Donnerstag, 21. Juli 2011

Hellraiser III - Hell on Earth (1992)

Der mit Spannung erwartete HELLRAISER 3 (Hellraiser 3) wurde von den Horror-Fans wohlwollend aufgenommen und gilt als passable Fortsetzung. Waren die beiden Kult-Vorgänger noch britischer Herkunft, ist dieses Sequel eine reine US-Produktion, was man sowohl der Erzählform als auch den Darstellern anmerkt. Im Gegensatz zu "Hellraiser" (1987) und "Hellbound" (1988) ist HELLRAISER 3 ein reines Mode-Produkt mit unterhaltsamer Oberfläche, aber ohne jeden Tiefgang.

Pinhead (Doug Bradley), der nagelköpfige Anführer der Zenobiten, sitzt zu Beginn des Films in einer steinernen Säule fest, die der Disco-Besitzer J.P. Monroe (Kevin Bernhardt) in einer düsteren Galerie kauft und in seinem Luxus-Apartment aufstellt. Ein paar Spritzer Blut genügen, um Pinhead lebendig werden zu lassen. Um sich aber gänzlich aus der Säule zu befreien, braucht er noch mehr Blut, und das soll ihm Monroe beschaffen. Die eifrige Journalistin Joey (Terry Farrell) kommt der Höllen-Skulptur bald auf die Spur, doch da hat Pinhead dank neuer Opfer schon einen Weg in die Freiheit gefunden und wandelt mit seinen Gefährten durchs nächtliche New York, um die Hölle auf Erden auferstehen zu lassen...

Beschrieben die beiden Vorgänger noch surreale Alptraumszenarien in geheimnisvollen Zwischenwelten, spielt HELLRAISER 3 vollständig in der Realität, und die Zenobiten sind lediglich monströse Killer, die ein Massaker in der Disco verursachen und dann die Stadt New York terrorisieren, welche aufgrund von Budget-Beschränkungen ziemlich menschenleer wirkt. Das Drehbuch von Peter Atkins, der schon das Buch zu "Hellbound" verfasste, läuft nach einem klassischen Schema ab, nach dem die junge Heldin Joey dem Geheimnis auf die Spur kommen und schließlich die Monstren und Mutationen per Puzzlebox zurück in die Hölle schicken muss. Wirkliche Überraschungen gibt es nicht, abgesehen von Joeys Kindheitstrauma, das sich in der Gegenwart einlöst, und der Vorgeschichte von 'Pinhead', die hier noch ausführlicher erzählt wird als im Vorgänger. Platzte gerade "Hellbound" vor Ideen noch aus allen Nähten, wirkt HELLRAISER 3 nahezu brav und bieder von der Erzählstruktur, dazu gehören auch sehr ausführliche Dialogszenen, in denen nichts Übernatürliches passiert.

Die Schauspieler agieren professionell auf 'Melrose Place'-Niveau und sind in den meisten Fällen sehr hübsch anzuschauen. Neben Hauptdarstellerin Terry Farrell, die später in TV-Serien wie "Deep Space Nine" oder "Becker" mitspielte, zeigen Paula Marshall als attraktiver Abschaum Terri und der muskelbepackte Kevin Bernhardt als egomanischer Disco-Besitzer Monroe die unterhaltsamsten Leistungen und haben viel Spaß mit ihren Rollen. Die Spezialeffekte sind zumeist gelungen, und einige Set Pieces wie das Disco-Massaker oder der Tod von Monroes One-Night-Stand sorgen dafür, dass der Film durchweg unterhaltsam bleibt, zumindest über weite Strecken. Echte Spannung stellt sich leider selten ein, und das Finale fällt enttäuschend aus, auch wenn die Schluss-Pointe nett gesetzt wird. Eine wirkliche Suspense-Sequenz gibt es weit und breit nicht, und das Auftauchen der Zenobiten in der Realität lässt einiges von ihrer Wirkung verpuffen - nennen wir es das "Nightmare 2"-Syndrom.

Was bleibt sind noch einige schwarzhumorige Oneliner von Pinhead (s.u.) und die hervorragende Musik Christopher Youngs, die aus den Vorgängern recycelt wurde, ohne den Komponisten im Vorspann zu nennen. Er taucht lediglich im Abspann als "Additional Music" auf, dabei stammen 90 % des Scores von ihm. Wie sehr HELLRAISER 3 dem aktuellen Trend hinterher hechelt, statt eine eigenständige Vision zu bieten, zeigt sich spätestens beim Abspann, der von einem grauenvollen Motörhead-Song begleitet wird. Schnell weg, kann ich da nur sagen.

Alles in allem bietet HELLRAISER 3 temporeiche, kurzweilige Unterhaltung mit einigen Highlights, lässt aber gegen Ende reichlich nach und gerät schnell in Vergessenheit. Nach dieser Fortsetzung folgte lange nichts, dann kam "Hellraiser 4 - Bloodline" (1997), der aufgrund von Studio-Einmischungen so verunstaltet wurde, dass Regisseur Kevin Yagher seinen Namen zurückzog und das beliebte Pseudonym Alan Smithee wählte. Dementsprechend unansehbar ist auch der Film. Alle weiteren Sequels wurden direkt für Video und DVD produziert.

Bester Dialog:
J.P. Monroe (beim Anblick von Pinhead): "Jesus Christ!"
Pinhead (trocken): "Not Quite."

07/10

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