Samstag, 30. Juli 2011

Der Werwolf von Tarker Mills (1985)

In dem verschlafenen Nest Tarker Mills geht der Werwolf um. Der junge Marty (Corey Haim), der an den Rollstuhl gefesselt ist, glaubt zu wissen, wer unter dem biestigen Pelz steckt, nämlich der freundliche, aber irgendwie düstere Reverend Lowe (Everett McGill). Doch - oh Schreck - niemand glaubt dem Jungen. Gemeinsam mit seiner zickigen Schwester (Megan Follows) und dem versoffenen Onkel (Gary Busey) versucht er, dem Werwolf eine Falle zu stellen und gerät dabei in Lebensgefahr...

Ja, mehr wird hier kaum erzählt. Klingt doch nach einer hübschen kleinen Kinder- und Jugendgeschichte. DER WERWOLF VON TARKER MILLS (Silver Bullet) stammt aus der Zeit, als jeder Bierdeckel, auf dem Stephen King mal etwas niedergekritzelt hat, dankbar von Filmproduzenten aufgekauft und zur Verfilmung in Auftrag gegeben wurde. Für das Drehbuch hat Stephen King selbst seine Kurzgeschichte 'Cycle of the Werewolf' bearbeitet, die Schuld am Film trägt also er selbst.

Als Horrorfilm bietet DER WERWOLF VON TARKER MILLS solide Unterhaltung mit ein bisschen Grusel, nicht mehr und nicht weniger. Unter die Haut geht der Film nie. Die Coming-of-Age-Geschichte des behinderten Marty sorgt dabei für unnötig rührselige Szenen und interessiert wenig, da sie ohnehin nur als Soap präsentiert wird. Ganz schlimm wird es, wenn Marty seinen gepimpten, tiefergelegten Rollstuhl mit dem titelgebenden Namen 'Silver Bullet' als Geschenk vom Onkel erhält und kräftig Gas gibt. Da meint man doch kurz, man wäre bei Spielberg oder Disney gelandet.

Die Werwolf-Effekte gehen in Ordnung, können aber bei weitem nicht mit Rick Bakers oscar-prämierten Kreationen für "American Werewolf" (1981) oder Rob Bottins Design für "The Howling" (1981) mithalten. Regisseur Daniel Attias beginnt den Film mit ein paar hübsch atmosphärischen Mordszenen und schafft ein relativ spannendes Finale, dazwischen plätschert sein Film aber streckenweise nur so dahin. Die beste Sequenz ist eine stimmungsvolle Montage, in der die schicksalhafte Silberkugel hergestellt wird, mit welcher der Wolf getötet werden kann.
Etwas Humor lockert das Geschehen gelegentlich auf, so etwa, wenn sich die Männer der Stadt aufmachen, den Wolf zu stellen und sich im dichten Nebel verlaufen, aus dem plötzlich ein haariger Arm mit Baseballschläger hervorschnellt. Den Film aber gleich zur Parodie auf das Werwolf-Genre zu erklären, wie in den USA geschehen, geht dann doch zu weit, dazu ist er weder witzig, intelligent noch - haha - bissig genug (ich weiß, müdes Wortspiel).

Schauspielerisch gibt es ebenfalls nur Routine. Gary Busey, der zu oft in minderwertigen Filmen mitspielt, übertreibt kräftig seine Alkoholiker-Rolle, sorgt aber für den einzig wirklich unterhaltsamen Charakter in der Geschichte. Jungdarsteller Corey Haim wurde kurz nach dem Film zum umschwärmten Star zahlreicher Teenie-Filme, bevor er sein Leben mit Crack und Kokain zerstörte und im Jahr 2010 im Alter von nur 39 Jahren verstarb. Eine tragische, wenngleich typische Hollywood-Geschichte. Der Werwolf des Films, Everett McGill, wurde später durch die Kultserie "Twin Peaks" (1990) populär.

Für Stephen King-Komplettisten und Werwolf-Fans ist DER WERWOLF VON TARKER MILLS einen Blick wert, vor allem weil die Verwandlungsszenen hier noch nett handgemacht und nicht im Computer hergestellt sind. Ansonsten kann man den Film, der auch im Kino nicht sonderlich erfolgreich war und zu einer allgemeinen King-Müdigkeit beitrug, zweifellos überspringen.

05/10

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