Freitag, 10. Juni 2011

Das Leben der Mrs. Skeffington (1943)

Oder: wenn Liebe blind macht.

DAS LEBEN DER MRS. SKEFFINGTON (Mr. Skeffington) gehört zu den großen Klassikern und Lieblingsfilmen der Bette Davis-Fans. Kein Wunder, denn als kokette Schönheit, die über einen langen Lebensweg hinweg erkennen muss, dass es auf die innere Schönheit ankommt, überstrahlt sie den gesamten Film.

Die Handlung ist angesiedelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Fanny Trellis (Davis) sammelt Verehrer und Liebhaber wie andere Damen Schmuck, Flirten ist ihr Lebensinhalt. Um ihrem Bruder Trippy (Richard Waring) aus der finanziellen Patsche zu helfen, heiratet sie den Börsenmakler Skeffington (Claude Rains), den sie zwar nicht liebt, der ihrer Familie aber die nötige finanzielle Sicherheit bietet. Skeffington hingegen ist schwer verliebt in seine Gattin, akzeptiert aber, dass sie eine Vernunftehe eingegangen ist. Als er aus Einsamkeit mit seiner Sekretärin anbändelt, zerbricht die Ehe und wird geschieden. Skeffington reist mit der gemeinsamen Tochter nach Europa, während Fanny wieder ihr altes Leben und ihre Liebhaber genießt. Die Jahre vergehen, und Fanny erkrankt schwer an Diphterie. Sie verliert ihr Aussehen und ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Skeffington wird als Jude von den Nazis verfolgt und landet im Konzentrationslager, wo er erblindet. Nach dem Krieg begegnen die beiden sich wieder...

Man wundert sich, dass der Originaltitel Mr. Skeffington zum Hauptprotagonisten erklärt, denn Rains spielt allenfalls die größere Nebenrolle neben der dominierenden Bette Davis. Er erhielt auch passenderweise eine Oscar-Nominierung für die beste Nebenrolle. Der deutsche Verleih hat es richtig erkannt und Davis zur Titelfigur gemacht, denn über zweieinhalb Stunden Laufzeit gehört ihr der Film.
Es ist wieder einmal bewundernswert, wie die Schauspielerin sich eine Rolle zu eigen macht, für die sie auf dem Papier nur bedingt geeignet ist, denn viel hängt von der Schönheit und Koketterie der Fanny Trellis ab, und Bette Davis ist nicht gerade eine klassische Filmschönheit. Ihr atemberaubendes Talent aber sorgt dafür, dass man nicht eine Sekunde daran zweifelt, dass sich vor Davis' Haustür die Liebhaber stapeln. Ihr Zusammenspiel mit Rains ist dabei besonders wirkungsvoll. Die beiden spielten schon zuvor in "Reise aus der Vergangenheit" (1942) und später in "Trügerische Leidenschaft" (1946) hervorragend miteinander.

Davis' Fanny Trellis ist eine durch und durch oberflächliche und ungebildete Frau, die sich weder um ihre Mitmenschen noch um Politik schert. Der Wallstreet-Crash beunruhigt sie nur, weil dadurch ein Date mit Skeffington verhindert wird. Lediglich für ihren ebenso flatterhaften Bruder Trippy, der nichts mit sich anzufangen weiß und von einer Schwierigkeit in die nächste stolpert, hegt sie liebende - fast zu liebende - Gefühle, weil beide aus dem selben Holz geschnitzt sind. Sie setzen alles auf Aussehen und reichlich vorhandenen Charme. Die vom Film vermittelte und mehrfach ausgesprochene Botschaft "Eine Frau ist erst dann schön, wenn sie geliebt wird", kann man dabei getrost ins Reich der Märchen schicken, das wäre sonst doch zu deprimierend für alle ungeliebten Frauen. Überraschend aktuell kommt einem das Thema aber doch in Zeiten vor, in denen die äußere Attraktivität alles zu bedeuten scheint. Dass oberflächliche Schönheit vergeht und eine leere Hülle auf niemanden mehr anziehend wirkt, ist eine Lektion, die so mancher lernen sollte.

Dem Melodram ist in formaler Hinsicht kaum etwas vorzuwerfen, was nicht verwundert, wenn man sich allein die Anzahl der Oscargewinner hinter der Kamera anschaut. Von der Ausstattung (der Film spielt hauptsächlich in Fannys Haus) bis zu den Kostümen wird an jeder Stelle makellos gearbeitet. Allein Franz Waxmans Filmmusik ist an einigen Stellen etwas aufdringlich und überdramatisch, was sich aber leicht verschmerzen lässt.
Regisseur Vincent Sherman konzentriert sich ganz auf die brillanten Darsteller und sorgt für großes Schauspielkino bis in die Nebenrollen. Ein William Wyler hätte dem Film vielleicht noch mehr Intensität, Schärfe und Biss gegeben, und er wäre in den letzten 20 Minuten vermutlich nicht so sehr ins melodramatische Rührstück abgerutscht. Wer schon mit Davis' in "Dark Victory" (1939) um die Wette heulte, darf hier wieder zum Taschentuch greifen. Dazu leistet die Maskenabteilung Schwerstarbeit mit dem Alters-Makeup von Rains und Davis, die hier schon aussieht wie 20 Jahre später als "Baby Jane Hudson".

DAS LEBEN DER MRS. SKEFFINGTON ist ein in jeder Hinsicht sorgfältiger und unterhaltsamer Klassiker, der von der einzigartigen Davis und ihrer Chemie mit Co-Star Rains lebt. Als solcher wird er die Zeit gut überdauern, denn Qualität - anders als Fanny Trellis - altert nicht.

8.5/10

Das Ehepaar Skeffington - Bette Davis und Claude Rains

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