Sonntag, 3. April 2011

Squirm - Invasion der Bestien (1975)

Seit Alfred Hitchcock 1962 seine mordgierigen "Vögel" auf die Kinoleinwände losließ, wimmelte es im Horrorfilm von gefräßigen Killer-Krokodilen, Fledermäusen, Piranhas, Bären und sogar Fröschen, die Telefonleitungen kappen können.
Einen der besten Vertreter des Tierhorror-Subgenres namens SQUIRM (Squirm) inszenierte Jeff Lieberman, der später mit seinem LSD-Schocker "Blue Sunshine" (1978) noch ein weiteres Genre-Highlight gelingen sollte, bevor er leider wieder in der Versenkung verschwand. In SQUIRM verwandeln sich ausgerechnet friedliche Regenwürmer in angsteinflößende Bestien, aber das auf überraschend überzeugende Art und Weise.

Ein umgestürzter Strommast sorgt dafür, dass in einem Südstaaten-Kaff in Georgia der Boden unter Hochspannung gesetzt wird. Der Großstädter Mick (Don Scardino) will dort gerade seine Freundin Geri (Patricia Pearcy) besuchen und macht sich gleich im ganzen Hinterwäldler-Dorf unbeliebt. Ganz besonders dem Orts-Sheriff ist Mick ein Dorn im Auge, und auch der einfältige Roger (R.A. Dow), der Geri selbst gern an die Wäsche gehen würde, möchte den Besucher schnell loswerden.
Gleichzeitig überfallen die vom Starkstrom aufgeheizten Würmer einen Antiquitätenhändler und Rogers Vater, der eine Wurmfarm betreibt. Von ihnen bleiben nur noch Knochen übrig. Auch Roger erleidet ein schreckliches Schicksal, als er bei einem Angelausflug kopfüber in die Köder fällt und sich die Würmer in sein Gesicht fressen (die mit Abstand scheußlich-schönste Szene). Im Finale müssen Mick und Geri gegen eine groteske Flutwelle von Würmern ankämpfen, die Geris Heim überfallen, mittendrin der mittlerweile mutierte Roger als Schreckgestalt aus der Hölle...

SQUIRM ist ein kleiner, preiswert hergestellter B-Film, der ganz typisch für die 70er eine Menge Charme, Ideen und Substanz besitzt, die für das fehlende Budget entschädigen. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und weit entfernt von den kiffenden, dauergeilen Teenagern des 80er-Slasherfilms, die sich bis heute im Kino gehalten haben. Die Liebesgeschichte zwischen Mick und Geri ist sogar recht anrührend erzählt, auch wenn das Hauptaugenmerk von SQUIRM natürlich auf den Würmern liegt. Diese sind tatsächlich nichts für schwache Nerven und tauchen überall dort auf, wo man sie gar nicht gebrauchen kann - zum Beispiel schlängeln sie sich aus einer Duschbrause.
Die Effekte stammen von Rick Baker, der kurz darauf zu einem der Genrestars werden sollte und für seine Arbeit an "American Werewolf" (1981) den Oscar erhielt. Er setzt die Würmer so überzeugend in Szene, dass man sich als Zuschauer das eine oder andere Mal auf dem heimischen Sofa wohlig verkriecht, ganz besonders im schaurigen Finale, das stark an Hitchcocks schon erwähntes Meisterwerk erinnert.

Die feucht-schwüle, dreckige Atmosphäre des Südstaaten-Nests wird glaubwürdig vermittelt, und trotz einiger weniger Längen bleibt SQUIRM durchweg spannend. Da hat man schon wesentlich teurere und schlechtere Varianten des Tierhorrors gesehen.
Alles in allem handelt es sich bei SQUIRM um einen liebreizenden kleinen Schocker mit ausgezeichneten Ekeleffekten, der nie über Gebühr blutrünstig wird, sondern seinen Horror aus menschlichen Urängsten und einer angeborenen Abneigung gegen kriechendes Schleimgetier bezieht.

Anekdote am Rande: Jeff Lieberman wollte SQUIRM ursprünglich in Schwarzweiß drehen, weil er seinen Film als Hommage an die 50er-Monsterfilme verstand, musste sich aber dem Druck des Verleihs beugen. Auf der US-DVD fordert Liebermann im Regiekommentar die Zuschauer während des Finales auf, die Farbe spaßeshalber herunterzuschrauben, und der Effekt ist tatsächlich beeindruckend.

08/10

Aushangfoto von "Squirm"

Kommentare:

  1. Hui...Würmer ? Den Film kenn ich bisher auch noch nicht....

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  2. Hi Ray, dann wird es aber Zeit, würde ich sagen. :-) Und wo Du gerade schon bei Spinnen bist... Liebe Grüße!

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