Donnerstag, 2. Juni 2011

Blue Sunshine (1978)

Nachdem er mit "Squirm" (1976) einen ansehnlichen Genrebeitrag vorlegen konnte, inszenierte Jeff Lieberman seinen wohl besten Film BLUE SUNSHINE (Blue Sunshine), der aufgrund seiner ungewöhnlichen Erzählstruktur und einiger bizarrer Einfälle mittlerweile Kultstatus bei Horrorfans genießt. Er ist auch einer der wenigen Horrorfilme, die sich mit dem Thema Drogenkonsum auseinandersetzen.

Mehrere Menschen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, verwandeln sich plötzlich in psychopathische Mörder. Eines haben alle gemeinsam - kurz bevor sie den Verstand verloren, sind ihnen die Haare ausgegangen. Als einer von ihnen eine komplette Partygesellschaft niedermetzelt, wird der anwesende Jerry Zipkin (Zalman King) fälschlicherweise der Morde bezichtigt und versucht verzweifelt, seine Unschuld zu beweisen. Er kommt weiteren Verbrechen auf die Spur und entdeckt, dass es noch einen Zusammenhang zwischen den Morden gibt - 10 Jahre zuvor haben die Amokläufer auf der Uni eine LSD-Variante namens "Blue Sunshine" konsumiert...

Schon der Beginn von BLUE SUNSHINE ist ungewöhnlich und interessant gestaltet, wenn die Ex-Studenten in ihrer jetzigen Lebenssituation nacheinander dem Publikum vorgestellt werden, jeweils unterbrochen von Teilen der Vorspann-Sequenz. Auch danach folgt Regisseur Lieberman keiner linearen Erzählweise, sondern schwenkt immer wieder zu scheinbar Unbeteiligten, die erst im Lauf des Films für die Handlung bedeutsam werden. Die experimentelle Filmmusik unterstützt diesen eigenwilligen, manchmal holprigen Verlauf.

Wer BLUE SUNSHINE gesehen hat, wird wahrscheinlich schwer die amoklaufenden Glatzköpfe vergessen, die mit Messern auf Partygäste, Kinder und Diskothekenbesucher losgehen. Die Geschichte um die blutigen Spätfolgen einer Modedroge ist tatsächlich so originell, dass man sich wundert, warum es von diesem Film noch kein Remake gibt, zumal BLUE SUNSHINE ohne viel Geld gedreht wurde, die Story aber durchaus Potential für eine wesentlich aufwändigere Inszenierung mit Action-Höhepunkten hergibt. Vielleicht kann man aber auch froh sein, dass noch niemand dieses B-Juwel verramscht hat. So wie er ist besitzt der Film den für die 70er typischen, authentischen, fast dokumentarischen Look und wirkt stellenweise improvisiert. Am ehesten kann man ihn vielleicht mit den Frühwerken David Cronenbergs vergleichen, auch wenn er weniger blutrünstig ausfällt. Interessanterweise hat Cronenberg kurz später mit "Scanners" (1981) eine nicht unähnliche Geschichte erzählt.

Ein wenig geschwächt wird der grimmige Schocker durch Hauptdarsteller Zalman King, der weder ein sympathischer Held (in der bekannten Hitchcock-Tradition des unschuldig von der Polizei gejagten) noch ein interessanter Schauspieler ist - er spielt entweder gar nichts oder viel zu viel. King wurde übrigens später bekannt als Produzent und Regisseur von Soft-Erotik-Trash wie "Wilde Orchidee" (1990) und "Red Shoe Diaries" (1992).
Regisseur Jeff Lieberman hat leider nach BLUE SUNSHINE keinen wirklich nennenswerten Film mehr gemacht, was eine Schande ist.

Wer auf abseitige Horrorfilme der 70er steht, für den ist BLUE SUNSHINE ein Muss. Trotz seines hohen Beliebtheitsgrades unter Horrorfans ist er nach wie vor kaum bekannt.

08/10

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