Mittwoch, 10. August 2011

52 Pick Up (1986)

John Frankenheimer, Spezialist für düstere Polit-Thriller, inszenierte 1986 mit 52 PICK UP (52 Pick Up) eine Adaption des gleichnamigen Kriminalromans von Elmore Leonard, der auch am Drehbuch mitschrieb. Herausgekommen ist ein spannender, aber für seine Zeit ungewöhnlich rauer und dreckiger Thriller voller unsympathischer Charaktere, der aber nichtsdestotrotz - oder gerade deswegen - zu fesseln weiß.

Der stets verlässliche Roy Scheider spielt den erfolgreichen Industriellen Harry Mitchell, der mit einer schönen Frau (Ann-Margret) verheiratet ist, die für ein wichtiges politisches Amt kandidiert und sich gerade keinen Skandal leisten kann. Dumm nur, dass Harry sie seit längerem mit einer jungen Blondine (Kelly Preston) betrügt, die nun in die Hände von Erpressern gefallen ist. Diese zeigen Harry ein Video, auf dem die Ermordung seiner Geliebten zu sehen ist und verlangen Schweigegeld. Da Harry aus verschiedenen Gründen nicht zur Polizei gehen kann, entwickelt er selbst einen gefährlichen Plan, die Gangster auszuschalten und heil aus der Sache herauszukommen. Wirklich heil aber kommt hier niemand aus der schmutzigen Geschichte...

52 PICK UP wurde von der Cannon Group produziert, die in den 80ern für viele B- und C-Actionfilme, aber auch für einige wenige hochklassige Werke (wie "Runaway Train", 1985) verantwortlich war. 52 PICK UP ist von beidem etwas. Hervorragend besetzt und schnörkellos von Regie-Veteran Frankenheimer inszeniert, suhlt sich der Film auffällig im Sleaze- und Exploitation-Bereich. Schon die frühe Passage mit dem Snuff-Video (die Live-Ermordung der Geliebten) macht klar, dass es sich hier nicht um einen gelackten Hochglanz-Thriller handelt, sondern etwas weitaus realistischeres und abgründigeres.

So muss Roy Scheider in die Unterwelt abtauchen, um an die Gangster zu kommen, in die Welt von Pornos, Peep-Shows und Drogen, wo er u.a. auf Vanity trifft, die vielen Kindern der 80er noch als 'Prince'-Gespielin und Protegé in Erinnerung ist. Sie arbeitet in 52 PICK UP als Nacktmodell in einem billigen Sex-Shop und geht für den richtigen Preis auch mit den Kunden ins Bett. Der Drahtzieher der Erpressung wird von John Glover (wie immer im Overacting-Modus und stolz darauf) derart schmierig dargestellt, dass der Zuschauer ihm sofort den Tod an den Hals wünscht, obwohl Roy Scheider durchaus nicht dem klassischen Hollywood-Helden entspricht und seine Methoden, mit den Erpressern umzugehen, ebenso hinterhältig und brutal sind wie deren Versuche, an das Geld zu kommen. Gleichzeitig bewundert man ihn für den Mut, sich nicht auf die Forderungen einzulassen und stattdessen Zwietracht unter den Erpressern zu säen, die sich daraufhin gegenseitig an die Kehle gehen.

Ann-Margret als Scheiders Ehefrau ist die einzig Unschuldige in dem bösen Spiel und muss folgerichtig ein schlimmes Schicksal erleiden, wenn die Gangster sie kidnappen und mit Drogen vollpumpen - ein Einfall, den Frankenheimer bereits in "French Connection II" (1975) erfolgreich eingesetzt hat.
Der Ehebruch mit mörderischen Folgen wurde kurz später in Adrian Lynes Mainstream-Schocker "Eine verhängnisvolle Affäre" (1987) zum Welterfolg. 52 PICK UP hingegen war kein Hit. Zu roh und rotzig ist der Film für ein großes Unterhaltungspublikum. Umso besser funktioniert er für Zuschauer, die harte und bissige Thriller im Hardboiled-Stil wie "Rattennest" (1955) mögen. Nach dem Film hat man irgendwie das Gefühl, duschen zu müssen. Zum Abendessen möchte man keinen der Akteure bei sich zu Hause haben. Deswegen bleibt er ein Geheimtipp.

08/10


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