Donnerstag, 9. Juni 2011

Unforgettable (1996)

John Dahl, der zu den meistunterschätzten Regisseuren der 90er zählt, inszenierte 1996 den Horror/Sci-Fi-Thriller UNFORGETTABLE (Unforgettable), nachdem er mit "Die letzte Verführung" (1994) einen Kulthit, den besten modernen Film Noir und einen meiner persönlichen Favoriten geschaffen hatte. Er verließ mit UNFORGETTABLE den eingeschlagenen Weg des Neo-Noir, zu dem auch seine Werke "Kill Me Again" (1989) und "Red Rock West" (1993) gehören.

Zum Inhalt: Gerichtsmediziner Dr. David Krane (Ray Liotta) kommt nicht über den gewaltsamen Tod seiner Frau hinweg, für den er trotz fehlender Beweise allgemein verantwortlich gemacht wurde. Um endlich die Wahrheit zu erfahren, stiehlt er einer Wissenschaftlerin (Linda Fiorentino) ein neu entwickeltes Serum, mit dem man Erinnerungen von Lebenden und Toten für sich erfahrbar machen kann. Krane startet den Selbstversuch und kommt der Erinnerung Schritt für Schritt näher. Das wiederum bringt ihn in tödliche Gefahr, denn das Serum wurde nie an Menschen getestet, und der wahre Mörder ist Davis bereits auf der Spur...

UNFORGETTABLE wurde auf Fantasy-Filmfestivals wohlwollend aufgenommen, bekam aber vermutlich wegen seines B-Charakters keinen Kino-Verleih und wurde im Pay-TV aufgeführt, bevor er auf Video erschien. Heute ist er in Vergessenheit geraten, und wenn über ihn gesprochen wird, erhält er eher negative Kritiken aufgrund seiner ausufernden Unlogik.

Akzeptiert man aber die konstruierte Ausgangssituation und die absurde Vorstellung, sich Gedanken von Toten injizieren zu können (und warum sollte das schwerer zu schlucken sein als andere Sci-Fi-Konzepte?), kann man sich mit UNFORGETTABLE ziemlich gut unterhalten. Zwar wirken die vielen Rückblenden, die sich immer auf ein- und dieselbe Situation beziehen (den Mord an Cranes Frau) irgendwann redundant, aber das fällt erst beim wiederholten Sehen ins Gewicht, wenn man um die Lösung des Puzzles weiß.
Dank der gut ausgearbeiteten Charaktere, der falschen Verdächtigen und einigen Action-Einschüben kommt praktisch nie Langeweile auf. Der Thriller ist straff inszeniert, und Christopher Young hat für UNFORGETTABLE einen klasse Score komponiert.

Ray Liotta, der nach den Erfolgen mit "Goodfellas" (1990) und "Fatale Begierde" (1992) gerade hoch im Kurs stand, zeigt eine wie immer exzellente Darstellung als gequälter Witwer, dem in einer einzigen Nacht alles genommen wurde, und der seine Tochter nur noch an Wochenenden sehen darf, weil jedermann ihn für einen Mörder hält. An seiner Seite spielt Linda Fiorentino, die in Dahls "letzter Verführung" die ultimative Femme Fatale geben durfte, sich hier aber mit der zweiten Geige begnügt und als verhuschte Forscherin weit von der männermordenden Bridget aus besagtem Film entfernt ist. Man kann verstehen, dass sie nicht in die Schublade des ewigen Vamps gesteckt werden wollte, trotzdem ist es schade, dass eine Schauspielerin mit so viel Power eine fast schon unattraktive, klassische Opfer-Rolle übernehmen muss und hinter Laborkitteln versteckt wird.
Dazu darf Peter Coyote wieder einmal den Unsympathen spielen, und Kim Coates sorgt als Killer für einige furchteinflößende Momente.

Als Video-Premiere wird UNFORGETTABLE deutlich unter Wert verkauft. John Dahl inszenierte auf der Teenie-Horror-Welle 2001 den sehenswerten "Joyride", danach war er hauptsächlich fürs Fernsehen tätig, ist aber dort sehr gut im Geschäft.

07/10

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