Montag, 8. August 2011

Dead Silence (2007)

Wenn Bauchrednerpuppen anonym vor der Haustür abgelegt werden, sollte man lieber die Tür wieder schließen und so tun, als sei nichts gewesen. Holt man sie herein und macht sich womöglich noch lustig über sie, könnte es sein, dass einem bald selbst die Kinnlade herunterklappt.
So geschehen in den ersten zehn Minuten von DEAD SILENCE (Dead Silence), einem weiteren Horrorfilm der "Saw"-Erfinder James Wan und Leigh Wannell.

Besagte Puppe führt unseren Hauptdarsteller Ryan Kwanten nach dem unfreiwilligen Tod in dessen Heimatstadt 'Raven's Fair' (die wurde doch wohl nicht von unserem Edgar Allen errichtet, oder?), in welcher seinerzeit eine böse Bauchrednerin namens Mary Shaw den Kindern die Haare zu Berge stehen ließ und grausame Rache an einem Balg nahm, das es wagte, sie zu beleidigen. Daraufhin wurde sie von der versammelten Stadtgemeinde gegrillt und holt sich nun die Betroffenen und deren Nachfahren und Angehörige. Wenn sie kommt, verstummen alle Gräusche in der Umgebung. Wie kann man Mary nur zurück zur Hölle schicken? Warum benimmt sich Jamies Papa so holzschnittartig? Und warum trägt Detective Donnie Wahlberg immer einen Elektrorasierer mit sich herum?

DEAD SILENCE ist ein über weite Strecken sehenwerter Grusler, der im Gegensatz zu "Saw" nicht auf blutige Foltereinlagen setzt, sondern fast ausschließlich auf "Buh!" - und Schockmomente, von denen viele gut gelingen und das Herz ein ums andere Mal zum kurzzeitigen Stillstand bringen. Die Bauchrednerpuppe 'Billy' ist beängstigend gut designt und folgt der Tradition so vieler unheimlicher Vorgänger wie "Magic" (1976) oder dem britischen Horror-Klassiker "Dead of Night - Traum ohne Ende" (1945), mit dem alles anfing. Der künstliche, entfärbte Look des Films kann sich ebenfalls sehen lassen, und die Darsteller gehen in Ordnung. Es hilft, dass Hauptdarsteller Kwanten ein echtes Schnuckelchen ist.

Äußerst dünn dagegen ist das Drehbuch geraten. Wenn es nicht gerade Klassiker des modernen Horrors plündert (u.a. "A Nightmare on Elm Street", 1984), herrscht Leerlauf. Die Geschichte ist komplett eindimensional, überraschungsfrei und von vorne bis hinten bekannt. Jüngelchen recherchiert, kommt dem großen Geheimnis auf die Schliche und zündet die bösen Puppen an, bumms, fertig. Nebenfiguren wie der örtliche Bestatter sind nur dazu da, um wichtige Informationen zu liefern und dann schnell ins Jenseits befördert zu werden. Donnie Wahlberg als ermittelnder Cop ist vollkommen überflüssig für den Film, er trägt nichts bei, hält nur auf, und der Tick mit dem Elektrorasierer ist ein jämmerlicher Ersatz für eine Charakterisierung. Der Einfall, dass bei nahender Gefahr alle Geräusche verstummen, ist im Prinzip gut, wird aber nicht wirklich effektiv genutzt, da er immer nur stattfindet, wenn sowieso gerade weitgehend Stille herrscht.

Von Logik hält DEAD SILENCE auch nicht viel, man darf also gar nicht erst anfangen, Fragen zu stellen (übrigens, was macht unser Jamie eigentlich beruflich?), dann hört man nie wieder auf. Stattdessen sollte man sich zurücklehnen, die wirkungsvollen Erschrecker über sich ergehen lassen und den Film nach dem Genuss schnell wieder vergessen, so ist er auch gedacht. Als Wiedererweckung klassischer Universal-Horrorfilme ist er ein Schritt in die richtige Richtung, aber zwischen ihm und den unsterblichen Werken eines James Whale oder Tod Browning liegen Welten.

6.5/10

Ist das "The Game"? Nein, "Dead Silence".
Ryan Kwanten und eine von Marys Puppen.

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