Freitag, 30. Juli 2010

Untreu (2002)

UNTREU (Unfaithful) ist eine Neuverfilmung des französischen Films "Eine untreue Frau" (1968) und lebt von zwei Dingen - der hervorragenden Regie von Adrian Lyne, der wie immer und größten Wert auf Details legt und ein großartiges Gespür für Timing, Rhythmus und Spannung besitzt - und von Diane Lane, die ihre Rolle mit Würde, Charakter, Sex-Appeal und Herz spielt.
Überhaupt muss man sagen, dass dies eine Rolle ist, wie es sie für Hollywood-Darstellerinnen kaum noch gibt - eine reife Frau, die ihre eigenen Entscheidungen trifft, unabhängig von Moral und Prüderie. In diesem Fall zieht das zwar dramatische Konsequenzen nach sich, aber der Film vermeidet es, sie für ihre Untreue zu " bestrafen" und geht sehr sensibel mit dem immer noch prekären Thema um. So wird ihre Affäre auch nicht durch Schwierigkeiten in der Ehe begründet, wie es andere Filme machen würden. Der Film bettelt nicht um Verständnis für das Handeln der Figuren, er zeigt es einfach. Die Anziehung, die zwischen Lane und Martinez ausgeht, bewegt sich jenseits ihres Familienlebens, das im Grunde glücklich ist. Es ist eine Begegnung, bei der die Funken sprühen, und die uns allen jeden Tag passieren kann.
Ebenfalls positiv zu vermerken wäre, dass Richard Gere sich hier widerstandslos unterordnet und die zweite Geige spielt, und das macht er äußerst zurückhaltend und seriös. Der Film verlangt von ihm, einen wirklichen Charakter zu spielen, nicht nur mit seinem Starruhm zu kokettieren, und es ist immer wieder schön, zwischendurch festzustellen, dass Gere auch spielen kann. Olivier Martinez hingegen ist so sexy, dass man es kaum aushält, auch wenn er kaum charakterisiert wird. Er ist hier lediglich Lustobjekt, und das funktioniert perfekt.

Über den Inhalt des Films sei hier nicht zuviel verraten, da er nach der Hälfte mit mehreren überraschenden Wendungen spielt, die kaum vorhersehbar sind (zumindest wenn man das Original nicht kennt). Auch das Ende ist angenehm ambivalent. Insgesamt lohnt sich das Ansehen von UNTREU für alle, die gutes Schauspielkino mögen und keine Angst vor Sexszenen haben. Die werden natürlich in einem Lyne-Film praktisch erwartet und sind hier äußerst originell und geschmackvoll.

08/10

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