Samstag, 30. April 2011

Rückkehr ans Meer (2009)

Mit RÜCKKEHR ANS MEER (Le Refuge) beendete Francois Ozon seine 'Trilogie des Trauerns', die er mit "Unter dem Sand" (2000) begann und mit "Die Zeit, die bleibt" (2005) fortsetzte. In allen drei Werken geht es um Tod und Abschiednahme, wobei das Meer jeweils eine wichtige dramaturgische und symbolische Rolle spielt.

RÜCKKEHR ANS MEER erzählt von der drogenabhängigen Mousse (Isabelle Carré), die nach einer Überdosis im Krankenhaus erwacht. Ihr Lover Louis (Melvil Poupaud) ist an gestrecktem Heroin gestorben, und Mousse stellt fest, dass sie schwanger ist. Louis' wohlhabende Mutter möchte, dass Mousse das Baby abtreibt, doch Mousse beschließt, es zur Welt zu bringen. Unterstützung erhält sie lediglich von Louis' schwulem Bruder Paul (Louis-Ronan Choisy), der Mousse in ihrem Zufluchtsort, ein Haus am Meer, besucht. Paul bietet sich als Ersatzvater für das ungeborene Baby an. Kompliziert werden die Dinge, als Louis eine Beziehung mit dem örtlichen Handwerker beginnt. Am Ende trifft Mousse eine folgenschwere Entscheidung...

Die Auflösung entspricht ungefähr dem Ende von Ozons vorigem Film "Ricky" (2009), nur dass es hier sehr konkret und weniger verschlüsselt durchgeführt wird. Als Regisseur hat Ozon bei mir einen lebenslangen Bonus, weil er gleich mehrere meiner Lieblingsfilme inszeniert hat ("Swimming Pool", 2003, "5x2", 2004), doch seit "Die Zeit, die bleibt" habe ich mit seinen Filmen etwas zu kämpfen, und ich gebe offen zu, dass ich RÜCKKEHR ANS MEER - ich wage es kaum auszusprechen - sterbenslangweilig fand. So, jetzt ist es raus.

Zwar finden sich hier sämtliche von Ozons Lieblingsthemen, und formal ist ihm absolut nichts vorzuwerfen (Darsteller, Kamera und Musik sind makellos), aber weder haben mich die Charaktere noch ihre dünne Geschichte sonderlich interessiert. Zu Beginn kommt ein bisschen der 'alte' Ozon durch, wenn er den Heroinkonsum seiner Protagonisten in drastischen Bildern beschreibt (das Auffinden einer noch intakten Vene), doch nach diesem sehr realen Auftakt findet eine durchgehende Verklärung und Mystifizierung von Schwanger- und Mutterschaft statt, der ich schlicht nichts abgewinnen kann. Immer wieder zeigt Ozon den schwangeren Bauch von Isabelle Carré (die zum Zeitpunkt des Drehs tatsächlich schwanger war, was den Film sehr authentisch wirken lässt) mit Zärtlichkeit und Hingabe. Das ehrt ihn, hilft dem Film aber nicht weiter, ebenso wenig die unendlichen Frühstücksgespräche von Mousse und Paul. Einerseits kann man diese Handlungsarmut loben, weil sie angenehm unspektakulär bleibt und sich vom Mainstream absetzt, andererseits ist mir nicht klar, was genau RÜCKKEHR ANS MEER eigentlich erzählt, zumal das Meer als Quelle des Lebens und Symbol für den ewigen Kreislauf mittlerweile reichlich überstrapaziert ist.

In der besten Szene wird die schwangere Mousse am Strand von einer fremden Frau belästigt, die vor ihr in die Knie geht und ihren Bauch anbetet, was der werdenden Mutter schnell zu viel wird. So ging es mir auch. Der nackte Bauch von Isabelle Carré und das hübsche Gesicht von
Louis-Ronan Choisy reichen mir nicht für ein zufriedenstellendes Filmerlebnis. Was vor allem fehlt ist Ozons Humor, der sich früher selbst in seinen düstersten Werken fand. "Unter dem Sand" ist auch wegen der wunderbaren Charlotte Rampling ein filmisches Juwel mit Tiefgang und Einfühlungsvermögen. RÜCKKEHR ANS MEER wirkt dagegen wie eine formale Fingerübung ohne Geheimnis.

Ozon, der sich mit "Swimming Pool" auf der Höhe seines Erfolges befand, musste seitdem auf großen Zuschauerzuspruch verzichten. "Die Zeit, die bleibt" und "5x2" blieben hinter den Erwartungen zurück, mit "Angel" (2007) inszenierte er sogar einen teuren Mega-Flop. "Ricky" und "Rückkehr ans Meer" fanden ebenfalls weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mit "Potiche - Das Schmuckstück" (2010) konnte Ozon - vor allem wegen des Charmes von Catherine Deneuve und Gérard Depardieu - das Publikum zurückgewinnen. Glücklicherweise hat er auch seinen Humor wieder gefunden. RÜCKKEHR ANS MEER ist jedenfalls kein Film, den ich mir zweimal ansehen werde.

04/10


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