Samstag, 24. September 2011

Dead of Winter (1987)

Als arbeitsloser Schauspieler ist man seines Lebens auch nicht sicher. Ständig wird man von irgendwelchen finsteren Typen für Mordkomplotte missbraucht. So schien es zumindest in den 80ern, als neben Craig Wasson ("Der Tod kommt zweimal", 1984) und Ann Dusenberry ("Lies", 1988) auch Mary Steenburgen zum Opfer hinterlistiger Fieslinge wurde.

Als junge Schauspiel-Aspirantin Katie McGovern wird Steenburgen vom skurrilen Roddy McDowall für einen Film engagiert, dessen eigentliche Hauptdarstellerin angeblich einen Nervenzusammenbruch hatte, und die Katie nun dank ihrer frappierenden Ähnlichkeit ersetzen soll. McDowall bringt sie in das verschneite Landhaus des im Rollstuhl sitzenden Jan Rubes, wo sie wie ihre Vorgängerin zurecht gemacht wird und eine Probeaufnahme auf Video gedreht wird. Bald aber dämmert es ihr, dass dieses Video nicht aus künstlerischen, sondern aus erpresserischen Absichten gemacht wurde. Sie selbst ist nur die Marionette in einem teuflischen Spiel und muss bald darauf um ihr Leben fürchten...

DEAD OF WINTER (Dead of Winter) ist das Remake eines vergessenen US-Klassikers namens "Mein Name ist Julia Ross" (1945), doch Regisseur Arthur Penn hat viel mehr Interesse daran, eine lupenreine Hitchcock-Hommage zu erzählen. Die Anspielungen an die Werke des Meisters stapeln sich geradezu. So ist Steenburgens Lebensgefährte William Russ ein Fotograf mit Gipsbein, ein Glas Milch wird die Treppe hinaufgetragen, ein Messer im Rücken sorgt für merkwürdige Verrenkungen des Opfers, und so weiter und so weiter.
Das Erkennen der Zitate macht anfangs noch Spaß, nutzt sich aber nach der Hälfte etwas ab, zumal der Film selbst dann nicht viel eigenes anbietet. Die erste Hälfte ist sehr atmosphärisch in Szene gesetzt und kann durch die guten Schauspieler, eine zurückhaltende, stimmungsvolle Filmmusik und den sorgfältigen Spannungsaufbau fesseln. Wenn dann aber der Plot zuschlägt und die überraschenden Wendungen einsetzen, die gar nicht so überraschend sind, verliert DEAD OF WINTER seltsamerweise an Fahrt und vor allem Glaubwürdigkeit.

Den Wendepunkt markiert dabei eine Sequenz, in der zwei Polizisten im Landhaus auftauchen, weil sie von der dort festgehaltenen Steenburgen alarmiert wurden. Die wird von den beiden Widersachern flugs als geisteskranke Patientin des im Rollstuhl sitzenden Psychiaters ausgegeben, woraufhin die Polizisten ihm umgehend glauben und Steenburgen in der Todesfalle alleine lassen. Mary Steenburgen muss sich in dieser Situation so himmelschreiend dämlich verhalten (sie kreischt hysterisch und kann keinen geraden Satz sagen), dass man sich fragt, ob der tiefe Winter ihr Gehirn eingefroren hat. Es wäre ein leichtes für sie, jemanden zu verletzen oder sich auf andere Art aus dem Haus schaffen zu lassen. Das Motiv des eingesperrten Opfers, das auf Hilfe wartet, wurde in vielen Filmen aufgearbeitet ("Der Fänger", "Misery", "Das düstere Haus"), und in den meisten Fällen wird das Opfer wohlweislich von der Polizei ferngehalten. Diese Begegnung in DEAD OF WINTER ist so schwach und klischeebleaden (besonders für einen Film von 1987), dass sie fast den gesamten Film hinunterzieht.

Danach folgen zwar einige gelungene Verfolgungsszenen, in denen Steenburgen um ihr Leben rennt, da aber ihr Widersacher (wie gesagt, im Rollstuhl!) kaum laufen kann, ist das alles ziemlich absurd. Auch Steenburgens Fluchtversuch während eines Schneesturms muss scheitern, weil sie sich einfach zu blöde verhält und über meterhohe Schneewehen kriecht, anstatt einfach zur Straße zu laufen. Der Hintergrund der ganzen Intrige, der mit einer Mörderin, deren Zwillingsschwester (beide ebenfalls gespielt von Mary Steenburgen) und dem erpresserischen Doktor zu tun hat, ist nicht besonders überzeugend und wird zudem so vage aufgelöst, dass man ihn gleich nach dem Film wieder vergessen hat.

Nichtsdestotrotz kann DEAD OF WINTER über weite Strecken gut unterhalten, das liegt neben den verschneiten Sets und der effektiven Grusel-Atmosphäre vor allem an der wundervollen Mary Steenburgen, die wie immer glaubwürdig ihre insgesamt drei Rollen spielt. Roddy McDowall gibt hier den Anthony Perkins-Verschnitt inklusive Stottern und sorgt für mehr Schmunzler als Grauen, es macht aber immer Freude, ihm zuzusehen. Jan Rubes ist als Gegenspieler von Steenburgen nicht bedrohlich genug und erinnert seltsamerweise zu oft an Patrick Magees Darstellung in "Uhrwerk Orange" (1975). Schreibt er deswegen in einer Szene ein Autogramm für Malcolm MacDowell? Man weiß es nicht.

Für einen Film von 1987 ist DEAD OF WINTER angenehm ruhig erzählt und muss schon damals altmodisch gewirkt haben, möglicherweise ist er deswegen so unbekannt. Es ist zwar merkwürdig, dass ein Regisseur wie Arthur Penn, der immerhin das amerikanische Kino mit innovativen Filmen wie "Bonnie & Clyde" (1967) erneuerte, hier lediglich einen Thriller von klassischem Zuschnitt hinlegt, aber auf der anderen Seite, warum nicht?
Das Kino der späten 80er war ohnehin nicht für Innovationen geeignet. Im Gros der übertriebenen Action-Kracher, die zu jener Zeit die Kinos überschwemmten, wirkt DEAD OF WINTER wie ein Fremdkörper. Man sollte ihn am besten im tiefsten Winter sehen, wenn es draußen schneit und das Kaminfeuer flackert (eine Kerze tut's auch), man könnte aber auch gleich zu "Misery" greifen, der insgesamt doch wesentlich besser und inhaltlich ergiebiger ist als dieser "Frau in Not"-Thriller.

07/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...