Sonntag, 24. April 2011

Großangriff der Zombies (1980)

Sogar als eingefleischter Horror-Fan hatte ich lange Mühe, die vielen Zombiefilme der frühen 80er auseinander zu halten, zumal sich ihre deutschen Verleihtitel stets ähneln. Für alle, denen es ebenso geht: GROSSANGRIFF DER ZOMBIES ist der mit der Achterbahn am Ende!
Er ist darüber hinaus auch einer der albernsten, aber spaßigsten und unterhaltsamsten Schocker der Zombie-Welle, obwohl - oder gerade weil - er so herrlich dämlich ist.

Der Inhalt: Ein TV-Reporter (Hugo Stiglitz) fährt in einer namenlosen Großstadt zum Flughafen, um ein paar durch eine giftige Wolke verstrahlte Wissenschaftler abzuholen und zu interviewen. Als die Maschine landet, springen aber plötzlich statt seriöser Professoren blutrünstige Zombies aus der Maschine und richten ein Massaker unter den wartenden Militärvertretern und Presseleuten an. Bald darauf überschwemmen sie die ganze Stadt, und nur wenigen gelingt die Flucht. Unser Journalist und seine Ehefrau können bis zu einem Freizeitpark entkommen und erklimmen dort eine Achterbahn, um von einem Hubschrauber gerettet zu werden. Doch dann kommt alles irgendwie anders...

Mehr Inhalt muss man nicht erzählen, denn GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (Nightmare City/ Incubo sulla città contaminata) hat keinen. Dafür gibt es fröhliche Blutbäder, kreischende Opfer und eine "Abfolge von Scheußlichkeiten", wie das Lexikon des internationalen Films richtig schreibt. Was die Redakteure dort übersehen ist die Tatsache, dass man gerade diese Scheußlichkeiten in einem Film wie diesem sehen will, sonst könnte man sich auch "Jenseits von Afrika" ansehen, der - wenn man es genau bedenkt - durch ein paar Zombies sicher noch besser unterhalten würde.

Die Zombie-Invasion stellt nur den roten Faden des Films dar, der dann - ähnlich wie ein Groschenroman - mehrere Schicksale von Charakteren parallel erzählt, die allesamt die Stadt verlassen wollen. So gesehen mixt Umberto Lenzi den Horror mit Stilmitteln des Katastrophenfilms, was ganz schlüssig erscheint. Lenzi stellt zwar wieder unter Beweis, dass er weder in der Lage ist, Schauspieler zu führen noch gute Spannung zu erzeugen, aber immerhin inszeniert er seinen Film in einem dermaßen rasanten Tempo, dass dem Zuschauer kaum Luft zum Atmen bleibt. Im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres sind Lenzis Zombies schnell und actionerprobt. Sie verspeisen nicht nur ihre Opfer, sondern schießen auch mit Maschinenpistolen, Schlitzen mit Messern und üben sich im Nahkampf, was dem Film erstaunlichen Drive gibt.

In meiner absoluten Lieblingsszene überfallen die rasenden Untoten ein TV-Studio, in dem gerade eine Tanztruppe zu schaurigen Synthie-Klängen Discotänze (eher eine Mischung aus Disco und Aerobic, was damals gerade in Mode kam) vorführt. Darsteller, Musik und Kostüme sind hier so entsetzlich geschmacklos, dass das anschließende Gemetzel einen wahren Befreiungsschlag für die Sinne darstellt. Trashiger kann Trash nicht sein, und ich empfehle jedem, sich diese Sequenz jetzt sofort anzusehen, sie macht auf der Stelle gute Laune!

Makeup-technisch bietet GROSSANGRIFF keine Meisterleistungen. Die Zombies sehen aus, als hätte man ihnen eine handvoll Schlamm ins Gesicht geklatscht (das sollen Verbrennungen sein), trotz der kolportierten "Stunden", die es angeblich gebraucht hat, die armen Kleindarsteller in lebende Tote zu verwandeln. Unter den weitestgehend unbekannten Darstellern befindet sich auch Hollywoodstar Mel Ferrer, der sich irgendwie in den Streifen verirrt hat und leider zu wenig Szenen bekommt. In Lenzis vorangegangenem Kannibalenschocker "Eaten Alive" (1980) hat er bereits eine der Hauptrollen gespielt.
Hauptdarsteller Hugo Stiglitz war - man glaubt es kaum - ein großer Star in seinem Heimatland Mexiko, und Umberto Lenzi wurde quasi gezwungen, ihn zu besetzen. Leider spielt er den gesamten Film mit einem einzigen Gesichtsausdruck, den ich "Wachkoma" nennen würde. Er ist eine wandelnde Schlaftablette. Glücklicherweise jagt der Film so schnell voran, dass er nicht weiter stört.

Das Finale auf besagter Achterbahn wird von Lenzi sehr hübsch in Szene gesetzt und sorgt für eine ziemliche Überraschung, auf die dann leider noch eine weitere folgt, die den Film mit einer saublöden Pointe enden lässt. Das macht aber nichts, denn bis dahin hat man sich extrem kurzweilig amüsiert. Ich persönlich finde nicht nur, dass GROSSANGRIFF DER ZOMBIES zu den besten Vertretern des Zombie-Genres gehört (Bruno Matteis "Die Hölle der lebenden Toten" wäre der schlechteste), er ist auch definitiv der beste Film Umberto Lenzis, der auf jeden Exploitation-Zug aufgesprungen ist, der des Weges kam.

08/10


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