Donnerstag, 4. August 2011

Das Kloster zum heiligen Wahnsinn (1984)

Ein Tiger im Nonnenkostüm, ein zerstochenes Herz und eine Diva im Abendkleid verspricht das Plakat, und das sind die Zutaten von Pedro Almodóvars drittem Spielfilm DAS KLOSTER ZUM HEILIGEN WAHNSINN (Entre Tenieblas / Dark Habits), in dem der spanische Regisseur die organisierte Religion in den Städten unter die Lupe nimmt.


Die Nachtclubsängerin Yolanda (Cristina Sanchez Pascual) flieht nach dem Drogentod ihres Lovers vor der Polizei und taucht in einem Kloster unter. Die Nonnen nehmen sie nur zu gern auf, weil das Kloster seit langem mehr oder weniger verwaist ist. Die Ordensschwestern sind aber alles andere als fromm. Die Mutter Oberin (Julieta Serrano) ist eine ebenfalls drogensüchtige Lesbe, die mit dem Verkauf des Mobiliars ihre Drogenkäufe finanziert. Um das Kloster vor dem finanziellen Ruin zu retten, erwägt sie, ins Drogengeschäft einzusteigen und als Kurier tätig zu werden. Schwester Chaos (Carmen Maura) hält sich einen Tiger und hat einen Putzfimmel, Schwester Straßenratte (Chus Lampreave) schreibt unter einem Pseudonym erotische Liebesromane, und Schwester Kot (Marisa Paredes) frönt der Selbstgeißelung.

DAS KLOSTER ZUM HEILIGEN WAHNSINN folgt keiner klassischen Handlung und kann höchstens einen rudimentären Plot vorweisen, stattdessen betrachtet Almodóvar die Ordensschwestern und ihre skurrilen Macken mit Biss und Leichtigkeit. Erstaunlicherweise bleibt seine Satire dabei stets freundlich, anders als im späteren "Kika" (1992). Die herzlichen Nonnen sind mit Wärme und Liebe gezeichnet.

Der Kloster-Alltag widerspricht dabei so ziemlich jeder Darstellung, die man jemals in einem Film über Nonnen gesehen hat, und natürlich verzichtet Almodóvar auf jede Klischees von "witzigen Nonnen" (auf Skateboards oder beim Fußball), die man aus Hollywood-Produktionen (oder heimischen TV-Serien wie "Um Himmels Willen") kennt. Seine Gottesdienerinnen kiffen, spritzen, laufen über zerbrochnes Glas und geraten in Ekstase, wenn man ihnen Putzmittel schenkt. Sie versuchen zu überleben und ihren Platz im Leben und der Gesellschaft zu finden. Sie träumen von der "guten alten Zeit", als das Kloster "voller Prostituierter, Drogensüchtiger und Krimineller war", die bei ihnen Schutz suchten. Sie beschäftigen sich alle mit sich selbst, weil ihnen die eigentliche Aufgabe abhanden gekommen ist. Ihre Sehnsüchte und Obsessionen aber sind allesamt höchst menschlicher Natur.
Almodóvar
verweist auf die großen Hollywood-Melodramen wie "Mildred Pierce" (1945) und die tragischen Frauen der Filmfabrik wie Marilyn Monroe, deren Poster im Büro der Mutter Oberin hängen.

Am Ende müssen sich die Nonnen nach neuen Aufgaben und Herausforderungen umsehen, einige werden ihr Kostüm endgültig ablegen. Die Gesellschaft und die Zeiten haben sich geändert. Für Glauben ist noch Platz, aber den organisierten Glauben braucht man höchstens zur Missionierung in Afrika.
Fans des Regisseurs können sich über ein Wiedersehen mit Carmen Maura, Marisa Paredes, Julieta Serrano und Chus Lampreave freuen. Auch die junge Cecilia Roth ("Alles über meine Mutter", 1999) hat einen kurzen Auftritt. Es gibt Musicalnummern, schrille Dekors, Almodóvar und sein Bruder Agustin spielen ebenfalls kurz mit, und obwohl der Film kein herausragendes Werk ist, bleibt er durchweg sehr unterhaltsam. Tipp!

08/10


Marisa Paredes und Carmen Maura im Nonnengewand

Kommentare:

  1. Oh ja! Klasse Film! Selten hab ich den Begierden, denen die Katholiken unter ihren Sutanen frönen, so gerne zugeschaut! Das Nacht-Stück zu dieser Komödie ist dann La Mala Educatión...

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  2. Da gibt es auch keine fröhlichen Nonnen mehr... Liebe Grüße!

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