Montag, 1. August 2011

Brennpunkt Brooklyn (1971)

BRENNPUNKT BROOKLYN, besser bekannt unter dem Originaltitel "The French Connection" gehört zu den großen amerikanischen Klassikern des Polizeifilms und des 70er Jahre Kinos. Beeinflusst von der französischen Nouvelle Vague inszenierte William Friedkin einen ultra-realistischen, knallharten und mitreißenden Thriller, der heute noch als Standard des Genres gewürdigt wird.

BRENNPUNKT BROOKLYN erzählt von Drogenfahnder Jim "Popeye" Doyle (Gene Hackman), der mit seinem Partner Russo (Roy Scheider) hinter Drogenboss Charnier (Fernendo Rey) her ist, welcher von Marseille aus sein internationales Syndikat leitet (daher die 'French Connection').
Friedkins Film beschreibt dabei in allen Einzelheiten und mit unglaublicher Detailfülle die mühsame Arbeit der Polizisten, von stundenlangen Observierungen über die quälende Befragung von Zeugen und Informanten bis zur Überprüfung eines Wagens, in dem sich Drogen befinden sollen, welche aber selbst nach totaler Zerlegung des Gefährts nicht auffindbar sind. Als ein Mordanschlag auf Doyle verübt wird, nimmt er den Kampf gegen Charnier persönlich und überschreitet dabei auch das Gesetz. In einer Fabrikanlage kommt es zum ultimativen, schicksalhaften Showdown...

Gene Hackmans Doyle ist dabei ein seltsamer Charakter, aufbrausend und unbeherrscht, prügelnd und saufend, alles andere als ein strahlender Held und mit Sicherheit kein Vorbild für den Polizeinachwuchs - ganz besonders nicht, wenn er einem Flüchtenden in den Rücken schießt. Weder glorifiziert der Film ihn, noch sucht er nach Entschuldigungen. Doyle ist so, wie er ist. Gene Hackman, der mit BRENNPUNKT BROOKLYN seinen Durchbruch feierte (nachdem James Caan und Steve McQueen absagten), spielt diesen Doyle mit unglaublicher Überzeugungskraft und stets unberechenbar. An seiner Seite agiert Roy Scheider nicht minder eindrucksvoll als besonnener Partner, der den Kollegen immer wieder zur Ordnung rufen muss.

Regisseur William Friedkin stand noch am Beginn seiner Karriere. Wie viele der Erneuerer Hollywoods war er ein Liebhaber des französischen Polizeifilms und der Nouvelle Vague, weswegen er BRENNPUNKT BROOKLYN durchweg an Originalschauplätzen gedreht hat und so viel Straßenatmosphäre einfängt wie möglich. Sein Film atmet mit jeder Pore das New York der frühen 70er. Nichts ist gelackt, und nüchtern schaut Friedkin (und schauen wir) den Cops bei der Arbeit über die Schulter.
Das Herzstück des Films ist eine Verfolgungsjagd, in der Gene Hackman einer gekaperten Hochbahn quer durch die Stadt nachjagt und dabei alles zu Schrott fährt, was ihm in die Quere kommt. Diese atemberaubende Sequenz ist in die Filmgeschichte eingegangen und konnte seitdem nie getoppt werden (versucht haben es viele). Es ist nicht einmal die Materialschlacht, die hier so packt, sondern die perfekte Inszenierung und Kameraarbeit, bei der man sich als Zuschauer mitten im Geschehen befindet und kaum Luft bekommt.

BRENNPUNKT BROOKLYN erhielt 5 Oscars in allen wichtigen Kategorien (Film, Buch, Regie, Darsteller und Schnitt) und räumte dazu noch haufenweise weitere Preise ab. Er gehört für viele zu den 100 besten amerikanischen Filmen aller Zeiten und wird immer noch genannt, wenn es um die Maßstäbe des Genres geht. Ein Film wie BRENNPUNKT BROOKLYN ist im heutigen Kino unvorstellbar - wegen der Zeit, die er sich nimmt, wegen der Recherchearbeit, die Eingang in alle Bereiche des Films fand, wegen des dokumentarischen Looks und wegen der losen Dramaturgie, die manchmal wichtige Informationen und Ereignisse überspringt oder dem Zuschauer vorenthält. So entsteht ein filmisches Puzzle, das exakt der Arbeit von Doyle und Russo entspricht.
Ein Meisterwerk der 70er für alle folgenden Generationen.

10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...