mann, den "Tall Dark Stranger", der mutig genug ist, sich dem Killer in den Weg zu stellen, aber selbst beschützt werden muss.

DEATH TOWER versucht aus seiner Grundstory so viel Suspense zu holen wie möglich, und das gelingt Fred Walton ziemlich gut. Wer Action oder Special Effects sucht, ist hier falsch, DEATH TOWER funktioniert am besten in den leisen Momenten, wenn man nicht weiß, ob der Mörder gleich hinter Quinlan auftaucht, wer der Schatten auf dem Überwachungsmonitor ist, oder ob die Schritte im Treppenhaus von oben oder unten kommen (meine Lieblingsszene). Für einen Fernsehfilm ist DEATH TOWER erstaunlich effektiv, vor allem, weil er in vielen Szenen ohne Dialog auskommt und auch die Musik sich sehr zurückhält. Ebenso klug ist die Entscheidung, den Killer kein Wort sprechen zu lassen.
Sein Hintergrund (die Machenschaften des Chemiekonzerns) bleibt allerdings nur Dekoration und wird nicht weiter erforscht, was schade ist. Dafür setzt Fred Walton einen deutlichen Kommentar zum Sicherheitsbedürfnis der Menschen, die sich mit immer mehr High Tech voreinander verschanzen und doch nie sicher sind, wenn ein Mann mit Baseballschläger (= Keule) durchdreht. Dass es so etwas wie Sicherheit nicht wirklich gibt, ist kein neuer Gedanke, aber er bleibt wichtig und aktuell, gerade in Zeiten, in denen wir alle aufgrund vermeintlicher und bewusst geschürter Horror-Szenarien große Teile unserer Privatspähre opfern müssen. Man sieht, wie viel das bringt.

Kurzum: wer 'leise' Thriller-Kost ohne viel Aufwand, aber mit Atmosphäre und Suspense mag, der sollte DEATH TOWER eine Chance geben. Die Thriller-Geschichte wird hier weißgott nicht neu geschrieben, aber für altmodische Spannung im modernen Setting ist für 90 Minuten gesorgt.

07/10

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