Mittwoch, 29. Juni 2011

The Social Network (2010)

David Finchers THE SOCIAL NETWORK (The Social Network) gehörte zu den Kritikerlieblingen des Jahres 2010 und erhielt neben anderen Preisen auch mehrere Oscar-Nominierungen (erhalten hat er die Auszeichnung für das adaptierte Drehbuch, Schnitt und Musik). Das Erstaunlichste am Film ist vielleicht die Tatsache, dass eine so spektakuläre Figur des Zeitgeschehens wie Mark Zuckerberg überhaupt Gegenstand eines Biopics werden konnte. Da sich der Film aber mit einer endgültigen Beurteilung des umstrittenen Facebook-Gründers zurückhält, bleibt er auf der sicheren Seite - was eines seiner Probleme darstellt.

THE SOCIAL NETWORK erzählt in einer Rückblenden-Struktur Mark Zuckerbergs (Jesse Eisenberg) Aufstieg vom computerbesessenen Nerd zu einem der reichsten und mächtigsten Unternehmensführer der Welt. Sein kontaktscheues, egoistisches Wesen führt zum Bruch mit seinem einzigen Freund und Mitbegründer von Facebook sowie zu zwei juristischen Schadenersatzklagen, gegen die er sich in der Gegenwart verteidigen muss.

THE SOCIAL NETWORK ist dabei in erster Linie ein Film der Schauspieler. Jesse Eisenberg zeigt eine höchst unterhaltsame Darstellung, die - obwohl sie bis zum Abspann auf einer Note bleibt, weil der Film ihn mehr als Chiffre denn als Wesen aus Fleisch und Blut zeichnet - den Film zusammenhält, selbst wenn im letzten Drittel sein ausgebooteter Partner (Andrew Garfield) kurzzeitig zum Hauptakteur wird. Von den Nebendarstellern überrascht Justin Timberlake mit einer eleganten, humorvollen Darstellung des 'Napster'-Mitbegründers Sean Parker. Da THE SOCIAL NETWORK ein Film der Jungs ist, bleiben die Frauen außen vor, sind entweder notgeile Groupies, Glamour-Babes oder liebe Mädels, die Herrn Zuckerberg abservieren.

David Fincher beschränkt sich im Wesentlichen darauf, seine Schauspieler auf Tempo zu bringen, um die seitenlangen, teils messerscharfen und pointierten Dialoge des hervorragenden Drehbuchs in irrwitziger Geschwindigkeit abzuliefern, was ihm beeindruckend gelingt. Der für meinen Geschmack etwas übertriebene Hochglanz-Look ist zweifellos schick und modern, bleibt aber stets künstlich, und auf den schlecht animierten CGI-Kälte-Atem der Darsteller in den frühen Außenszenen hätte ich gerne verzichtet, der wirkt schon unfreiwillig komisch. Der zu Recht prämierte Schnitt verbindet die drei Zeitebenen der Handlung meisterhaft und führt den Zuschauer mühelos durch den Film.

Die Schwächen von THE SOCIAL NETWORK liegen in der simplen Psychologie seiner Protagonisten. So muss eine unerfüllte Zuneigung zu einer Studentin mehrfach herhalten, um Zuckerbergs Verhalten zu motivieren, während andere Figuren stets aus Rachsucht, Enttäuschung oder Frust heraus agieren, die wie aufs Stichwort den Fortgang der Handlung bestimmen. Und selbst wenn der reale Zuckerberg mehr sein muss als ein unsympathischer Nerd, der keine Frau abbekommen hat und nicht in die angesagten Clubs hineindarf, der Film gibt ihn so wieder. Innovatives Kino sieht leider anders aus, und David Fincher hat mehrfach bewiesen, dass er mehr kann als Schauspielerführung und einen schicken Look.

Ebenfalls enttäuschend ist die Tatsache, dass der Film auf jeden Kommentar zur "Facebook-Generation" verzichtet. Weder die umstrittene Datenspeicherung noch die teilweise absurden Auswüchse der Plattform werden jemals gestreift. THE SOCIAL NETWORK bewegt sich lediglich innerhalb des Figurenspektrums rund um Zuckerbergs Aktivitäten und der beiden Gerichtsverhandlungen, die Facebook-User werden komplett ausgeblendet. Das verwundert dann schon, bietet doch genau dieser Blickwinkel viel Raum für Zeitgeist, Philosophie und Ironie, doch all das will der Film nicht leisten. Was er zu sagen hat, bleibt überraschend wenig.
Dazu operieren Fincher und sein Drehbuchautor Aaaron Sorkin mit einer streng konservativen Moral, in der Zuckerbergs egomanisches Verhalten, die Taten seiner Konkurrenten und das Schicksal des bedauernswerten Freundes sofort "korrekt" bewertet werden (Freunde abservieren und stinkreich werden = schlecht, loyal bleiben, aber Millionen verlieren = gut).

THE SOCIAL NETWORK ist trotz der verschachtelten Erzählform ein klassisch aufgebautes Drama, ein unterhaltsames, gut gespieltes und solide inszeniertes Biopic mit intelligenten Dialogen, das aber auf einen Blick über den Tellerrand seines überschaubaren Universums verzichtet und letztlich belanglos wäre, würde es hier nicht um ein aktuelles Phänomen gehen. In der Filmografie von David Fincher bleibt THE SOCIAL NETWORK eine gute Auftragsarbeit. Nicht mehr und nicht weniger.

07/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...