Montag, 6. Juni 2011

Der Auftragslover (2011)

Der sympathische Aufreißer Alex (Romain Duris) arbeitet gemeinsam mit seiner Schwester (Julie Ferrier) und deren Ehemann (Francois Damiens) als "Auftragslover". Wohlhabende Klienten bezahlen ihn dafür, sich an Frauen - meistens ihre Töchter - heranzumachen, die nach deren Meinung in der falschen Beziehung stecken. Mit seinem Charme, gewissenhafter Recherche und jeder Menge Technik wickelt Alex alle Damen um den Finger, um sich dann mit einem schmalzigen "Du hast mehr verdient" aus dem Staub zu machen, woraufhin sich die Frauen umgehend von ihren schnöseligen Lovern trennen.
Im Grunde läuft alles perfekt, nur der aktuelle Auftrag macht Alex zu schaffen, denn die versnobte Millionärsgöre Juliette (Vanessa Paradis) stellt sich als hartnäckig resistent gegen Alex' Verführungkünste heraus. Da hilft es nicht einmal, dass er sich als Bodyguard bei ihr anstellen lässt. Aber mit dem Studium ihres Lieblingsfilms "Dirty Dancing" und einigen anderen Tricks kann er schließlich auch ihr Herz erobern. Das Dumme ist nur: er verliebt sich ebenfalls, und das ist tödlich fürs Geschäft...

Als hätten wir's nicht kommen sehen.

DER AUFTRAGSLOVER (L'Arnacoeur) war ein großer Hit in Frankreich und erhielt auch hierzulande überwiegend positive Kritiken, was nicht wirklich nachzuvollziehen ist. Sicher hat diese Mischung aus Romantischer Komödie, "Mission Impossible" und James Bond-Abenteuer ihren Reiz auf dem Papier, aber der ist beim Dreh scheinbar ziemlich verloren gegangen. Als Zuschauer kann man jede Wendung weit im Voraus ahnen, und es kommt immer so, wie man es gerade befürchtet hat. Natürlich beißt Alex zunächst auf Granit bei der spröden Juliette, natürlich muss er erst vermeintlich ihr Leben retten, damit sie auftaut, und natürlich verlieben sich beide ineinander. Spätestens wenn Juliette am Ende im Hochzeitskleid vorm Altar flüchtet und durch den Verkehr rennt, um ihrem Alex in die Arme zu fallen, weiß man, dass man diese Szene schon tausendmal gesehen hat, und von Ironie fehlt hier jede Spur.

Die Darsteller könnten es rausreißen, aber leider besteht zwischen Romain Duris und Vanessa Paradis zu wenig Chemie. Paradis ist ohnehin viel zu blutleer für eine so komödiantische Rolle. Ihre Zickigkeit wirkt stets echt und nicht gespielt oder charmant. Duris gibt sein bestes und zeigt reichlich Spielfreude und Energie, aber den umwerfenden Liebhaber und Verführer nimmt man ihm nicht ab - auch wenn er bewusst gegen den Typ besetzt ist, schon verstanden.

Echten Humor bringen hingegen die Nebendarsteller Julie Ferrier und Francois Damiens ins Spiel. Besonders Damiens kann in verschiedenen Verkleidungen als Rennfahrer oder Hausmeister überzeugend den Loser geben, dessen Verführungsversuche im Gegensatz zu seinem Schwager kläglich scheitern. Originell ist DER AUFTRAGSLOVER ansonsten nur in den Action-Sequenzen, die in diesem Genre nicht auf der Tagesordnung stehen und etwas frischen Wind und Witz in die bekannte Geschichte bringen. Hier werden auch gekonnt einschlägige Momente des Action- und Thriler-Genres parodiert.

Dass die Franzosen mittlerweile die besseren Romantischen Komödien fabrizieren als Hollywood, hat sich noch nicht überall herumgesprochen, deshalb ist es schön zu sehen, wie erfolgreich DER AUFTRAGSLOVER nicht nur im Heimatland war. Trotzdem ist er leider nicht das beste Beispiel für den Esprit der französischen Komödie, wie ihn z.B. "Meeresfrüchte" (2005) oder "Wir verstehen uns wunderbar" (2006) zeigen. Dafür versucht er doch zu sehr, Hollywood zu kopieren. Das gelingt zwar, aber dafür bleiben Herz und Seele auf der Strecke.
Für die schnelle, oberflächliche Unterhaltung ist er noch geeignet, für mehr aber nicht.

04/10

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