Samstag, 9. April 2011

Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies (1979)

"We Are Going to Eat You!"

Nach George Romeros Zombie-Hit "Dawn of the Dead" (1978), der in Europa noch erfolgreicher war als in den USA, überschlugen sich vor allem die Italiener mit preiswert hergestellten Imitaten. An vorderster Front schickte Lucio Fulci seine Zombies auf die Leinwände und schuf mit WOODOO - DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (Zombie, Zombi 2) einen eigenständigen Splatter-Klassiker, der in keiner Szene Romeros Vorbild direkt imitiert und die Untoten zurück in die Karibik schickt, wo sie ursprünglich hingehörten, wie man aus Klassikern wie "Ich folgte einem Zombie" (1943) oder White Zombie (1932) weiß. Insofern ist es interessant, dass ausgerechnet der oft als Exploitationfilmer abgekanzelte Fulci zwar dem aktuellen Trend folgte, aber dennoch die Wurzeln des Genres anerkannte und würdigte.

Im Hafen von New York schippert ein menschenleeres Segelschiff umher, auf dem zwei Polizisten bei näherer Begutachtung einen übergewichtigen Zombie entdecken, der ihnen zugleich ans Leder will, aber fachgerecht per Kopfschuss erledigt werden kann, bevor er mehr Unheil anrichtet. Die Tochter des Bootsbesitzers (Tisa Farrow, Mias kleine Schwester) macht sich mit einem Reporter (Ian MacCulloch) auf, das Rätsel um den verschwundenen Vater zu lösen. Das Paar reist gemeinsam auf eine abgelegene Karibikinsel, wo ein einsamer, verzweifelter Wissenschaftler (Richard Johnston) gegen die grassierende Seuche kämpft, aufgrund derer die Toten aus ihren Gräbern steigen. Bald schon sehen sich die Besucher einer ganzen Armee von Zombies gegenüber...

Schon der Beginn von WOODOO mit dem führerlosen Schiff schafft eine unheimliche, surreale Atmosphäre, die Fulci nicht ganz durchhält, die er aber in späteren Werken wie "The Beyond" (1981) meisterhaft perfektionieren sollte. Die Filmzeit bis zur Ankunft des Paares auf der Insel wird mit hübschen Ansichten der Karibik und der halbnackten Auretta Gay gefüllt, die bei der Überfahrt zu einem Tauchgang ansetzt und dabei einem Hai sowie einem Unterwasser-Zombie begegnet, die einen Kampf um Leben und Tod austragen - eine Szene, die wohl einmalig in der Filmgeschichte ist.
Der nächste Höhepunkt folgt auf dem Fuße, wenn Olga Karlatos, die Gespielin unseres Mad Scientists, von Zombies angegriffen und durch eine zersplitterte Tür gezogen wird, wobei sich ein fingerlanger Splitter direkt in ihr Auge bohrt. Dieser Effekt ist so glaubwürdig in Szene gesetzt, dass sie wohl bis heute kein Zuschauer ohne inneres Kreischen begutachten kann.

Lucio Fulci, der zuvor schon etliche Filme verschiedenster Genres inszeniert hatte, erreichte in WOODOO und seinen folgenden Filmen eine kreative Hochphase. Vor Gewalt und Splatter schreckt er nicht zurück, sondern hält drauf, als ginge es um sein Leben. Das Blut fließt heftiger als die Niagara-Fälle, Halsschlagadern werden aufgerissen, Körper ausgeweidet und verspeist, und dennoch gelingen dem Film immer wieder beeindruckend atmosphärische Sequenzen und starke Bilder, die über das reine Gemetzel hinausgehen. Das apokalyptische Schlussbild etwa (siehe unten) ist ebenso schlicht wie effektiv.

Da Fulci nur ein geringes Budget zur Verfügung stand, tragen die Zombies teilweise unfertiges Makeup bis zur Dekolletégrenze (man beachte zum Beispiel, wie im Finale Aufnahmen von geworfenen Molotov-Cocktails immer wiederholt), trotzdem kann sich der Film aber absolut sehen lassen, was auch der exzellenten Cinemascope-Kameraführung und der Musik von Fabio Frizzi zu verdanken ist.

Kann man sich heute noch vorstellen, dass ein Film wie WOODOO seinerzeit in allen Kinos lief? Hauptdarsteller Richard Johnson zumindest dürfte sich gewundert haben, wie sehr das Kino sich verändert hatte, war er doch Anfang der 60er noch Star in einem der subtilsten Gruselklassiker aller Zeiten, Robert Wises "The Haunting" (1963) und musste nun mit eingeweckten Organen hantieren und lebende Tote erschießen.

WOODOO war genau wie Romeros Vorbild ein großer Hit (selbst in den USA), und kurz darauf schossen Zombie-Spektakel wie Pilze aus italienischem Boden, darunter viele sehenswerte, aber auch mindestens genau so viel Schrott. Lucio Fulci begründete seinen bis heute erhaltenen Ruf eines europäischen Splattermeisters, den er mit seinen folgenden Filmen "Ein Zombie hing am Glockenseil" (1980), "The Beyond - Die Geisterstadt der Zombies" (1981) und "Das Haus an der Friedhofsmauer" (1982) zementierte.

WOODOO hat die Zeit gut überdauert. Er ist besonders im Hochsommer immer noch ein scheußlich-schönes Vergnügen und rangiert in der Zombiefilm-Hitparade aller Horror-Fans zu Recht ganz weit oben.

10/10

Die Muppets... äh... Zombies erobern Manhattan - "Woodoo"

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    "Woodoo" hat mich, als ich ihn vor ein paar Jahren das erste Mal sah, sehr beeindruckt. Zumal ich gar keine Erwartungen hatte und dachte es wäre nur ein billiges Gore-Fest. Aber die Atmosphäre konnte sich definitiv sehen lassen. Vor allem bei den Auferstehungsszenen der Zombies und in Verbindung mit dem tollen Score.
    Kennst du eigentlich Fulcis Giallo-Beiträge "Don't Torture A Duckling" und "The Psychic"? Die kann ich nur empfehlen.

    Lieben Gruß
    Erik

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  2. Lieber Erik,

    ja, die kenne ich, "Don't..." mochte ich sehr gern, "The Psychic" war mir etwas zu langatmig, aber nicht uninteressant. Ich könnte da noch "Lizard in a Woman's Skin" empfehlen.

    Liebe Grüße,
    Mathias

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  3. Auch ein klasse Zombiefilm, den muss ich mir auch bald mal wieder anschauen. Am besten gefällt mir die Szene mit dem führerlosen Schiff vor New York. LG Ray

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  4. Hi Ray, ja, die ist toll. Ich habe mir den Film gerade wieder angeschaut und war ganz entzückt, wie gut man den immer wieder sehen kann. Auf den DVD-Extras gibt es Auszüge aus Kritiken des katholischen Filmdienstes und von Phantopia, die den Film als "allerletzten Mist" bezeichnen. Von wegen! Liebe Grüße!

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