Sonntag, 10. Juli 2011

Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen (1974)

DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN (El Buque maldito) ist der dritte Teil von Amando de Ossorios vierteiliger "Reitende Leichen"-Saga, die mit "Die Nacht der reitenden Leichen" (1971) begann, und besitzt hierzulande einen gewissen Kultstatus, weil er Mitte der 80er von der BPS wegen angeblicher "Gewaltverherrlichung" beschlagnahmt und bis heute nicht freigegeben wurde, dabei gibt es hier weit und breit nichts Herrliches und kaum Gewalt, sondern von vorne bis hinten lediglich gähnende Langeweile, schlechte Schauspieler und einen Spannungsgehalt von 0,0 zu sehen. Über den Beschlagnahmebeschluss kann man nur lauthals lachen. Über den Film leider nicht, denn der ist nicht einmal unfreiwillig komisch.

Der Inhalt, soweit vorhanden: zwei Models werden mitten auf dem Ozean in einem neuen Super-Schnellboot ausgesetzt, da sich der Konstrukteur des Flitzers tolle Publicity erhofft, wenn man die Schönheiten findet und aus der angeblichen Seenot rettet. So weit, so albern. Dann taucht plötzlich eine Nebelbank auf, in der sich ein heruntergekommener alter Kahn befindet (offensichtlich hat auch John Carpenter den Film gesehen). Die Models klettern ungefragt gleich in ihren High Heels an Bord und geraten dort an die "reitenden Leichen", die ihre Pferde mittlerweile zwar verloren haben, aber immer noch in Zeitlupengeschwindigkeit unterwegs sind, um Jungfrauen das Blut auszusaugen. Wie ein gesunder Mensch diesen lahmarschigen Zombies überhaupt zum Opfer fallen kann, bleibt eines der großen Rätsel unserer Zeit, aber Models sind nun mal auch nicht die hellsten Lichter am Kronleuchter der Schöpfung. Nach dem Verschwinden der Damen startet man eine Suchaktion, zu der auch besagter Schiffs-Erfinder und die kühle Model-Chefin (Maria Perschy) gehören, und auch die sehen sich bald von den schlurfenden Mumien verfolgt...

War der Erstling der Reihe noch ein Schauerstück mit originellen Einfällen, schleppt sich DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN mit dem Tempo einer Nacktschnecke dem befreienden Abspann entgegen. Ein so starkes Schlafmittel wie diesen Film sollte es eigentlich nur auf Rezept geben. Ich habe selten einen Horrorfilm gesehen, der so sehr nach der Schnellvorlauftaste schreit wie DAS GEISTERSCHIFF, und was hier jugendgefährdend sein soll, ich weiß es nicht. Ein abgehackter Kopf, der offensichtlich einer Schaufensterpuppe gehört?
Nicht einmal Maria Perschy, deren Anwesenheit mir zumindest lustige Stündchen mit Howard Hawks' "Ein Goldfisch an der Leine" (1964) in Erinnerung ruft, kann dem Film zu Glanz verhelfen, und die schrille 70er-Ausstattung ist nicht kultig, sondern nur potthässlich.

Möglicherweise funktioniert der Film, wenn man ihn in jungen Jahren im Kino sah und sich heute noch wohlig an das kindliche Gruseln und den Trash-Charakter des Streifens erinnert, aber da dies bei mir nicht der Fall war, kann ich dem verlotterten Geisterkahn absolut nichts abgewinnen. DAS GEISTERSCHIFF DER SCHWIMMENDEN LEICHEN bietet nichts anderes als Verschwendung wertvoller Lebenszeit, und so kann ich nur empfehlen, einen möglichst großen Bogen um diese lebenden Toten zu machen, auch wenn das Plakat noch so stimmungsvoll aussieht.

01/10


"Ich will in einem guten Film mitspielen!" -
Eine Jungfrau in den Fängen schwimmender Leichen

Kommentare:

  1. Hallo Matze,
    ich hab den Film nie gesehen und werde ihn, spätestens nach dieser Rezension, wohl auch niemals gucken. Aber ein Gutes hat er! Nämlich Dich zu dieser echt witzigen Rezension veranlasst :-))

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  2. Hallihallo, ich werde den übrigens auch nie wieder gucken. Danke aber! Liebe Grüße!

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