Sonntag, 31. Juli 2011

Leben und Sterben in L.A. (1985)

Nach seinen finanziellen Misserfolgen mit künstlerisch gelungenen Filmen wie "Atemlos vor Angst" (1977) und "Cruising" (1981) konnte Regisseur William Friedkin mit dem Cop-Thriller LEBEN UND STERBEN IN L.A. (To Live and Die in L.A.) noch einmal einen Hit landen und einige Kritiker begeistern.

Es sollte sein bis heute letzter großer Erfolg werden.

Der Inhalt: Kurz vor seiner Pensionierung wird Jim Hart, Agent des US Secret Service (Michael Greene), erschossen, als er das Versteck des gesuchten Geldfälschers Eric Masters (Willem Dafoe) aufspürt. Harts Partner und bester Freund Chance (William Petersen) schwört blutige Rache und setzt mit dem neuen Partner Vukovich (John Pankow) alles daran, Masters zur Strecke zu bringen. Dafür greift er auch zu illegalen Methoden. Es folgen Autoverfolgungsjagden, Messerstechereien, Prügeleien und Schießereien, bis der Fall eine drastische Wendung erfährt...

LEBEN UND STERBEN IN L.A. steht formal und inhaltlich ganz im Zeichen der seinerzeit überpopulären TV-Serie "Miami Vice". Ein kultiger 80er-Soundtrack der britischen Pop-Band 'Wang Chung' untermalt effektiv die gestylten Bilder in Neonfarben, mit malerischen Sonnenunter- und -aufgängen über der Metropole und den Ansichten einiger weniger schöner Stadtteile, in denen sich Cops und Verbrecher ein mörderisches Katz- und Mausspiel liefern. Regisseur William Friedkin ist bekannt für die exzellente Nutzung von Locations, die seinen Filmen einen authentischen Look verpassen, und er ist bekannt für Autoverfolgungen, hat er doch in "The French Connection" (1971) eine der besten aller Zeiten auf die Leinwand gebannt. Die ausufernde Jagd in LEBEN UND STERBEN IN L.A. erreicht zwar nicht die selbst gesetzte Marke, kann sich aber dennoch mehr als sehen lassen.

LEBEN UND STERBEN IN L.A. schildert einen zunächst klassischen Ablauf, bei dem sich die Ermittler immer mehr in den Fall hineinsteigern und schließlich auch Recht und Gesetz ignorieren. Im letzten Drittel wird man als Zuschauer dann unvorbereitet mit einem dramatischen Haken konfrontiert, der nicht leicht zu verdauen ist (der Titel deutet es an). Hier verabschiedet sich Friedkins Film von jeder Konvention und wird komplett unvorhersehbar. Er endet schließlich mit einer Szene, die weniger zynische Pointe als eine konsequente Weitererzählung darstellt, und die er in "Cruising" lediglich andeutete. Die moralische Grauzone, in der sich alle Figuren bewegen, erinnert nicht von ungefähr an die Filme Fritz Langs, die William Friedkin bekanntermaßen bewundert (Friedkin führte ein ausführliches Interview mit Lang kurz vor dessen Tod).

Neben den glänzend umgesetzten Actionsequenzen sind es aber vor allem die Charaktere und ihre Darsteller, die den Film über den Durchschnitt heben. William Petersen, später bekannt als Chefermittler des Original-"CSI", trägt seinen coolen, abgewichsten Adrenalin-Junkie (der in seiner Freizeit gern mit Bungeeseil von Brücken springt) mit den riesigen Sonnenbrillen, hochgestellten Polo-Kragen und knackigen Jeans zwar etwas dick auf, doch bleibt er durchweg glaubwürdig als abgründiger Cop in bester Film Noir-Tradition, der selbst mit einem Bein auf der falschen Seite steht, Menschen gnadenlos für seine Zwecke manipuliert und zu keiner echten emotionalen Bindung fähig ist.
Sein Gegenspieler ist Willem Dafoe, und dem muss man nicht sagen, wie man einen charismatischen Kriminellen spielt, das macht er besser als jeder andere. Interessanterweise widmet Friedkin seinem Bösewicht fast ebenso viel Filmzeit wie den Cops, so dass dieser nie zum Abziehbild verkommt. In einer Nebenrolle als Handlanger Dafoes zeigt John Turturro eine wie immer grandiose Leistung. Frauen sind hier kaum mehr als Dekoration, dies ist ein testosteronhaltiger Männerfilm durch und durch.

Dass LEBEN UND STERBEN IN L.A. nicht ganz mit den großen Klassikern des Genres mithalten kann, liegt an einigen Längen und der stets distanzierten Haltung Friedkins zu seinen Figuren und zum Publikum. So brillant die Set Pieces auch inszeniert sind - es dürften bei einer stattlichen Lauflänge von knapp zwei Stunden deutlich mehr sein. Die beste beschreibt übrigens detailliert die Arbeit von Dafoe, der Gerüchten zufolge eigens von einem verurteilten Geldfälscher angeleitet wurde.
Nichtsdestotrotz gehört Friedkins Film zu den sehenswertesten Beiträgen des 80er Action-Kinos und wirkt heute zwar nostalgisch, aber immer noch frisch.

08/10

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