Sonntag, 17. Juli 2011

Hellbound - Hellraiser II (1988)

Für die Fortsetzung von "Hellraiser" (1987) schreib der Brite Clive Barker zusammen mit Peter Atkins das Drehbuch, die Regie aber übernahm Tony Randel. Die alte Regel, dass ein Sequel nie so gut wie das Original sein kann, wird von HELLBOUND - HELLRAISER II (Hellbound) scheinbar nicht bestätigt, denn der Film wird von vielen Fans mehr geliebt als das Original. Zweifellos ist HELLBOUND ein beeindruckendes Horror-Spektakel voller Ideen, doch unter allem Bombast wird leider auch die dünne Handlung begraben.

Die einzige Überlebende des Originals, Kirsty Cotton (wieder Ashley Laurence), befindet sich mittlerweile in einem Sanatorium, weil ihr niemand die haarsträubende Geschichte der Zenobiten glaubt. Aus dem Jenseits erhält sie Hilferufe ihre Vaters, doch was kann sie tun? Ihr Psychiater Dr. Channard (Kenneth Cranham) gibt sich verständnisvoll, in Wahrheit aber will er die Geheimnisse um die magische Puzzlebox und das Tor zur Hölle selber ergründen. Zu diesem Zweck erweckt er Kirstys Stiefmutter Julia (wieder Clare Higgins) zu neuem Leben, indem er einen psychisch Gestörten aus seiner Klinik opfert. Als moderner Frankenstein kümmert er sich um die Regeneration seiner Kreatur, die ihm dafür die Welt der Hölle zeigen soll. Das tut sie auch, und bald schon finden sich alle Beteiligten in einem Labyrinth des Schreckens wieder, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint...

HELLBOUND beginnt nach einer Montage der Höhepunkte des ersten Teils mit Christopher Youngs bombastischem Soundtrack, der von den Münchner Symphonikern so überwältigend eingespielt wurde, dass einem schon während des Vorspanns Hören und Sehen vergeht. Auf gleichem Niveau bewegt sich auch der Rest des Films. HELLBOUND ist - anders als sein atmosphärischer Vorgänger - eine große Oper voller gequälter Existenzen, Wahnsinn und Blut. Kein Wunder, dass der Film überall großen Anklang fand. Wie eine Karnevalsattraktion liefert er einen Schauwert nach dem nächsten, reiht eine spektakuläre Sequenz an die andere und übertrifft sich mehrfach selbst mit blutrünstigen, bizarren Set Pieces. Unterhaltsam ist HELLBOUND ohne Frage von vorne bis hinten.

Was fehlt, ist Substanz. Der hauchdünne Plot verabschiedet sich spätestens nach der Hälfte der Laufzeit komplett, stattdessen wird viel im Labyrinth der Unterwelt herumgeirrt und jede vormals bestehende Logik außer Kraft gesetzt. Mit Kenneth Cranham als machtgierigem Anstaltsleiter baut HELLBOUND eine Figur ein, die anfangs hochgradig interessant ist, später aber zu einer Freddy Krueger-Figur verkommt, die zu jedem Ereignis einen zynisch-makaberen Kommentar auf Lager hat ("Der Doktor empfiehlt - Amputation!"). Auf die gleiche Schiene wird auch Ober-Zenobit 'Pinhead' (Doug Bradley) gesetzt, der im Gegensatz zu seinem düsteren Auftritt in "Hellraiser" nun als eine Art Sympathieträger fungiert.
Und so überzeugend die Spezialeffekte über weite Strecken sind, so enttäuschend wirkt letztlich HELLBOUNDS Version der Hölle, eine graue Matte-Zeichnung mit viel Pappmaché, Gängen und Lightshow. Da zeigen sich schnell die Grenzen des Budgets.
So schaut man zwar staunend, aber doch relativ unbeteiligt zu, wie sich alle Anwesenden gegenseitig in Stücke reißen, und wieder ist es unser "Good Girl" Kirsty Cotton, das gemeinsam mit der taubstummen Tiffany (Imogen Boorman) den Tag retten muss.

Das klingt nach viel Kritik, aber die pure Fülle von originellen Einfällen macht es dem Zuschauer sehr leicht, die Schwächen zu übersehen. Zu den Highlights zählen Julias Auferstehung nach einem herrlich blutigen Wrestling-Fight mit einem Zwangsneurotiker im Keller des Channard-Hauses, das Wiedersehen mit Julias Lover Frank (Sean Chapman), der sich dieses Mal sogar an die arme Kirsty heranmacht, sowie das Öffnen der Höllentore durch die taubstumme Patientin Tiffany (Imogen Boorman) mit Hilfe der Puzzlebox, die mittlerweile zum Souvenir der "Hellraiser"-Filme geworden ist. Und man erfährt ein wenig von der Vorgeschichte unserer geliebten Zenobiten.

HELLBOUND ist ein grandioses Spektakel um des Spektakels willen, nicht mehr und nicht weniger. Der Film war weltweit ein großer Erfolg und genießt einen ausgezeichneten Ruf. Die deutsche Fassung war übrigens so stark gekürzt, dass man dem ohnehin schon etwas konfusen dritten Akt kaum noch folgen konnte. Der Nachfolger ließ natürlich nicht lange auf sich warten. "Hellraiser III" (1992) konnte sich zwar insgesamt noch sehen lassen, zeigte aber schon erste Anzeichen des Verfalls, während die weiteren Sequels, die nach dem grauenvollen Teil 4, "Bloodline" (1996), nur noch für VHS, bzw. DVD produziert wurden, getrost übersprungen werden können.

8.5/10

Kommentare:

  1. Gute Idee, den Film muß ich mir unbedingt mal wieder anschauen … Habe kürzlich erst diese Seite entdeckt und bin sehr davon angetan. Das breite Angebot an Kritiken zum Genrefilm ist eine gute Ergänzung zur Filmzentrale, wo meistens nur Feuilleton-würdiges kritisiert wird und Perlen des Horrors (wie z.B. Hellraiser) zu selten gewürdigt werden. Also, vielen Dank und bitte weiter so! –Tim

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  2. Hallo Tim, freut mich, dass Ihnen mein Blog gefällt. Für mich war der Horrorfilm immer das liebste und interessanteste (und verkannteste) Genre, da gibt es noch viel zu entdecken. Beste Grüße, Mathias

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