Dienstag, 28. Juni 2011

Bungalow (2002)

BUNGALOW ist das Spielfilmdebüt des deutschen Regisseurs Ulrich Köhler. Er gewann zahlreiche Auszeichnungen auf Festivals und erhielt fast einhellig gute Besprechungen, insbesondere wurde seine Darstellung einer ziellosen Jugendgeneration gelobt. So weit, so gut.

Worum geht es? Der junge Paul (Lennie Burmeister) desertiert vom Bundeswehrdienst und kehrt nach einer Manöver-Rast beim Burger King nicht mehr zurück zur Kaserne, sondern setzt sich in den Zug, der ihn in sein Heimatkaff bringt, wo seine abwesenden Eltern einen Bungalow mit Swimming-pool besitzen. Dort trifft er seinen Bruder (Devid Striesow) samt Freundin (Trine Dyrholm), alte Bekannte und seine Freundin Kerstin, die gleich mal Schluss mit ihm macht. Pauls Freizeit besteht aus Herumliegen, im Pool planschen und anderen, wenig kreativen Aktivitäten. Manchmal nimmt seine Langweile aggressive Züge an, oder er versucht seinem Bruder die Freundin auszuspannen. Er besäuft sich, verletzt sich, und am Ende schließt sich der Kreis.

Was Ulrich Köhler in BUNGALOW tatsächlich gelingt, ist eben jene Zustandsbeschreibung der Generation "Gelangweilt", die sich mit den Statussymbolen der Eltern nicht identifizieren kann, aber keine eigenen Wege oder Ziele sucht. Konstruktive Lebensplanung findet nicht statt, dafür wird Skateboard gefahren, masturbiert, gesoffen oder gepennt. Konsum ist das einzige, was ein bisschen Abwechslung in den Alltag bringt.

Das Problem ist, dass der Film knapp 90 Minuten lang diesen Stillstand erzählt, den man nach 15 Minuten begriffen hat. Danach herrschen bis auf gelegentlich unterhaltsame Momente nur Leerlauf und Redundanz. Geradezu ironisch mutet dabei der Titel von Köhlers aktuellem Werk "Schlafkrankheit" (2011) an, der genau das beschreibt, was den Zuschauer (jedenfalls mich) beim Ansehen von BUNGALOW befällt. Beinahe jede Einstellung in BUNGALOW ist zu lang und einem vermeintlich notwendigen Realismus geschuldet, für den man sich aber auch gar nichts kaufen kann. So banal wie die Erzählung sind auch die Bilder, in denen nie nach einer Wahrheit hinter der Wahrheit gesucht, sondern immer nur draufgehalten wird. Ein "Portrait" von Paul, wie es in verschiedenen Rezensionen zu lesen war, entsteht so nicht, schon gar kein Psychogramm.
Wer scharf beobachtete und analytische Jugendporträts sehen möchte, sollte lieber zu den Filmen Larry Clarks greifen ("Bully", 2001, "Ken Park", 2002), die zeigen, wie man das Thema differenzierter und tiefsinniger behandeln kann.

Den Darstellern kann man wenig vorwerfen, zu spielen gibt es auch nicht viel. Hauptdarsteller Lennie Burmeister ist kein professioneller Schauspieler, sondern Profi-Skateboarder und eine gute Wahl. Er ist hübsch anzuschauen und agiert überwiegend glaubwürdig. Da der Film auf Einblicke in sein Innenleben verzichtet, wird er auch nicht überfordert. Devid Striesow ist wie immer gut, und Trine Dyrholm von sympathischer Natürlichkeit.

Die Preise, die BUNGALOW erhalten hat, zeichnen ein gutes Bild der deutschen Filmlandschaft, sowie der Überheblichkeit des Feuilletons und so genannter "Fach-Jurys". Da lobt man den "genauen Blick" und mutmaßt, dass eine ablehnende Haltung dem Film gegenüber daraus reultiere, dass er einen mehr berühre als man selbst wahrhaben wolle. Bei aller Liebe für das Arthouse-Kino und den Anti-Mainstream, diese Rechnung will bei mir ganz und gar nicht aufgehen (und ist darüber hinaus ein billiges Totschlag-Argument, das man immer anwenden kann, wenn einem negative Reaktionen nicht in den Kram passen, nach dem Motto "Oh, dann war es wohl zu anspruchsvoll für Sie". Von wegen!).
BUNGALOW ist für insgesamt 20 Minuten Laufzeit interessant, dann hat er alles gesagt, was er zu sagen hat und reitet seine eindimensionale Perspektive bis zum Ende konsequent weiter. Mir fehlt der Wille, Paul zu verstehen, zu hinterfragen, ihn in Situationen zu bringen, in denen er sich verhalten muss, mir fehlt der Sinn für Dramatik oder Analyse. Ulrich Köhler beschränkt sich durchweg auf das simple Beobachten. Das ist weder preisverdächtig noch bahnbrechend, es ist lediglich eintönig.

3,5/10

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