Samstag, 9. Juli 2011

Buried (2010)

Wenn Filme an begrenzten Schauplätzen spielen, taucht schnell der Name Hitchcock auf, der sich in mehreren seiner Werke auf über- schaubare Handlungsorte beschränkte und seine Vorliebe dafür gern äußerte.
Der Vergleich mit Hitchcock ist dabei ebenso müßig wie ausgelutscht, aber BURIED (Buried) muss ihn sich gefallen lassen, weil er selbst den Verweis in den Ring wirft, und das bereits mit einer Titelsequenz, die in Design und Musik unmissverständlich an "Psycho" (1960) erinnert.

BURIED spielt ohne Ausnahme im Inneren einer Holzkiste, in der sich der Truckfahrer Paul (Ryan Reynolds) wiederfindet. Offenbar ist er im Irak während des Transports von Hilfsgütern in ein Gefecht geraten, wurde von Irakern gefangen genommen und lebendig begraben. Bald schon meldet sich der Entführer per Handy und gibt Paul einige Stunden Zeit, die USA zur Zahlung eines Lösegelds zu bringen. Schwierig, wenn man ein paar Meter unter der Erde liegt. Für Paul beginnt ein Wettlauf mit der Zeit...

Die Grundidee von BURIED, den gesamten Film lediglich in der kleinen Holzkiste anzusiedeln und diese wirklich nie zu verlassen, wird von Regisseur Rodrigo Cortés hervorragend umgesetzt, wobei besonders Kamera und Schnitt alles tun, um die klaustrophobische Situation für den Zuschauer nachempfindbar zu machen. Ryan Reynolds, der oft als Pin-Up besetzt wird und nicht gerade als brillanter Schauspieler gilt, zeigt dabei eine gute Darstellung, auch wenn er vom Drehbuch nicht allzu viel Charakter erhält und nicht so sehr ans Herz wächst, dass man fieberhaft mit ihm mitleiden würde. Man ist doch eher rational daran interessiert, welches Ende der Film nehmen wird, und ob es möglicherweise eine Pointe zum Geschehen gibt. Da wir nie sehen, wo - und vor allen, ob - Paul wirklich begraben ist, kann man der eigenen Fantasie freien Lauf lassen.

Es kommt allerdings der Punkt, an dem man ahnt, dass Pauls Situation vermutlich doch echt ist, weil der Film sich sehr um eine grundsätzliche Aussage zum Irak-Krieg bemüht, die er mit dem zum Tode verurteilten Protagonisten konsequent durcherzählt. Ob diese letztlich sehr schlichte Aussage ausreicht, um den Film zusammenzuhalten, muss jeder für sich entscheiden. Die leichte Kritik, die hier an der US-Regierung geäußert wird, die Kriege führt, um Wirtschaftsinteressen durchzusetzen und dafür junge Männer wissentlich in den Tod schickt, ist weder neu noch originell (wenngleich fraglos berechtigt), und dass Konzerne sich einen Dreck um das Wohl ihrer Angestellten scheren, wenn sie dafür Millionen einsparen können, sollte auch niemanden mehr vom Hocker hauen.

Die politischen Statements beiseite gelassen, bleibt BURIED ein solider Thriller ohne Schnickschnack, Action oder aufwändige Spezialeffekte, allerdings auch ohne viele Überraschungen. Ob es klug war, den Film tatsächlich nur unter der Erde spielen zu lassen und dem Zuschauer keine Möglichkeit zu geben, dem Spiel auf mehreren Ebenen zu folgen, lässt sich schwer beantworten, aber so muss man auch einige Durchhänger in Kauf nehmen, in der dann nur altbekannte Klischees helfen, die Spannung zu halten, wie das allmählich nachlassende Akku des Handys, das mal besseren, mal schlechteren Empfang hat, je nachdem, wie es gerade gebraucht wird, oder der Wackelkontakt der Taschenlampe. Pauls Begegnung mit einer Schlange, die sich in den Sarg verirrt, stellt da schon einen Höhepunkt dar, auch wenn sie zu nichts führt und den Film lediglich auf Spielfilmlänge streckt. Eine weitere Schwachstelle ist die Rolle des Entführers, der ebenfalls im Klischee stecken bleibt, und dessen 'Plan' herzlich wenig Sinn macht. Man wird beim Sehen mehrfach an Quentin Tarantinos CSI-Episode "Grabesstille" erinnert, die sowohl den klaustrophobischen Terror als auch die Spannung der Ermittlungsarbeit über dem Erdboden brillant verbindet und so einen nachdrücklicheren Eindruck hinterlässt als BURIED. Auch ein Film wie "Nicht auflegen" (2002) hat gezeigt, dass man vielleicht die selbst gesteckten Grenzen ein wenig verlassen muss, um einen maximalen Effekt zu erzielen.

Letztendlich hängt es davon ab, wie sehr man sich auf ein Einpersonenstück einlassen möchte, um BURIED zu genießen. Der Film war aufgrund des "kleinen Budgets" (3 Millionen Dollar) ein kommerzieller Erfolg und bekam überwiegend positive Kritiken. Alles in allem ist BURIED solides Spannungskino, das angenehm auf überflüssigen Aufwand verzichtet, ich fürchte aber, dass er auch nicht lange im Gedächtnis bleibt. Da er einen Großteil seiner Spannung aus der Frage nach der Auflösung bezieht, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ein zweites Sehen besondere Freude macht - und darin unterscheidet er sich enorm von Hitchcock.

07/10

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