Freitag, 3. Juni 2011

Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung (2010)

Junges Blut im deutschen Kino.

Tommy
(Jacob Matschenz) und Sule (Burak Yigit) sind beste Freunde, "Brüder", und halten gegen den Rest der Welt zusammen. Ihre Drogengeschäfte bringen Jacob ins Gefängnis, wo er umgehend misshandelt und erniedrigt wird. Als er auf Bewährung wieder frei kommt, will er nichts mehr mit Drogen zu tun haben und sich um seine schulischen Leistungen kümmern, doch die Vergangenheit und Sule lassen ihn kein selbstbestimmtes Leben führen. Als er wieder in einen Deal hineingezogen wird, eskaliert die Situation, und die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt...

Das Jugenddrama BIS AUFS BLUT ist der Abschlussfilm von Regisseur Oliver Kienle an der Filmakademie Ludwigsburg und hat auf dem Max Ophüls-Festival 2010 mehrere Preise gewonnen, wurde aber skandalöserweise beim Deutschen Filmpreis nicht einmal mit einer Nominierung bedacht, dabei hat er mehr Kraft, Witz und Tempo als sämtliche Konkurrenten, die zur Wahl des "Besten Films" standen (und die bezeichnenderweise der kuschelig-anschmiegsame "Vincent will Meer" gewonnen hat).

Die Story von BIS AUFS BLUT ist gewiss nicht neu und knüpft an Hollywood-Vorbilder wie "Carlito's Way" (1993) an, verlegt sie aber ins Milieu der Jugendkriminalität und bietet das Optimum an Authentizität, vom Soundtrack über die knallharte Kamera bis zu den Leistungen seiner Jungdarsteller, die allesamt exzellent agieren. Neben dem immer sehenswerten Matschenz in der Hauptrolle kann besonders Burak Yigit begeistern. Er verschmilzt so sehr mit seiner Rolle, dass man nicht mehr zwischen Darstellung und Filmfigur unterscheiden kann. Sogar Simone Thomalla als Matschenz' Mutter fällt nicht negativ auf, dabei wirkt sie auf den ersten Blick so fehlplaziert wie als Tatort-Kommissarin. Der Mühlheimer Rapper Manuellsen absolviert in BIS AUFS BLUT seinen ersten Filmauftritt.

BIS AUFS BLUT spricht die Sprache der jungen Generation und vermittelt einen realitätsnahen Einblick in soziale Brennpunkte. Er ist mal verspielt, mal rotzig frech, brüllend komisch, dann wieder von tödlichem Ernst. Dass er am Ende eine Spur zu versöhnlich wird, darf man übersehen, vermutlich möchte er mehr motivieren als deprimieren, und das ist auch gut so.
Was das Deutsche Kino angeht, sorgt BIS AUFS BLUT für willkommenen frischen Wind zwischen den verkrampften Versuchen, Hollywood zu imitieren oder mit Blödelkomödien Kasse zu machen. Tipp!

08/10

Jacob Matschenz in "Bis aufs Blut"

Kommentare:

  1. Hallo Matze, find ich gut, dass du den neueren deutschen Film mal bisschen unters Messer legst. will ja nicht jeder, ist ja manchmal wie Kröten sezieren. Hier nicht. Umso schöner! danke :-)

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  2. Die wirklich guten Filme bleiben leider die Ausnahme, was schade ist. Liebe Grüße!

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  3. Hi Mathias, vielen Dank für diesen starken Filmtipp aus deutschen Landen.
    LG Ray

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  4. Hi Ray, gern geschehen, der Film hat auch jede Aufmerksamkeit verdient, die er bekommen kann. Liebe Grüße!

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