Mittwoch, 4. Mai 2011

Spider Labyrinth (1988)

Dieser kleine, völlig unbekannte italienische Horrorfilm versucht durchweg, den Stil Dario Argentos zu kopieren, was ihm erstaunlicherweise besser gelingt als manch anderem. Im belanglosen Horror-Einerlei der späten 80er kann diese Video-Premiere namens SPIDER LABYRINTH (The Spider Labyrinth) jedenfalls durchaus überzeugen.

Worum geht es?
Der junge Wissenschaftler Alan (Roland Wybenga) reist nach Budapest, um einen älteren Kollegen aufzusuchen, der als Übersetzer an einem streng geheimen Projekt arbeitet, bei dem es um alte Religionen und Sekten geht. Kurz nach Alans Ankunft wird der Gesuchte allerdings ermordet, und Alan gerät bei seinen Nachforschungen an einen merkwürdigen Spinnenkult, der sich offenbar schon über die ganze Welt ausbreitet, und dessen nächstes Opfer er selbst werden soll...

Regisseur Gianfranco Giagni huldigt in seiner Inszenierung deutlich den Vorbildern Argento und Bava, wobei der britische Klassiker "The Wicker Man" (1973) Pate für den skurrilen Inhalt stand. Budapest ist eine ebenso ungewöhnliche wie faszinierende Kulisse für diesen Okkult-Thriller und wird von Kameramann Sebastiano Celeste in knallig-düstere Farben getaucht. Einige Set-Pieces wie der Tod eines Zimmermädchens auf dem Dachboden eines Hotels, wo Dutzende Laken zum Trocknen aufgehängt sind, verweisen klar auf "Suspiria" (1977). Der schwarze Ball, der vor jedem Mord aus dem Nichts kommt und den potentiellen Opfern vor die Füße rollt, stammt dagegen aus Bavas "Die toten Augen des Dr. Dracula " (1966). Giagni gelingen aber auch eigene Einfälle, die nicht minder beunruhigend sind. Spinnen sieht man hingegen bis zum Finale nicht, dafür aber eine bizarre Spinnenfrau, die Uhu-ähnlichen Schleim aus ihrem Mund absondert.

Unter den Darstellern befinden sich angesehene Arthaus-Mimen wie Chabrol-Gattin Stéphane Audran und Eurotrash-Ikone William Berger, in den Hauptrollen geben Roland Wybenga und Paola Rinaldi als mysteriöse Assistentin ein hübsches Paar ab und dürfen sich in einer ausnehmend erotischen Sequenz in den Laken lümmeln.
Untermalt wird das bizarre Geschehen von einem Score, der an den genialen Bernard Herrmann erinnert und eine melancholische, unwirkliche Atmosphäre schafft. Und auch wenn Gianfranco Giagni nie die große Kunst Argentos erreicht, kommt er dem Meister zumindest in einigen Sequenzen sehr nahe.

SPIDER LABYRINTH ist kurzweilige, surreale Horror-Unterhaltung, nicht von der Stange, sexy, blutig und so originell, dass er als Entdeckung für Horror-Fans gewertet werden kann. Auf DVD ist er leider nicht erschienen (lediglich in den USA, allerdings in VHS-Qualität), die alte Verleih-VHS von Empire bietet ihn aber ungekürzt und in guter Qualität.

07/10

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